Gebäude mit Gehirn Künstliche Intelligenz revolutioniert die Immobilienbranche

Automatische Auswertung von Vertragsdaten, vernetzte Gebäude, neue Geschäftsmodelle: Künstliche Intelligenz kommt in der Immobilienbranche an.
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Das Bürogebäude Cube von CA Immo neben dem Berliner Hauptbahnhof ist ein Gebäude, dass mit künstlicher Intelligenz arbeiten soll. Quelle: CA Immo
Bürogebäude Cube am Berliner Hauptbahnhof

Das Bürogebäude Cube von CA Immo neben dem Berliner Hauptbahnhof ist ein Gebäude, dass mit künstlicher Intelligenz arbeiten soll.

(Foto: CA Immo)

BerlinBundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ist sich sicher: „Künstliche Intelligenz ist eine Basisinnovation, die unsere Wirtschaft und unser Leben insgesamt verändern und verbessern wird.“ Auf Grundlage dieser Überlegung hat die Bundesregierung im Juli Eckpunkte einer Strategie für künstliche Intelligenz (KI) beschlossen.

Ein Grund mehr, sich auch auf der Immobilienmesse Expo Real mit dem Thema zu befassen und die Frage zu beantworten, wie KI die Branche verändern wird.

Eine Antwort darauf gibt Alexander Hellmuth, KI-Experte bei der Beratungsgesellschaft EY Real Estate: „Die Einsatzmöglichkeiten von KI in der Immobilienbranche sind extrem vielschichtig“, sagt er. KI wirke sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus, bei standardisierten Prozessen sie der Nutzen besonders offensichtlich.

„Im Prinzip“, betont auch Kai Zimprich, Chief Information Officer bei der Beratungsgesellschaft JLL, „ist KI eine Methode, um Prozesse zu standardisieren“. Insbesondere beim Umgang mit großen Datenmengen sei das Potenzial erheblich.

„KI ist in der Lage, diese Daten so zu analysieren, dass sich Muster erkennen lassen“, erklärt Zimprich. Entscheidend sei dabei aber immer eine Frage: „Wo hilft KI, die Effizienz zu steigern?“

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Das gelingt beispielsweise bei der Vorbereitung großer Immobilientransaktionen. „Indem künstliche Intelligenz eine Fülle an Daten auswertet, kann sie Investmentmanagern bei der Entscheidung helfen, welche Immobilie in welchen Fonds passt“, erläutert Maurice Grassau, CEO des Technologieunternehmens Architrave, das auf diese automatische Datenauswertung spezialisiert ist.

Einsatzgebiete im Test

Zunutze machen will sich diese Möglichkeit die Fondsgesellschaft Commerz Real. Bei ihr landen zahlreiche Exposés von Immobilien, von denen die Commerzbank-Tochter nur den allerkleinsten Teil tatsächlich ankauft. Das bedeute aber nicht, dass die Informationen in den übrigen Exposés wertlos seien, sagt Florian Stadlbauer, Head of Digitalization bei Commerz Real – schließlich könne eine Immobilie später doch für einen Erwerb infrage kommen.

Deshalb arbeitet der Fondsanbieter daran, diese Daten durch automatische Prozesse zu strukturieren und sie bei Bedarf verwertbar zu machen. Mitarbeiter werden dadurch nicht überflüssig: „Über eine Investition in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe“, argumentiert Architrave-Chef Maurice Grassau, „werden letztlich immer Menschen entscheiden.“

Einen weiteren Einsatzbereich für KI sieht Thomas Herr, Head of Digital Innovation bei der Beratungsgesellschaft CBRE, in der Immobilienbewertung. So lasse sich die künftige Wertentwicklung von Immobilien durch Algorithmen vorhersagen. Auch die Bewirtschaftung von Gebäuden profitiert von KI: Diese merkt im Idealfall, dass sich beim Aufzug Probleme andeuten, und bestellt rechtzeitig den Monteur.

Klaus Dederichs, Associate Partner bei der Beratungsgesellschaft Drees & Sommer, prognostiziert weit tiefer gehende Folgen: „Immobilieneigentümer definieren sich nicht mehr über die Vermietung von Flächen, sondern werden zu Plattformbetreibern, die ihren Kunden spezifische Dienstleistungen anbieten.“

Deshalb würden Mietverträge in Zukunft keine feste Miethöhe mehr enthalten. „Vielmehr wird sich die Miete an der Zubuchung von softwarebasierten Dienstleistungen bemessen.“

Unternehmen müssen dann Stellplätze nicht mehr für den ganzen Monat anmieten, sondern zahlen lediglich für die Dauer der tatsächlichen Nutzung.

Umgesetzt werden solche Ansätze im „Cube Berlin“, einem Bürogebäude neben dem Berliner Hauptbahnhof, an dessen Entwicklung Drees & Sommer beteiligt ist und das Ende kommenden Jahres fertiggestellt sein soll. Bauherr CA Immo stattet das Gebäude mit einem „Brain“ aus, einem künstlichen Gehirn, das technische Anlagen, Planungs-, Betriebs- und Nutzerdaten sowie 3750 Sensoren miteinander verknüpft.

„Brain“ übernimmt die Raumplanung

Die Idee dahinter: Die Analyse des Nutzerverhaltens soll einen möglichst effizienten Betrieb des Gebäudes ermöglichen. Wenn das „Brain“ merkt, dass ein Konferenzraum längere Zeit nicht belegt war, schickt es keine Putztruppe vorbei.

Die totale Überwachung werde dies nicht mit sich bringen, beruhigt Dederichs: „Im Cube Berlin werden keine persönlichen Daten erhoben. Die Tracking-Sensoren erkennen zwar, dass sich eine Person an einer bestimmten Stelle aufhält, aber nicht, um welche Person es sich handelt.“

Wird KI das Immobiliengeschäft grundlegend verändern? „Technisch ist bereits heute vieles möglich“, sagt JLL-Experte Kai Zimprich. „Aber wir müssen abwarten, ob das, was möglich ist, auch einen Mehrwert bringt.“

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