Mietwohnung

Eine App soll die Kommunikation zwischen Mietern und Vermietern erleichtern.

(Foto: dpa)

Digitalisierung auf dem Immobilienmarkt Dieses Start-up will Mietern und Vermietern den Alltag erleichtern

Die Immobilienbranche gilt als Nachzügler bei der Digitalisierung. Doch nun feiern Technologie-Start-ups dort Erfolge – wie Allthings. Investoren ziehen mit.
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FrankfurtTech-Unternehmen in der Immobilienbranche haben eine besonders anspruchsvolle Mission. Denn die Branche denkt in Jahrzehnten – und das gilt es, in digitale Geschwindigkeit zu übersetzen. Die Macher von „Allthings“ haben sich dieser Mission angenommen. Auf ihrer Plattform bieten sie digitale Dienste an, für die früher ein Mittelsmann wie ein Hausverwalter oder Hausmeister nötig war.

Dafür hat das Unternehmen eine App für Smartphones entwickelt. Mit ihr kann ein Mieter beispielsweise den kaputten Wasserhahn direkt beim Eigentümer melden. Eine Firma, die Büros mietet, kann die Parkplatzbuchung für den Geschäftskunden abwickeln.

Mieter können ihren Energieverbrauch einsehen, Eigentümer die Nebenkostenabrechnung per App statt auf dem Postweg verschicken. Die Plattform sei nahezu beliebig erweiterbar, sagt Marc Beermann. Er ist einer der vier Gründer des Start-ups.

Investoren scheint die Idee zu gefallen. In ihrer vierten Finanzierungsrunde hat Allthings 13,7 Millionen Franken eingesammelt. Das entspricht 11,8 Millionen Euro. Damit ist es eine der größten Proptech-Finanzierungen im deutschsprachigen Raum. Das Wort Proptechs setzt sich aus „Property“ und „Technology“ zusammen. Es wird verwendet, um Technologieunternehmen im Immobilienbereich zu beschreiben.

Als führende Investoren beteiligen sich Earlybird, Idinvest und Kingstone Capital Partners in der vierten Finanzierungsrunde an Allthings. Daneben beteiligen sich bestehende Investoren wie etwa Creathor Ventures erneut. Insgesamt hat Allthings bisher rund 20 Millionen Franken eingesammelt.

Mit der erfolgreichen Finanzierungsrunde setzt sich ein Trend fort: Investoren bekommen zunehmend Lust auf Proptechs. In 21 Finanzierungsrunden haben Proptechs im vergangenen Jahr insgesamt 90 Millionen Euro eingesammelt, im Schnitt 4,3 Millionen Euro.

Das ist viel, denn bis 2016 fanden Finanzierungsrunden im siebenstelligen Bereich nur vereinzelt statt. Die Daten hat der Frankfurter Accelerator Blackprintpartners in seinem „Proptech Yearbook“ zusammengefasst.

In diesem Jahr setzt sich der Aufschwung fort, wie das Start-up-Barometer von EY zeigt. Allein im ersten Halbjahr sammelten Proptechs 80 Millionen Euro ein, im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum nur 32 Millionen Euro. Laut Blackprintpartners gibt es derzeit rund 370 Proptechs im deutschsprachigen Raum.

Die Finanzierungsrunde von Allthings ist eine der größten öffentlich bekannten, die es bislang im Proptech-Bereich gegeben hat. An den Spitzenwert reicht das Schweizer Start-up jedoch nicht heran.

Bereits 2016 sammelte Thermondo 23,5 Millionen Euro ein und führt seitdem die Statistik an. Das Start-up hat sich auf die Digitalisierung des Bestellvorgangs des Heizungswechsels spezialisiert. Zu den Investoren gehörten damals Global Founders Capital, Eon, Holtzbrinck Ventures, IBB Beteiligungsgesellschaft und Picus Capital. Im vergangenen Jahr sammelte das Maklerportal McMakler 16 Millionen Euro ein.

Start-ups suchen die Nähe zu etablierten Unternehmen

Die Neuen am Immobilienmarkt verstehen sich dabei nicht zwangsläufig als Rivalen zu den Etablierten. Nicht selten suchen sie die Nähe zur Branche. In Deutschland hat sich im vergangenen Jahr beispielsweise Union Investment Real Estate mit 13 Prozent an Architrave beteiligt, einem Proptech, das sich auf intelligentes digitales Datenmanagement spezialisiert hat.

Mieter können beispielsweise ihren Energieverbrauch einsehen.
Die App „Allthings“

Mieter können beispielsweise ihren Energieverbrauch einsehen.

International hinken die Proptech-Gründer im deutschsprachigen Raum der Konkurrenz deutlich hinterher. Global zählte die Branchenplattform „RE:Tech“ im vergangenen Jahr Finanzierungen in Höhe von 12,6 Milliarden Dollar, die bei 347 Deals eingesammelt wurden. Knapp die Hälfte der Summe entfällt auf junge Unternehmen in den USA. Seit 2015 habe sich das Volumen um knapp 115 Prozent gesteigert.

Einen immensen Schub hat die Branche von einer Großfinanzierung erhalten. Der US-Coworking-Anbieter WeWork erhielt 4,4 Milliarden Dollar vom japanischen Technologiekonzern Softbank. 450 Millionen Dollar steuerte der Konzern ebenfalls zur insgesamt 550 Dollar schweren Finanzierungsrunde des Start-ups Compass zu. Compass vermittelt Gewerbeflächen auf seiner digitalen Plattform.

In die Liste der größten Finanzierungsrunden hat es auch das britische Start-up Lendinvest geschafft. Es vermittelt Hypothekendarlehen und sammelte 107 Millionen Dollar ein.

Von derartigen Sphären ist Allthings weit entfernt. Zumindest der britische Markt soll nun in den Fokus rücken: Mit dem Geld aus der Finanzierungsrunde möchte Allthings expandieren, sagt Co-Gründer Beermann. Das Produkt soll weiterentwickelt, neue Märkte wie Großbritannien und Skandinavien erschlossen werden.

Heute ist das Schweizer Start-up neben seinem Heimatland in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Portugal aktiv. Zu den größten Kunden zählt etwa das Asset-Management der Credit Suisse und der Axa. In Deutschland zählt Patrizia zu den größten Kunden. Jährlich kommt das Proptech auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag an Umsatz. Es verzeichnet in der Wachstumsphase bislang aber noch keine Gewinne.

Zu seinen Investoren zählt Allthings Branchenkenner und bekannte Investoren. Darunter sind Marc Stilke, ehemaliger Immobilienscout24-Chef; Beat Schwab, Ex-Leiter des Immobilienmanagements der Credit Suisse und der bekannte Schweizer Investor Ariel Lüdi, der einst sein E-Commerce-Unternehmen Hybris für 1,5 Milliarden Franken an SAP verkaufte.

Auf die Frage, ob er sich nicht Sorgen mache, dass ein US-Start-up auf eine ähnliche Idee wie Allthings kommt und die Schweizer überrollt, reagiert Beermann gelassen. „Immobilienmärkte sind in erster Linie lokal“, bekräftigt er. „Schon zwischen der Schweiz und Deutschland sind die Unterschiede zu spüren.“

Er fügt an: „Warum soll es nicht ausnahmsweise einmal andersherum gehen: Ein europäisches Start-up wird international groß?“ Eine Kampfansage ist das nicht. Erst einmal müsse man sich bei Allthings um die Kernmärkte kümmern.

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