Gastbeitrag Wohnungsbau ja – aber bitte nicht bei mir

Wohnraum ist knapp, die Mieten schießen in die Höhe, Kaufpreise steigen: Dennoch verwehren sich viele Großstädter der Idee, freie Flächen in den Innenstädten zu bebauen. Die Politik müsste die Bürger besser informieren.
  • Jürgen Michael Schick
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Die Berliner Bürger stimmten gegen eine Bebauung des Areals des ehemaligen Innenstadt-Flughafens Tempelhof. Quelle: AFP

Die Berliner Bürger stimmten gegen eine Bebauung des Areals des ehemaligen Innenstadt-Flughafens Tempelhof.

(Foto: AFP)

Wohnraum wird immer knapper, Wohnungsmieten und -kaufpreise steigen, die Wohnungssuche in der Stadt wird zur Odyssee – doch bei dem Vorschlag, auf einem kleinen Teilstück einer 300 Hektar großen Rasenfläche in der Innenstadt Wohnungen zu bauen, gehen die Bürger auf die Barrikaden. Unvorstellbar? Nicht in Berlin.

Am 25. Mai entschieden die Hauptstädter in einem Volksbegehren über die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Der Berliner Senat wollte auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof eine neue Bibliothek sowie Wohnungen und Gewerbeflächen errichten lassen. Eine Bürgerinitiative trat mit einem Gesetzentwurf dagegen an. Er sieht vor, das Feld in seiner jetzigen Form zu belassen – mit Erfolg. Knapp 65 Prozent der Berliner sprachen sich dagegen aus, das Tempelhofer Feld auch nur teilweise zu bebauen.

Das Ergebnis des Volksentscheids bildet eine Denkweise ab, die bei den Bewohnern der deutschen Großstädte auf dem Vormarsch zu sein scheint: Wir brauchen neue Wohnungen – aber nicht vor meiner Haustür. Die meisten Bewohner Berlins, Münchens und Hamburgs sprechen sich zwar theoretisch dafür aus, dass mehr Wohnungen gebaut werden sollen, um den Wohnungsmarkt zu entlasten. Wenn es aber darum geht, dass Grünflächen verschwinden und das Stadtbild verändert werden soll – wie es bei Großprojekten nun einmal der Fall ist – ist es mit der Zustimmung nicht mehr weit her.

Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass die Menschen ihre Städte, so wie sie sie kennen, bewahren möchten. Historisch gewachsene Stadtbilder und grüne Ruheoasen müssen erhalten bleiben. Das Problem dabei: Unter einem angespannten Wohnungsmarkt leiden in erster Linie die Zuzügler. Da diese noch nicht in der jeweiligen Stadt leben, können sie an Volksentscheiden oder Befragungen nicht teilnehmen. Die Menschen, die sich einbringen, haben bereits eine Wohnung in Berlin, Hamburg oder München und damit komplett andere Interessen als Neu-Bürger der jeweiligen Metropole.

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6 Kommentare zu "Gastbeitrag: Wohnungsbau ja – aber bitte nicht bei mir"

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  • Seltsam, geht es um billige Wohnungen für Deutsche, ist jeder dagegen. Will man Wonhungen für Islamisten, kriminelle Ausländer, Bürgerkrieger, Sozialschmarotzer usw., ist man dafür, Was ist mit den deutschen Obdachlosen? Kein Politiker hilft denen, aber dafür voller Einsatz, Hotelkosten usw. für ausländische Erpresser, die arbeitsscheu sind und ihre Schleusungen bezahlten, setzt sich jeder Politiekr ein. Sogar der berliner Polizeipräsident unterstützt diese, indem er rechtsfreie Räume für diese Personen schafft. Einsatz gegen Großfamilien, so die Medien unterbleiben. Die Verteidiger sind meist unsere gewählten Politiker, die sich angeblich um Deutschland kümmern.

  • Doch doch. Bitte bei mir. Aber dazu müssen und sollen keine freien Flächen versiegelt werden. Es würde völlig ausreichen, die Bebauungspläne so zu ändern, dass vorhandene und eh geplante Wohnhäuser aufgestockt werden dürfen. Derzeit gibt es sehr viele Hausbesitzer, die gern ausbauen würden aber nicht dürfen.

  • "Die Politik müsste die Bürger besser informieren" Ja ja ja, wir sind auch beim Euro, bei der EU Erweiterung bei all den Themen, die wie ein Füllhorn über uns ausgeschüttet wurden NICHT INFORMIERT worden. Wir leben praktisch im Kaiserreich von 1870.

  • "Es gilt, das Engagement der Bürger in die richtigen Bahnen zu lenken. Dazu ist es notwendig, die Bürger umfassend zu informieren."

    "In richtige Bahnen lenken" und "informieren" heißt natürlich: Gehirnwäsche, bis die Bürgermeinung der Bauwirtschaft genehm ist.

    Nebenbei: Freiflächen sind dazu da, das Stadtklima zumindest erträglich hinsichtlich Erwärmung und Schadstoffen zu machen.

  • Deutschland hat eine sehr hohe Bevölkerungsdichte, rund doppelt so hoch wie die in Frankreich.

    Es ist natürlich ein Tabu, mal darüber zu diskutieren, ob unsere Politik nicht auch das Bevölkerungswachstum mal überwachen sollte. Die Prognosen mit angeblilch nur noch 50 Mio Deutschen im Jahr 2050 werden sich nämlich genauso als Trugschluss erweisen wie alle anderen langfristigen Prognosen - schon jetzt wundern sich ja einige, dass Deutschland nicht mehr schrumpft.

    Es wird eines Tages zu eng werden, hoffentlich erlebe ich das nicht mehr.

    Wir wollen alles: mehr Kinder, mehr Fachkräfte aus dem Ausland, bessere medizinische Versorgung und dadurch eine längere Lebenserwartung, also später sterben (und es wird der Forschung in spätestens 100 Jahren gelungen sein, den Alterungsprozess aufzuhalten - jede Wette).

    Nur:

    Wohin mit uns allen?

  • Aufgrund seiner Position für den IVD ist natürlich bei Herrn Schick eine gewisse Voreingenommenheit zu erwarten gewesen. Schade auch, dass er die Bürger offensichtlich als unmündig betrachtet, die offensichtlich nur kurzsichtige und egoistische Entscheidungen treffen. Aber 65% Gegenstimmen ist schon ein gewaltiges Votum. Übrigens eines, dass die 1% Zuzügler p.a. nicht hätte wesentlich beeinflussen können. Das Tempelhofer Feld ist eines der letzten großen Freiflächen und sicherlich wären die Berliner ziemlich dumm, dieses als sein letztes großes Projekt dem Herrn Wowereit zukommen zu lassen. Ich finde es auch anmaßend, dass HErr Schick meint, dass ein informieren und erklären des Projektes seitens der Projektentwickler ausreichen muiss für eine Zusage seitens der Bürger. Die Zusage gibts nur für ein ÜBERZEUGENDES Konzept und nicht ein derart 0815 zusammengestelltes für maximalen Ertrag. Was soll den überhaupt ein Gewerbegebiet auf dem Feld, wenn es so wenig Wohnraum gibt und es das Primärziel der Bebauung sein sollte?

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