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Feuerkatastrophe in London Welche Brandschutzregeln in Deutschland gelten

Bei einem verheerenden Feuer in einem Londoner Wohnturm sind zahlreiche Menschen getötet und verletzt worden. In Deutschland gelten für Hochhäuser strenge Vorschriften, die ähnliche Szenarien verhindern sollen.
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Das Feuer brach in der Nacht gegen 1 Uhr Ortszeit aus. Nach Angaben des Stadtbezirks Royal Borough of Kensington and Chelsea sind in dem Hochhaus 120 Wohnungen. Es wurde 1974 errichtet und seitdem umfassend modernisiert. Quelle: Reuters
Feuerinferno in London

Das Feuer brach in der Nacht gegen 1 Uhr Ortszeit aus. Nach Angaben des Stadtbezirks Royal Borough of Kensington and Chelsea sind in dem Hochhaus 120 Wohnungen. Es wurde 1974 errichtet und seitdem umfassend modernisiert.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Das in der Nacht zu Mittwoch ausgebrochene Feuer in einem Hochhaus im Londoner Stadtteil Kensington ist noch immer nicht gelöscht. Zwölf Menschen wurden getötet, mehr als 70 verletzt. Weil noch weitere Menschen vermisst werden, wird mit zusätzlichen Toten gerechnet. Könnte ein Brand in einem deutschen Hochhaus ähnlich schlimme Folgen haben?

Brandschutzexperten können sich das nicht vorstellen. „In Deutschland ist es im Normalfall bei Einhaltung der Brandschutzbestimmungen nicht möglich, dass ein Hochhaus komplett in Flammen steht“, sagt Michael Grünewald vom auf Brandschutzplanung spezialisierten Ingenieur- und Architektenbüro Burckhardt, Pabst + Partner in Köln. Auch Jens-Christian Voss, Inhaber des Ingenieurbüros Voss Partner für Arbeitssicherheit, Brand-, Strahlen- und Umweltschutz in Friedberg/Bayern, kann sich einen Brand dieses Ausmaßes in einem deutschen Wohnturm nicht vorstellen.

Augenzeugen berichten „Menschen sind aus dem Hochhaus gesprungen“

Die Menschen rund um das „Grenfell Tower“ genannte Gebäude befürchten, dass Brandschutzmängel das Ausbreiten des Feuers über fast alle 24 Stockwerke begünstigt haben. Es soll bereits zuvor Beschwerden über unzureichenden Feuerschutz in dem 1974 fertiggestellten Hochhaus gegeben haben, berichteten sie der Nachrichtenagentur dpa. „Ich bin sauer, jeder in dem Block wusste, dass es Sicherheitsbedenken gab“, sagte eine Anwohnerin. Einige Nachbarn monieren das Fehlen von Feuermeldern.

In Deutschland regeln Sonderbauverordnungen den Brandschutz in Hochhäusern. Diese Bauverordnungen sind Ländersache und unterscheiden sich deshalb in Details, aber die wichtigsten Sicherheitsanforderungen sind sehr ähnlich formuliert. So heißt es etwa in Bayern zur „Bauaufsichtsrechtlichen Behandlung von Hochhäusern“: „Hochhäuser müssen automatische Feuerlöschanlagen haben, die die Brandausbreitung in den Geschossen und den Brandüberschlag von Geschoss zu Geschoss ausreichend lang verhindern.“

Üblicherweise werden sogenannte Sprinkleranlagen installiert, die Wasser von den Geschossdecken versprühen und damit den Brand löschen oder doch zumindest eindämmen. In London schlugen die Flammen über mehrere Geschosse hinweg in den Himmel.

Als Hochhaus gilt in Deutschland jedes Gebäude, dessen oberster Fußboden höher als 22 Meter über der Grundflächenhöhe liegt. Der Hintergrund: Aus dieser Höhe können Menschen noch mit einer Drehleiter der Feuerwehr gerettet werden.

Hochhaus im Flammenmeer
24-stöckiges Wohngebäude
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Im Zentrum Londons steht ein 24-stöckiges Hochhaus in Flammen. Die Polizei bestätigt den Tod von zwölf Menschen. Es werde aber befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer noch steige, teilt sie mit. Bis zum frühen Mittwochabend waren nach Angaben der Rettungskräfte mindestens 79 Patienten in Kliniken behandelt worden. Einen Terroranschlag schließt Scotland Yard aus.

(Foto: Reuters)
Zahl der Toten dürfte steigen
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Die Londoner Polizei geht von weiteren Todesfällen aus. „Es werden noch Menschen vermisst“, sagte Stuart Cundy von Scotland Yard am Mittwoch. Teams suchen in dem 24-stöckigen Gebäude nach Opfern. Der Brand in dem Hochhaus ist noch nicht gelöscht.

(Foto: AP)
Gebäude ist derzeit stabil
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Trotz der Feuerkatastrophe in dem Londoner Hochhaus halten die Einsatzkräfte das Gebäude derzeit für stabil genug, um weiter darin nach möglicherweise eingeschlossenen Menschen zu suchen. Ein Experte überprüfe laufend die Statik des Grenfell Towers, sagte die Londoner Feuerwehrchefin Dany Cotton am Mittwoch in der Nähe des Gebäudes, aus dem immer noch Rauchschwaden emporstiegen. Einsatzkräfte seien bislang bis zum 19., 20. Stockwerk gelangt.

(Foto: AP)
Mangelnder Feuerschutz?
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In dem Hochhaus soll es bereits Beschwerden über unzureichenden Feuerschutz gegeben haben. Mehrere Anwohner hatten darauf hingewiesen, dass es nur einen Notausgang gäbe und Menschen bei einem Feuer eingeschlossen werden könnten. Augenzeugen sagten zudem, das Feuer sei im unteren Teil des Gebäudes mit mehr als 20 Stockwerken ausgebrochen und habe sich dann nach oben durchgefressen.

(Foto: dpa)
Baufirma reagiert schockiert
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Die Baufirma Rydon hat schockiert auf den Hochhausbrand in London reagiert. Sie war für die Sanierung des 24-stöckigen Grenfell Towers zuständig. Alle erforderlichen Kontrollen, Bestimmungen im Brandschutz und sonstigen Sicherheitsstandards seien eingehalten worden, teilte die Firma am Mittwoch mit.

(Foto: Reuters)
Auswirkungen auf Brexit-Gespräche
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Die Verhandlungen zwischen den Tories von Premierministerin Theresa May und den nordirischen Unionisten verzögern sich wegen des Feuers der BBC zufolge. Eine Einigung werde nicht mehr am Mittwoch bekanntgegeben, sondern könnte bis kommende Woche verschoben werden. Das bedeute, dass sich auch der Beginn der Verhandlungen über einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union verzögern könne.

(Foto: dpa)
Bürgermeister verspricht Aufklärung
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Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat nach dem Brand in einem Hochhaus umfassende Aufklärung versprochen. „Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden“, teilte Khan am Mittwoch über Twitter mit. Die entsetzlichen Bilder hätten ihn schwer getroffen. Es habe Tote gegeben, Rettungskräfte hätten mehr als 50 Menschen mit Verletzungen in Kliniken gebracht. Die Feuerwehr müsse mit einer Lage klarkommen, die sich ständig verändere, schrieb Khan. Die Zahl könne daher weiter steigen.

(Foto: AP)

In Ausnahmefällen darf bei Häusern bis 60 Meter auf eine Sprinkleranlage verzichtet werden. Im Gegenzug muss der Brandschutz durch andere Baumaßnahmen erhöht werden. Der Grenfell Tower ist vom Grund bis zur Dachspitze 67 Meter hoch. Darüber hinaus müssen Hochhäuser in Deutschland über zwei voneinander unabhängige, sogenannte Sicherheitstreppenräume verfügen, die statisch und technisch komplett vom Resthaus getrennt sind. Sie müssen mit brandsicheren Wänden und Sicherheitstüren, die von selber wieder zufallen, ausgestattet sein, damit sich das Treppenhaus nicht mit Rauch füllt, erläuterte ein Brandschutzexperte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Das zusätzliche Einblasen von Luft soll die Treppenhäuser im Brandfall auch wirklich rauchfrei halten. Die eingeblasene Luft stellt einen Überdruck im Treppenhaus her, sodass auch aus zeitweise geöffneten Treppenhaustüren kein Rauch in die Treppenräume eindringen kann, berichtet Brandschutzplaner Grünewald. Häufig sterben Menschen nach Wohnungsbränden nicht an Brandwunden, sondern durch Rauchvergiftung.

Dass Fahrstühle bei Feuer nicht benutzt werden dürfen, steht üblicherweise bei jeder Aufzuganlage. Doch die Benutzung ist im Normalfall auch nicht mehr möglich, weil Brandmeldesysteme die Aufzüge außer Betrieb setzen – etwa indem sie ins Erdgeschoss fahren und sich anschließend nicht mehr bewegen lassen.

Im Grenfell Tower mit seinen 120 Wohnungen wurden kürzlich Sanierungsarbeiten erledigt. Polizei und Feuerwehr warnten in diesem Zusammenhang gegenüber dpa eindringlich vor Spekulationen. „Wir werden in den kommenden Stunden und Tagen sorgfältig nach der Ursache des Feuers suchen und ermitteln, was passiert ist“, sagt Londons Feuerwehrchefin Dany Cotton. Die Baufirma, die das Gebäude kürzlich sanierte, teilt mit: Alle Kontrollen, Bestimmungen im Brandschutz und sonstigen Sicherheitsstandards seien eingehalten worden.

Experte Voss verweist darauf, dass deutsche Baubehörden in der Regel nach Sanierungs- und Umbauarbeiten auch eine Überarbeitung des Brandschutzkonzeptes fordern. Die Baubehörden der Kommunen überwachen auch durch Kontrollen die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen. Aber Brandschutzexperten stellen auch ganz klar, dass es trotz bestem Brandschutz immer wieder zu Feuern in Häusern kommen kann.

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