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Energieausweis Gebäude werden „grün“ gerechnet

Mit einem Energieausweis soll die energetische Qualität von Immobilien vergleichbar gemacht werden. Doch Kritiker bezweifeln die Aussagekraft de Passes: Bedarfsberechnungen können große Differenzen aufweisen und Eigentümer haben es leicht, ihr Gebäude grün zu rechnen.
  • Christian Hunziker
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Verheizt? Kritiker bezweifeln die Aussagekraft des Energiepasses. Quelle: gms

Verheizt? Kritiker bezweifeln die Aussagekraft des Energiepasses.

BERLIN.Der Energieausweis für Gebäude ist eine gute Sache. Er soll die energetische Qualität von Wohn-, Büro- und Einzelhandelsimmobilien vergleichbar machen und Mietern und Eigentümern zeigen, welche Energiekosten auf sie zukommen. Als Königsweg gilt der so genannte Bedarfsausweis, der den Energiebedarf rechnerisch ermittelt. Ausgerechnet dessen Verlässlichkeit aber ziehen Kritiker wie der auf Energiefragen spezialisierte Rechtsanwalt Werner Dorß von der Frankfurter Sozietät FPS in Zweifel. Je nach verwendeter Software wiesen die Ergebnisse "vollkommen inakzeptable" Differenzen auf.

Der Anwalt bezieht sich auf eine Untersuchung des Planungsbüros Archinea. Fünf verschiedene Computerprogramme, welche die entsprechende Norm für den Bedarfsausweis (DIN V 18599) umsetzen, errechneten jeweils den Endenergieverbrauch des Kongresszentrums der Messe Stuttgart: Die Ergebnisse zeigen Abweichungen von bis zu 30 Prozent. Eigentümer könnten also, so der naheliegende Gedanke, dasjenige Programm wählen, das den geringsten Energieverbrauch errechnet, um sich einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um Mieter zu sichern. "Sie können jedes Gebäude grün rechnen", sagt Anwalt Dorß, und der Aussteller des Ausweises müsse nicht einmal befürchten, in Haftung genommen zu werden.

Dass die Software-Programme zur Ermittlung des Bedarfsausweises erhebliche Abweichungen aufweisen, ist bekannt - ein Forschungsvorhaben des Bundesbauministeriums kam zu ähnlichen Ergebnissen. Mittlerweile haben sich die Hersteller der entsprechenden Programme zu einer Gütegemeinschaft zusammengeschlossen, um ein Qualitätssicherungssystem zu erarbeiten. Das hält Thomas Herr vom Berliner Dienstleistungsunternehmen TH Projektmanagement für das richtige Vorgehen: "Lieber ein schlechtes Messsystem als gar keines", sagt er. Der Energieausweis sei nun einmal ein Massenprodukt und könne nicht so präzise Ergebnisse liefern wie eine individuelle Untersuchung. Karsten Zastrau vom Messunternehmen Ista spricht sich dafür aus, angesichts der Unzulänglichkeiten gleich auf den Verbrauchsausweis zu setzen, der auf dem tatsächlichen Energieverbrauch der vergangenen drei Jahre basiert. Dessen Ergebnisse sind jedoch nach Ansicht von Rechtsanwalt Dorß zu stark vom Nutzerverhalten abhängig. Dorß schlägt vor, die umstrittene Norm durch ein gänzlich anderes Berechnungssystem zu ersetzen - und stößt auf Widerstand des Bundesbauministeriums: Es könne, heißt es dort, nicht Ziel sein, das Verfahren durch eine noch aufwändigere Methode zu ersetzen.

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