Deutsche Wohnen gegen Vonovia Anleihebesitzer im Zentrum der Übernahmeschlacht

Der Vermieter Deutsche Wohnen fährt die Stacheln aus, um sich gegen die Übernahme durch den Dax-Konzern Vonovia zu wehren. Um Wandelanleihe-Besitzer für sich zu gewinnen, könnte Deutsche Wohnen viele Millionen ausgeben.
Update: 29.01.2016 - 15:23 Uhr
Das Tauziehen um die Übernahme geht in die nächste Runde. Quelle: dpa
Deutsche Wohnen

Das Tauziehen um die Übernahme geht in die nächste Runde.

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FrankfurtDer Immobilienkonzern Deutsche Wohnen funkt dem größeren Rivalen Vonovia bei dessen feindlichem Übernahmeversuch erneut dazwischen. Der Deutsche-Wohnen-Vorstand behält sich - anders als zunächst erklärt - vor, ausgegebene Wandelanleihen nicht in Aktien zu tauschen. Die Inhaber der Papiere sollten viel mehr in bar abgefunden werden, wie die Nummer zwei unter den Wohnungsvermietern in Deutschland am Freitag mitteilte. Das könnte die Deutsche Wohnen mehr als 900 Millionen Euro kosten.

Seit Monaten beharken sich Vonovia (ehemals Deutsche Annington) und Deutsche Wohnen. Der Dax-Konzern Vonovia will mit aller Gewalt an die vor allem in Berlin liegenden Wohnungen des Konkurrenten einverleiben. Doch der kleinere Konkurrent – mit immerhin 147.000 Wohnungen im Bestand – will sich nicht geschlagen geben.

Mit dem neuen Schachzug will die Deutsche Wohnen die Hürde wieder höher legen, die Vonovia für eine Übernahme überspringen muss. Vonovia wertet die Ankündigung der Deutschen Wohnen, die Wandelanaleihen statt mit Aktien in bar zu bezahlen, „als bewussten Versuch, den Markt zu verunsichern und so die attraktive Übernahmeofferte von Vonovia zu vereiteln“.

Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn hatte das Übernahmeangebot von Vonovia immer als unattraktiv abgelehnt. Am Ende könnte das seit Monaten schwelende Tauziehen vor Gericht entschieden werden.

Vonovia hatte die Inhaber der Deutsche-Wohnen-Wandelanleihen auf seiner Seite gewähnt. Denn sie können rund 20 Prozent Gewinn machen, indem sie ihre Papiere im Nominalvolumen von 650 Millionen Euro nach einem Eigentümerwechsel umtauschen und das Angebot des Branchenführers annehmen. Für sie ist die Offerte damit sogar deutlich lukrativer als für die Deutsche-Wohnen-Aktionäre.

Der größere Konzern wirf Deutsche Wohnen jetzt vor, den Anleihegläubigern eigentlich offiziell mitgeteilt zu haben, dass sie beabsichtige, die Wandelanleihen durch Schaffung neuer Aktien zu tilgen und jetzt eben anders als versprochen handeln zu wollen. Die Investoren hätten allerdings der ursprünglichen Aussage vertraut und sie zur Grundlage von Anlageentscheidungen gemacht. Diese dürften sich zu Recht getäuscht fühlen, kritisieren die Bochumer.

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Vonovia hatte am Montag in Hoffnung auf einen Zugriff auf die Aktien aus der gewandelten Anleihe erklärt, ihr reichten damit 44 statt 50 Prozent der übrigen Aktien, um sicher auf eine Mehrheit an der Deutschen Wohnen zu kommen. Bis Anfang der Woche hatte Vonovia aber nur 22,5 Prozent sicher, das 14 Milliarden Euro schwere Angebot läuft noch bis 9. Februar. Großanleger entscheiden sich aber oft erst in den letzten Stunden.

Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn pariert mit der Barofferte für die Anleihegläubiger die Attacke Vonovias: „Wir nehmen nicht hin, dass die Vonovia das Votum der Deutsche-Wohnen-Aktionäre nicht akzeptieren will.” Nach seiner Ansicht muss Vonovia jetzt wieder mindestens 50 Prozent der Aktionäre auf seine Seite ziehen. „Es darf nicht sein, dass eine Minderheit bestimmt, was die Mehrheit macht”, sagte ein Insider aus dem Umfeld von Deutsche Wohnen. Zahn gab sich sicher, dass Vonovia das nicht gelingen werde. Er hält das Angebot von Vonovia für unzureichend und die Übernahme für strategisch nicht sinnvoll.

Vonovia hat sich zum Ziel gesetzt, 168 Millionen Deutsche-Wohnen-Aktien einzusammeln, das wäre die Hälfte der ausgegebenen Anteilsscheine. Über einen Umtausch der Wandelanleihen könnten rund 40 Millionen weitere Aktien geschaffen werden. In die Papiere haben sich Insidern zufolge zahlreiche Hedgefonds eingekauft, die es auf kurzfristige Profite abgesehen haben.

Je nachdem, wie diese entscheiden, könnte Vonovia am Ende zwar formal sein Ziel erreichen, aber trotzdem die Mehrheit an der Deutschen Wohnen verfehlen. Was dann passiert, ist offen. Die Entscheidung liegt formal bei der Finanzaufsicht Bafin – doch sie könnte die Streitparteien laut Branchenkennern auch an ein Gericht verweisen.

Eine Barabfindung würde Deutsche Wohnen eine Milliarde Euro kosten und die Verschuldung der Gesellschaft hochtrieben, argumentiert Vonovia. Aus Finanzkreisen verlautete, dass sich Deutsche Wohnen für den Fall einer Barabfindung Brückenkredite über rund 900 Millionen Euro gesichert habe. Die Verschuldung, branchentypisch „loan to value“ genannt, werde sich aufgrund der Bilanzierung der Wandelschuldverschreibung nicht verändern, verlautete weiter.

  • rtr
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