Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Ferienwohnungen Für die Superreichen ist die Schweiz noch immer der Gipfel des Luxus

Der Markt für Zweitwohnsitze in der Alpenrepublik zählt zu den teuersten der Welt – und die Preise steigen noch. Doch die Nachbarländer holen auf.
Kommentieren
Sternerestaurant, Luxus-Spa und ein atemberaubender Blick auf den Vierwaldstätter See.
Bürgenstock Resort bei Luzern

Sternerestaurant, Luxus-Spa und ein atemberaubender Blick auf den Vierwaldstätter See.

Zürich Auf der einen Seite der Vierwaldstättersee, auf der anderen ein atemberaubendes Alpenpanorama: Auf dem Bürgenberg bei Luzern haben einst Sean Connery und Audrey Hepburn genächtigt. Und was den Hollywood-Stars gefallen hat, kann den heutigen Gästen nur recht sein: Das „Bürgenstock Resort“ im Schweizer Kanton Nidwalden lockt nicht nur mit malerischem Panorama, sondern auch mit einem Rund-um-die-Uhr-Service und einer Spa-Landschaft auf 10.000 Quadratmetern.

Wer derlei Annehmlichkeiten nicht nur im Urlaub genießen möchte, kann sich auf dem Bürgenberg seit Neuestem als Langzeitmieter einquartieren – oder gleich eine Villa kaufen. „Früher galt das Bürgenstock Resort vor allem als Sommerdestination, heute wollen wir es für Gäste das ganze Jahr über attraktiv halten“, sagt Robert P. Herr, der Leiter des Resorts.

„Dazu gehört auch, dass wir Gästen die Möglichkeit geben wollen, hier länger zu leben, vom medizinischen Angebot Gebrauch zu machen oder sogar ein Stück Eigentum zu erwerben.“ Das nötige Kleingeld sollte aber nicht fehlen: Für die meisten Apartments werden fünfstellige Monatsmieten fällig, Zimmerservice inklusive.

Auch wenn es nicht überall so erlesen zugeht wie auf dem Bürgenstock: Wohnen im Alpenraum bleibt ein Luxus, den man sich leisten können muss. Ein schwacher Trost für Interessenten: Vergleicht man die Entwicklung auf dem Ferienimmobilienmarkt in der Schweiz mit dem der Nachbarländer, dann wirken die Mieten gar nicht mehr so gesalzen.

Denn während die Preise in der Eidgenossenschaft lange stagnierten, holten die Nachbarländer kräftig auf, wie eine Studie der Schweizer Großbank UBS zeigt. Zudem gibt es innerhalb der Länder deutliche Unterschiede. „Der Markt ist zweigeteilt“, sagt Maciej Skoczek, Experte für Investitionen in Schweizer Immobilien bei der Großbank UBS.

Lieferung vom Sternekoch

Gefragt sind Destinationen in touristisch attraktiven Lagen. Davon will man auch auf dem Bürgenberg profitieren. Die katarische Herrscherfamilie hat rund 550 Millionen Franken (500 Millionen Euro) in die Renovierung des Bürgenstock-Komplexes investiert. So entstanden neue Hotels und ein Medizinzentrum, auch die historische Zahnradbahn wurde erneuert. Neu ist auch, dass Wohnungen vermietet und verkauft werden. „Live and own“ heißt das Angebot der Schweizer.

Grafik

In den sogenannten Grand-Residence-Suiten können Gäste in den historischen Gemäuern des ehemaligen Grandhotels von 1873 nächtigen – inklusive Concierge und Housekeeping-Service. Die Restaurants, darunter das mit Michelin-Stern bedachte Ritzcoffier, liefern auf Wunsch auch ins Zimmer.

Und ein unterirdischer Durchgang verbindet die Residenzen diskret mit dem 10.000 Quadratmeter großen Spa, wo sich die Kalorien wieder abtrainieren lassen. „Die Mieter können die komplette Infrastruktur des Resorts nutzen“, sagt Bürgenstock-Manager Herr. „Man muss nicht mehr ins Tal, wenn man nicht will.“

Luxus, der seinen Preis hat. So werden für die „Residence“-Suite mit 100 Quadratmetern monatlich 11.800 Franken fällig, die Mindestmietdauer liegt bei sechs Monaten.

Wer dauerhaft auf den Bürgenberg ziehen möchte, kann eine der zehn Villen mit Seeblick erwerben. Der sogenannte „Edelrohbau“ steht bereits, die Inneneinrichtung können Käufer selbst wählen. „Der Preis steht deshalb noch nicht fest“, sagt Robert Herr. Klar ist aber: „Das Angebot richtet sich an eine exklusive Kundschaft.“

Wer eine Wohnung außerhalb des Luxussegments erwerben möchte, kommt zwar auch in der Schweiz billiger weg. Trotzdem gilt die Eidgenossenschaft als einer der teuersten Ferienimmobilienmärkte überhaupt. Im Schnitt müssen Käufer etwa eine Million Franken für den Kauf einer Zweitimmobilie investieren, rechnen die Experten der Großbank UBS vor. Doch die Bedingungen unterscheiden sich regional stark: Topdestinationen bleiben gefragt, andernorts gibt es Leerstände. Entsprechend variieren die Preise.

So kostet der Quadratmeter im mondänen St. Moritz im Schnitt 15.000 Franken. „St. Moritz bleibt die teuerste Feriendestination“, erklärt Maciej Skoczek von der UBS. Aber auch in der Jungfrau-Region, Davos oder Zermatt gibt es wenig Leerstände – und die ohnehin bereits hohen Preise legten nach langer Stagnation teils deutlich zu.

Immobilienexperte Skoczek spricht von „Anzeichen der Erholung der Nachfrage nach Topdestinationen“. Beispiel Gstaad: In dem Superreichen-Mekka im Berner Oberland kletterten die Preise für Zweitwohnungen im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent, freie Wohnungen sind Mangelware.

In günstigeren Ferienorten gibt es laut UBS dagegen ein Überangebot. So kostet der Quadratmeter in Disentis im Kanton Graubünden im Schnitt „nur“ 5000 Franken. Auch das Tessin gilt als schwieriger Markt. Obwohl bereits viele Immobilien auf einen Käufer warten, werden fleißig neue gebaut. Zugleich schrumpft die Bevölkerungsanzahl. Auch in den Kantonen Wallis und Waadt stehen viele Zweitwohnungen leer.

Als problematisch gelten vor allem Objekte aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Die Wohnungen müssten eigentlich modernisiert werden, sagt Immobilienexperte Skoczek. „Doch die Modernisierungen sind häufig nicht rentabel oder scheitern an der fehlenden Einigkeit der anderen Eigentümer.“ Zudem hätten viele Ferienorte schlicht zu wenig in die Infrastruktur investiert, was die Destinationen für potenzielle Wohnungskäufer wenig attraktiv macht.

Hohe Hürden für Ausländer

Dass sich viele Ausländer beim Schweizer Immobilienmarkt zurückhalten, hat aber auch andere Gründe. Allen voran der starke Franken, den Ausländer beim Wohnungskauf empfindlich zu spüren bekommen. Dazu kommen rechtliche Hürden. Denn wer eine Immobilie in der Eidgenossenschaft kaufen will, muss an der „Lex Koller“ vorbei.

Das Gesetzeswerk soll mit strengen Auflagen die „Überfremdung des einheimischen Bodens“ verhindern. So dürfen etwa europäische Staatsbürger nur dann Grund erwerben, wenn sie ihren Erstwohnsitz in der Schweiz haben. Für Ferien- und Zweitwohnungen gibt es Kontingente, doch die sind vielerorts schnell erschöpft. Auch ausländische Immobilienkäufer, die eine der luxuriösen Villen auf dem Bürgenstock erwerben wollen, müssen sich an die Lex Koller halten.

Angesichts solcher Hürden könnte mancher Bergfreund auf die Idee kommen, doch lieber in eines der Nachbarländer zu ziehen. Schnäppchen lassen sich aber auch dort kaum machen. Im österreichischen Kitzbühel oder dem französischen Courchevel werden rund 12.000 Euro je Quadratmeter fällig. Und auch am Tegernsee in Deutschland brauchen Immobilienkäufer tiefe Taschen. Hier werden laut UBS im Schnitt 11 300 Euro je Quadratmeter fällig.

Doch taugen die bayerischen Alpen für Bürgenstock-Fans als Alternative? Auch am Tegernsee gibt es Luxus satt, doch eines kann er nicht bieten: Dass Sean Connery im Landkreis Miesbach übernachtet hat, ist nicht überliefert.

Mehr: Die Preise für Wohneigentum in Zürich sinken. Anders in der deutschen Bankenmetropole Frankfurt – auch bedingt durch den Brexit.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Ferienwohnungen - Für die Superreichen ist die Schweiz noch immer der Gipfel des Luxus

0 Kommentare zu "Ferienwohnungen: Für die Superreichen ist die Schweiz noch immer der Gipfel des Luxus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote