Die Mitte wohnt arm Wie Wohnen wieder bezahlbar werden soll

Handwerker haben oft die gleichen Probleme wie Hartz IV-Empfänger, wenn sie auf Wohnungssuche gehen. Denn bezahlbarer Wohnraum ist schwer zu finden in deutschen Großstädten. Für Ärmere bleibt erst recht kein Platz.
6 Kommentare
Deutschland kann einer Pestel-Studie zufolge eigentlich vier Millionen Sozialwohnungen gebrauchen. Allein um den Status quo zu halten, müssten jährlich zwischen 60.000 und 100.000 solcher Wohnungen entstehen. Quelle: dpa

Deutschland kann einer Pestel-Studie zufolge eigentlich vier Millionen Sozialwohnungen gebrauchen. Allein um den Status quo zu halten, müssten jährlich zwischen 60.000 und 100.000 solcher Wohnungen entstehen.

(Foto: dpa)

BerlinDie Krankenschwester geht jeden Tag zur Arbeit und verdient nicht einmal schlecht. In München, Hamburg oder Frankfurt findet sie häufig trotzdem keine bezahlbare Wohnung. Genau wie die Rentnerin und der Handwerker. Für Normalverdiener werde es immer enger in den deutschen Großstädten, warnt die Wohnungswirtschaft. So eng, dass sozialer Wohnungsbau längst nicht mehr nur etwas für Ärmere ist.

Doch wo Normalverdiener in den günstigsten Wohnungen leben, bleibt für richtig Arme erst recht kein Platz.

„Sie können nicht mehr so bauen, dass sich die Menschen eine Neubauwohnung leisten können“, beklagt der Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko. Neue Wohnungen entstehen seit Jahren vor allem im Luxussegment.

Neubau mit mittleren und niedrigen Mieten für die Krankenschwester oder den Rentner lohnten sich nicht mehr, seit die Baukosten der Inflation davongerannt seien, begründet Gedaschko.

Jetzt werden dort, wo mittlere Mieten selten sind, auch noch die Sozialwohnungen knapp. Von den im Jahr 2002 noch 2,5 Millionen Wohnungen mit gedeckelten Mieten ist ein Jahrzehnt später fast eine Million verschwunden. Die Preisbindung des sozialen Wohnungsbaus aus der Nachkriegszeit läuft aus.

Dabei könnte Deutschland einer Pestel-Studie zufolge eigentlich vier Millionen Sozialwohnungen gebrauchen. Allein um den Status quo zu halten, müssten jährlich zwischen 60.000 und 100.000 solcher Wohnungen entstehen.

Wohnungen mit Preisbindung
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Die Mitte wohnt arm - Wie Wohnen wieder bezahlbar werden soll

6 Kommentare zu "Die Mitte wohnt arm: Wie Wohnen wieder bezahlbar werden soll"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Falsche Debatte.
    Die Mieten sind nicht zu hoch.
    Das erkennt man recht schnell an einem Vergleich der dt. Mieten mit denen anderer Länder und dem Anteil der Miete sn dem statistischen Durchschnitts Lohn.

    Die Leute erhalten zu wenig Geld für die Tätigkeit die sie erbringen.
    Wenn also viel unter 7€ verdienen, sie aber in anderen Ländern (F, ND, USA) über 10€ bekommen, dann könnten Sie sich auch eine normal teuere Wohnung leisten.
    Wer die Inflation aus den Mietpreisen herausrechnet,
    der bekommt einen Schreck. Und dem wird die Absurdität der Diskussion klar.
    Der Mindestlohn muss her, und zwar für alle.
    Alles andere ist großer Quatsch. Oder Politik.

  • Und wo soll gebaut werden? Platz ist doch nur noch an der Peripherie der Städte. Und da will eh keiner wohnen. Die wollen allen in der Hamburger HafenCity wohnen. Und da ist kein Platz und am Stadtrand von Berlin (bspw. Martzahn) stehen reihenweise sanierte Hütten leer...Alles nur Scheindebatten mit der Illusion, alle Deutschen könnten ne Wohnung zum Nulltarif mit Dom- und Rheinblick haben...

  • Wenn jede angesprochene Berufsgruppe das Recht auf eine Neubauwohnung, finanziert durch Steuergeld oder noch mehr Staatsschulden, zugesprochen bekommt, was passiert dann mit den massenhaft errichteten Sozialwohnungen der 50-70iger Jahre? Leer stehen lassen? Mit Steuergeld abreißen? Auch in Bestandswohnungen müssen Leute leben?

  • Ein Artikel für die Bau-Lobby. Es geht nur darum, dem Steuerzahler für die Bau-Klientel noch mehr Steuergeld aus den Rippen zu schneiden.

  • Die Mieten in den Ballungsgebieten sind zu hoch, ok. Also was machen? Ganz einfach die Vermieter sollen doch auf die kostendeckende Mieter verzichten, sind ohnehin alles Schweine oder warum nehmen die Geld für die Überlassung einer Wohnung, wo wohnen doch ein Grundrecht ist???
    Lächerlich, die Baupreise haben sich moderat und maximal in der gleichen Geschwindigkeit erhöht wie die allgemeinen Lebenshaltungskosten und die Gehälter. Was explodiert ist ist der Preis von Bauland in diesen Metropolen. Woran das u.a. auch liegt? Ganz einfach München selbst ist einer der größten Preistreibe bei den eigenen Grundstücken. Mehr als 100.000 Wohnungen könnten sofort gebaut werden wenn sich das Rathaus mal endlich bewegen würde und das viele vorhandene Land freigeben würde und eine moderate Nachverdichtung und vor allem Aufstockung der Altbestände zulassen würde. Aber nein , wo kommen wir den da hin, dann können wir ja gar nicht mehr die bösen Vermieter beschimpfen und damit auf Stimmenfan gehen.

  • Tja, wie schön, dass unsere kommunalen und bundeseigenen Immobiliengesellschaften alle privatisiert wurden. Böse Zungen behaupten, die neuen Eigentümer würden nicht so sehr auf Wohnqualität und stabile Mieten, sondern eher auf maximale Einnahmen binnen 5 Jahren setzen.
    Außerdem verlieren die Kommunen jegliche Möglichkeit, ein Quartiermanagement zu betreiben. So schafft man soziale Brennpunkte. Und in ca. 10 Jahren muss dann womöglich eine in die Pleite gewirtschaftete Wohnungsgesellschaft wieder verstaatlicht werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%