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Einkaufszentrum Forum des Halles Das neue Herz von Paris

Der historische Kern der Stadt wird derzeit neu belebt: Jetzt wird das Einkaufszentrum von Les Halles nach langem Umbau eröffnet. Das alte Zentrum gewinnt damit enorm an Attraktivität – und die nächsten großen Baumaßnahmen stehen bereits vor der Tür.
13.05.2016 - 16:28 Uhr
Runderneuertes Einkaufszentrum. Quelle: PR
Forum des Halles in Paris

Runderneuertes Einkaufszentrum.

(Foto: PR)

Paris Frankreichs Hauptstadt wirkt oft wie ein Freilichtmuseum, so unveränderlich sind über die Jahre hinweg ganze Straßen und Stadtviertel. Doch das historische Herz der Stadt, die Straßenzüge zwischen der Banque de France und der Bourse du Commerce sowie rund um die früheren Markthallen, wird derzeit neu belebt. Sollte die große Operation erfolgreich abgeschlossen werden, wird Paris weiter an Attraktivität gewinnen. Nach fünfjähriger Bauzeit soeben neu eröffnet, zeigt sich das „Forum des Halles“ dort, wo seit dem zwölften Jahrhundert der Markt von Paris war und sich später die eisernen Markthallen erhoben. Nach der Zerstörung von Les Halles ab 1971 wurde in einem riesigen Loch einer der größten Knotenpunkte für die Métro und RER (S-Bahn) geschaffen, darüber entstand ein Einkaufszentrum, das sich nur zum Teil an der Oberfläche zeigte. Die 70er-Jahre-Bauten wirkten rasch hässlich und aus der Mode gekommen, weil sie zu modern sein wollten. Kriminalität und Ramschläden ruinierten den Ruf des Viertels.

Die Bauten an der Oberfläche wurden komplett abrasiert, doch wurde in der Tiefe nur wenig geändert. Auch so war die Neugestaltung kompliziert genug: Den Tiefbahnhof mit seinen zahlreichen Gleisen kann man nicht anrühren, das würde zum Verkehrskollaps führen. Allerdings wurden drei neue Zugänge für Fußgänger geschaffen. Die Laufwege werden noch umgebaut, um rascheres Umsteigen zu erlauben. Bis zur Fußball-Europameisterschaft im Juni wird dies nicht erledigt sein. Der Betrieb des Einkaufszentrums in den drei unteren Stockwerken sollte möglichst ungestört weitergehen. Diese Vorgabe behinderte die Bauarbeiten erheblich und erklärt den langen Zeitraum von mehr als fünf Jahren.

Die Stadt Paris und der Eigentümer Unibail wählten die Architekten Patrick Berger und Jacques Anziutti für den Neubau des Forums mit seinem emblematischen Glasdach. Auf Französisch nennt es sich „Canopée“, Blätterdach, in Anspielung auf die Tausenden einzelnen Glaselemente, die eingesetzt wurden. „Stellen Sie sich vor, der Zugang zu Paris erfolgte von unten, Sie kommen nach oben und sehen die Bäume mit ihren Blättern – diese Idee haben wir architektonisch umgesetzt“, sagte Patrick Berger. Die Wirklichkeit ist etwas schnöder. Auf den Animationen wirkte das Dach leicht und schwerelos, steht man darunter, fallen die massiven stählernen Träger auf. Das hohe Gewicht hat seinen Preis und trübt den optischen Eindruck erheblich. Aus der Entfernung wirkt die in der Mitte leicht durchhängende Glasfläche mit ihrer beige-gelben Farbe ein wenig wie ein an den Strand gespültes Meeresungeheuer. Erreicht haben die Architekten auf jeden Fall mehr Helligkeit, Zugänglichkeit, Offenheit dort, wo früher ein verwinkelter, versperrter Betonklotz stand.

Wettrennen der Vermögenden

Die Pariser lockt Bürgermeisterin Anne Hidalgo mit einer großen Mediathek, mehreren Kunstzentren, einem Saal für junge Hip-Hop-Sänger und weiteren öffentlichen Angeboten. Sie preist das neue „Forum des Halles“ als „Verkörperung der gemischten, vielfältigen, pluralistischen Pariser Gesellschaft“. Doch verfolgt sie natürlich auch wirtschaftliche Zwecke. Das Rechteck der früheren Hallen ist einer der am stärksten frequentierten Orte der Stadt, hier sollen auch wieder hochwertigere Geschäfte angesiedelt werden. Das ist gelungen mit drei Flagship-Stores großer Marken. Flächenmäßig ist das Forum mit seinen 75.000 Quadratmetern und 150 Mietern bei weitem nicht die größte Mall von Unibail in Paris. Doch die 37 Millionen jährlichen Besucher hieven es fast an die Spitze, nur „Les quatre Temps“ außerhalb der Stadt bringt es auf mehr Besucher, aber bei fast der dreifachen Fläche.

Die Mieten für Ladenlokale im Viertel von Les Halles variieren stark, je nach Fußgängeraufkommen der Lage liegen sie zwischen 50 und 110 Euro je Quadratmeter. Frei vermietet wird aber so gut wie nichts, „mehrere Hunderttausend Euro Abstandszahlung an den Vormieter“ seien die Regel, sagt Saby Sadaka vom Makler Procomm. 2018 soll endlich der Park vor dem Forum fertig werden, der immer noch eine Baustelle ist. Ende 2018 will auch François Pinault, Gründer des Luxuskonzerns Kering, sein Kunstmuseum in der Bourse du Commerce eröffnen, die nur ein paar Dutzend Meter vom Forum entfernt ist.

Fast gleichzeitig wird sein größerer Konkurrent Bernard Arnault von LVMH die neue Samaritaine eröffnen, ein ganzes Viertel auf dem Gelände des alten Kaufhauses zwischen Rue de Rivoli und Seine. Hier entstehen 70.000 Quadratmeter an Ladenfläche, ein Luxushotel und, man glaubt es kaum, ein paar Sozialwohnungen. Beim Wettrennen der Milliardäre sollen ein paar Brocken für die Pariser abfallen. Das alte Zentrum der Stadt wird stark an Attraktivität gewinnen, zumindest wenn man es mit den 1990er-Jahren vergleicht. Eine schaut sich das Treiben ganz gelassen an: Die alte Marktkirche Saint-Eustache neben den Hallen. Hier wurden Richelieu, Molière und Madame de Pompadour getauft, Ludwig XIV. empfing seine erste Kommunion, und Colbert wurde begraben in der an eine Kathedrale erinnernden Kirche. Was schert sie ein Einkaufszentrum mehr oder weniger?

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