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Geldwäsche Immobilien, Kryptowährungen, Gold: So wird schmutziges Geld gewaschen

Deutschland gilt weltweit noch immer als Paradies für Geldwäscher. Kriminelle arbeiten dabei mit unterschiedlichen Tricks. Ein Überblick über die gängigsten Methoden.
19.07.2021 - 10:18 Uhr Kommentieren
Blick auf die Hauptstadt: Nicht nur in Berlin steht so manche Immobilie, bei der Ermittler einen Geldwäsche-Hintergrund vermuten. Quelle: Reuters
Skyline von Berlin

Blick auf die Hauptstadt: Nicht nur in Berlin steht so manche Immobilie, bei der Ermittler einen Geldwäsche-Hintergrund vermuten.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Als die Berliner Polizei im Sommer vergangenen Jahres massiv gegen arabischstämmige Clans in der Stadt vorging, beschlagnahmten die Behörden anschließend 77 Häuser und Grundstücke. Allein der Wert der Immobilien belief sich auf schätzungsweise neun Millionen Euro.

Die Vorliebe der Clans für Betongold aus der Hauptstadt dürfte nicht allein von den attraktiven Preisperspektiven auf dem Wohnungsmarkt herrühren. Sie könnte auch einem besonderen Umstand beim Kauf von Wohnungen und Häusern in Deutschland geschuldet sein: Niemand wundert sich bis heute, wenn der Käufer einen Großteil der Kaufsumme in bar bezahlt.

So gilt Deutschland weltweit noch immer als Paradies für Geldwäscher. Zwar verschärfte die Bundesregierung in den letzten Jahren die Meldepflichten zur Geldwäscheprävention. Doch Experten schätzen, dass noch immer 50 bis 100 Milliarden Euro aus dunklen Kanälen jährlich an der Steuer vorbeifließen.

Das meiste davon stammt allerdings nicht aus Kreisen der organisierten Kriminalität, sondern von Steuerhinterziehern.

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    Doch was sind die Tricks, mit denen gearbeitet wird? Ein Überblick über die gängigsten Methoden.

    Immobilien

    Die Branche gilt als besonders anfällig für Geldwäsche. Der deutsche Immobilienmarkt sei ein Tummelplatz für „Schwerkriminelle und Korrupte“, monierte die Antikorruptionsorganisation Transparency International im vergangenen Jahr. Kriminelle schleusten jährlich 20 bis 30 Milliarden Euro Schwarzgeld allein in den Nicht-Finanzsektor, also an den Banken vorbei, heißt es in einer für das Bundesfinanzministerium erstellten Studie.

    Die Bundesregierung nimmt deshalb inzwischen „rechtsberatende Berufsträger“ wie Notare und Rechtsanwälte stärker in die Pflicht und verlangt, dass sie stärker auf einen potenziellen Geldwäscheverdacht hinweisen.

    Doch damit sind längst nicht alle Schlupflöcher geschlossen. So können Geldwäscher auch weiter über sogenannte Share Deals Immobilien über eine Objektgesellschaft erwerben. Für die Behörden ist es dabei mitunter schwierig zu ergründen, wer wirklich hinter den Firmenadressen steckt.

    Kryptowährungen

    Das Urteil fiel ebenso harsch wie knapp aus. Der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Zentralbank der Notenbanken, Augustin Carstens, sagte vor Kurzem, dass der Bitcoin nur für zwei Dinge gut sei: zum Spekulieren und für Lösegeldzahlungen.

    Kryptowährungen spielen bei Kriminellen eine große Rolle. Tatsächlich ist der Tausch digitaler Währungen oft weitgehend anonym möglich – so ermöglichen Kryptocoins illegale Geschäfte abseits des regulierten und beaufsichtigten Finanzmarkts.

    Experten beobachten mit Sorge, dass der Bitcoin deshalb immer wieder im Zentrum digitaler Straftaten steht. Mit einer neuen Verordnung will die Bundesregierung zwar Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung mit Kryptowährungen Einhalt gebieten; noch in diesem Jahr soll eine Auskunftspflicht für Kryptotransaktionen greifen.

    Doch die Idee hat Schwächen. Bei Übertragungen zwischen zwei Kryptowertedienstleistern – zum Beispiel zwei Kryptogeldverwahrern – lassen sich laut Branchenverband Bitkom die Anforderungen zurzeit technisch noch nicht umsetzen, da es bisher am technischen Standard für den Datenaustausch mangelt.

    Gold

    Sogenannte Tafelgeschäfte, bei denen Bargeld gegen Münzen oder Goldbarren getauscht wird, gelten auch als beliebte Methode, um illegales Geld zu waschen. Denn viele Anleger schätzen den Erwerb von Gold gegen Barzahlung, auch anonymes Tafelgeschäft genannt. So war bis vor wenigen Jahren der Kauf des Edelmetalls gegen Cash ohne Namensnennung im Ladengeschäft möglich bis zur Maximalgrenze von 9.999,99 Euro. Doch dem schob der Bundesrat im Jahr 2020 einen Riegel vor.

    Seit 1. Januar letzten Jahres sind Händler bei größeren Beträgen verpflichtet, die Identität des Käufers festzustellen. Die Bargeldgrenze, also das Limit für anonyme Zahlungen mit Bargeld, liegt seitdem bei 1.999,99 Euro. Außerdem sind Goldhändler angewiesen zu kontrollieren, dass nicht ein Kunde mehrfach in kurzer Zeit Gold anonym kauft und damit die 2000-Euro-Grenze umgeht. Die Kontrolle ist in der Praxis jedoch schwierig.

    Scheingeschäfte

    Schon der legendäre Kriminelle Al Capone nutzte Waschsalons als Adressen, um seine Geldströme zu kaschieren. Damit eine Firma für die Geldwäsche interessant wird, braucht sie einen hohen Durchfluss an Bargeld und ein Produkt, dessen Umschlag für die Aufseher schwer zu kontrollieren ist. Deswegen eignen sich Waschsalons, Spielhallen oder Gaststätten besonders gut für Geldwäsche.

    Das Schwarzgeld wird dort in den Kreislauf eingebracht. Die Gewinne landen dann auf dem Konto einer ausländischen Scheinfirma, und nach ein paar Kreuz- und Querüberweisungen kommt das Geld später wieder über Umwege zum Empfänger zurück – dann aber mit einer als seriös empfundenen Absendeadresse.

    So lässt sich nach einer langen Kette von Überweisungen nur schwer nachweisen, wo welche Gelder wirklich hergekommen sind. Es sieht dann oft so aus, als ob der Kriminelle lediglich eine sehr rentable Investition vorgenommen habe.

    Spielcasino

    Der Glücksspielsektor gilt ebenfalls als anfällig. Theoretisch können Geldwäscher in Casinos einen Batzen Bargeld in Jetons wechseln und sich anschließend den Rest wieder in sauberes Geld auszahlen lassen. Doch ein Jurist kam vor einigen Jahren zu dem Ergebnis, dass das Geldwäscherisiko sehr gering sei.

    So würden die Spieler an der Kasse in Deutschland keine Quittung erhalten und damit auch keinen Beleg bekommen, dass das Geld aus einer legalen Quelle stamme. Für den Geldwäscher ergebe sich also kein Vorteil, urteilte Jurist Johannes Güldner. Auch die Auszahlung auf ein Konto sei in Deutschland normalerweise nicht möglich.

    Mehr: EU soll Behörde für Kampf gegen Geldwäsche bekommen

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