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Finanzdienstleister streitet mit Stadt Was der Fall Hypoport über die Standortpolitik Berlins verrät

Grundstücke in Berlin sind so knapp geworden, dass sich Verwaltung und Wirtschaft darum streiten. Jetzt wandert das erste Unternehmen ab – wenn auch nur symbolisch.
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Die Hypoport AG entstand einst aus der Fusion zwischen der Berliner Hypoport und dem Finanzvertrieb Dr. Klein in Lübeck. Nun soll die Zentrale nach Lübeck verlegt werden. Quelle: dpa
Das Traveufer in Lübeck

Die Hypoport AG entstand einst aus der Fusion zwischen der Berliner Hypoport und dem Finanzvertrieb Dr. Klein in Lübeck. Nun soll die Zentrale nach Lübeck verlegt werden.

(Foto: dpa)

Berlin Eine Stadt, die 57 Milliarden Euro Schulden hat und vor nicht allzu langer Zeit noch über eine Arbeitslosenquote von mehr als zehn Prozent klagte, bemüht sich auch im Aufschwung um ihre Unternehmen, möchte man meinen.

In Berlin ist das offenbar anders. In der Hauptstadt rühmt man sich zwar dafür, in den vergangenen Jahren hippe Start-ups aus aller Welt angesiedelt zu haben. Wie es dem alteingesessenen Gewerbe geht, scheint den Behörden aber manchmal egal zu sein.

Das nimmt zumindest Ronald Slabke, Chef der Hypoport AG, so wahr. Er ist richtig wütend. Slabkle beschäftigt mit seinem börsennotierten Finanzdienstleister in der Klosterstraße in Berlin-Mitte 350 Mitarbeiter. Dort hat das Unternehmen seit 1999 seine Zentrale.

Nun muss es umziehen. Die Finanzverwaltung übernimmt das Gebäude und unterbreitete Slabke nur unbefriedigende Ersatzangebote. Daher verkündete er am Donnerstag, dass er den Hauptsitz seines Unternehmens verlegen will – nach Lübeck.

Denn die Hypoport AG war bisher nur Mieter in dem Haus. Vor ein paar Jahren beschloss Slabke, die Immobilie in Berlin Mitte zu kaufen. Er wollte das Haus umbauen, um noch mehr Mitarbeiter unterbringen zu können.

Berlin macht Vorkaufrecht geltend

Rückblickend ging dieser Plan ziemlich nach hinten los. Erst zogen sich die Verhandlungen mit dem Grundstücksbesitzer über Jahre. Mit am Tisch saßen Slabke zufolge auch Vertreter des Landes Berlin, das ein Vorkaufsrecht besaß.

Doch irgendwann klappte es: Der Kaufvertrag sei unterschrieben worden. Dann, einen Tag vor Ablauf der Frist zur Ausübung des Vorkaufsrechts, habe das Land Berlin, namentlich der Senat für Finanzen, plötzlich und ohne jede Vorwarnung seinen Anspruch geltend gemacht.

Der Mietvertrag der Hypoport läuft Ende dieses Jahres aus. Eine Verlängerung sei ihm bislang nur mündlich in Aussicht gestellt worden, sagt Slabke. Die Ersatzimmobilien, die ihnen das Land Berlin angeboten hätte, seien für ihn zu weit außerhalb gewesen: „Wir stehen in Konkurrenz zu den Zalandos und Googles dieser Welt“, sagt er.

Seine Mitarbeiter seien hart umkämpft. „Wir können sie nicht nach Adlershof locken“, sagt er. Der Technologiepark Adlershof ist ein Zentrum für innovative Unternehmen, liegt aber nicht in der Berliner Innenstadt. Er grenzt an Schönefeld, wo sich auch der neue Berliner Flughafen befindet.

Sein Unternehmen habe niemals Wirtschaftsförderung in Anspruch genommen, betont der Unternehmenschef. Das hier empfinde er als „Wirtschaftsverhinderung“.

Jan Eder, Chef der Berliner Industrie- und Handelskammer, pflichtet ihm bei: „Der Fall Hypoport ist ein Armutszeugnis für die Standortpolitik“, sagt Eder. Erst würde dem Unternehmen die Fortsetzung der Geschäftstätigkeit am ursprünglichen Standort unmöglich gemacht, weil man dort lieber Behördenmitarbeiter als ein SDAX-Unternehmen unterbringen wolle. Und dann schaffe es die Politik nicht einmal, wenigstens eine attraktive Alternative zu bieten. „Damit sendet die Stadt ein weiteres fatales Signal mit Blick auf die Investorenfreundlichkeit aus“, sagt Eder.

Der Senat verteidigt sich: „Unsere Verwaltung hatte unmittelbar nach Eingang der Beschwerde des Unternehmens über das Vorgehen der Finanzverwaltung Kontakt zum Unternehmen aufgenommen“, heißt es in der Pressestelle von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Man habe daraufhin versucht, die Finanzverwaltung zu einem Verzicht auf die Immobilie in der Klosterstraße zu bewegen. Das aber scheiterte.

Danach habe die Wirtschaftsverwaltung „intensiv darauf hingearbeitet, dem Unternehmen ein adäquates Ersatzangebot zu unterbreiten, um es am Standort zu halten und eine Abwanderung unbedingt zu verhindern“.

Verfügbare landeseigene Immobilien in Innenstadtlage seien aber „äußerst rar gesät“. Dennoch sei es gelungen, dem Unternehmen einen Erbbaurechtsvertrag für eines der letzten verfügbaren Grundstücke in absoluter Vorzugslage anzubieten. Dem Unternehmen liege seit Ende Januar 2019 ein Angebot vor, auf das es bisher nicht reagiert habe.

Kein Mitarbeiter muss nach Lübeck ziehen

Die Stadt habe ihm ein Grundstück in der Nähe des Hauptbahnhofs angeboten, bestätigt Slabke. Das werde derzeit aber noch von der Bahn genutzt, mindestens bis zum Jahr 2025. Ob es dann wirklich bebaut werden dürfe, sei nicht sicher. „Das ist weder die Taube auf dem Dach, noch der Spatz in der Hand“, schimpft Slabke.

Nach Lübeck wird er aber trotz des Verlegens des Hauptsitzes nicht ziehen. 350 Mitarbeiter an die Ostsee zu locken, dürfte schwerer sein, als nach Adlershof. Das Verlegen der Zentrale dient eher dazu, Aufmerksamkeit auf seinen Fall zu lenken. Denn in Lübeck hat die Hypoport AG historisch bedingt ohnehin schon eine Niederlassung mit 450 Mitarbeitern.

Die Aktiengesellschaft entstand einst aus der Fusion zwischen der Berliner Firma Hypoport und dem Finanzvertrieb Dr. Klein in Lübeck. Dass Slabke nun den juristischen Hauptsitz nach Lübeck verlegen will, sei ein „symbolischer Akt.“ Von den Berliner Mitarbeitern wird deswegen keiner umziehen.

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