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Gesundheitsgefahr Welche Schadstoffe in Immobilien lauern – und wie sie vermeidbar sind

Ob das eigene Wohnumfeld gesundheitlich unbedenklich ist, können Laien oft nur schwer beurteilen. Ein neues Prüfsiegel will Abhilfe schaffen.
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Immobilien: Welche Schadstoffe in Räumen lauern Quelle: Baufritz
Bauen mit Bio-Baumaterial

Gesundheitsrisiken sollen durch die Verwendung schonender Materialien vermieden werden.

(Foto: Baufritz)

Düsseldorf Pyrethroide, Phthalate, Formaldehyd – wer nicht sehr gut im Chemieunterricht aufgepasst hat, dürfte kaum wissen, was genau sich hinter diesen Namen verbirgt. Doch jeder lebt mit ihnen: Die chemischen Wirkstoffe finden sich in unzähligen Produkten, die unsere Wohnumgebung prägen.

Pyrethroide werden als sogenannte Insektizide zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt – unter anderem als Mittel gegen Motten in Teppichen und Teppichböden. Auch der Kontakt zu Phthalaten lässt sich kaum vermeiden.

Sie werden in großen Mengen als Weichmacher in Kunststoffen verwendet und finden sich etwa in PVC-Bodenbelägen, Klebstoffen, Lacken und sogar in Kinderspielzeug. Formaldehyd schließlich – wohl der bekannteste der drei Namen – steckt in Kunstharz-Leimen, mit denen Spanplatten, aber auch Holzwerkstoffe wie Sperrholz-, Tischler- oder MDF-Platten gebunden werden.

Jede der drei Wirkstoffgruppen gilt als gesundheitlich problematisch. Das stechend riechende Formaldehyd kann nicht nur Kopfschmerzen auslösen oder Augen und Schleimhäute reizen. Es steht sogar im Verdacht, Krebs auszulösen.

Auch die gesundheitlichen Auswirkungen der Phthalate werden seit Jahren diskutiert. Sie stehen im Verdacht, das Immunsystem anzugreifen und Nervenschäden hervorzurufen. Da klingen die Folgen von Pyrethroiden auf den menschlichen Organismus noch vergleichsweise harmlos: Berichtet wird von Reizungen der Haut, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Müdigkeit.

„Nicht jeder Mensch reagiert auf solche Umweltgifte gleich empfindlich“, sagt Dietmar Spitz vom Ökohaus-Unternehmen Baufritz. Der Anbieter von vorgefertigten Holzhäusern mit 400 Mitarbeitern gilt als Pionier des nachhaltigen und „gesunden“ Bauens. „Bei besonders sensiblen Menschen können die Auswirkungen aber gravierend sein.“

Raumluft prüfen

Laien, die erkennen wollen, ob ihr Haus oder ihre Wohnung womöglich übermäßig durch Schadstoffe belastet ist, stoßen schnell an ihre Grenzen. „Klarheit bekommen sie nur, wenn sie durch ein unabhängiges Institut eine Luftschadstoffanalyse durchführen lassen“, sagt Spitz.

Denn die weit überwiegende Zahl gesundheitsbedenklicher Stoffe gelangt über die Raumluft in den menschlichen Organismus – und davon gibt es nicht wenige.
Weil insbesondere neue, aber auch sanierte Gebäude besonders luftdicht sein müssten, um die gesetzlichen Vorgaben eines möglichst geringen Heizenergieverbrauchs einzuhalten, sei es besonders wichtig, Schadstoffemissionen in Innenräumen so gering wie möglich zu halten, erläutert Diplom-Ingenieur und Baubiologe Karlheinz Müller.

Gar nicht so einfach, weiß das Vorstandsmitglied des Berufsverbands Deutscher Baubiologen (VDB): Weder deklarieren ‧Hersteller von Farben, Lacken, Bodenbelägen, Klebern oder ähnlichen Baumaterialien wirklich alle verarbeiteten Inhaltsstoffe, noch führen sie bei ihren Produkten Emissionsprüfkammermessungen durch, die für die baubiologische Beurteilung notwendig sind.

Um Kunden mehr Orientierung zu geben, hat der VDB Anfang des Jahres nach langer Vorbereitungszeit ein eigenes Prüfsiegel auf den Weg gebracht. VDB-Zert ermögliche eine umfangreiche Beurteilung der baubiologischen Wohnqualität und schütze Verbraucher vor „Täuschung und Irreführung beim Hausbau“, verspricht der Verband.

Bewertet werden elf Belastungsfelder, deutlich mehr als bei Nachhaltigkeitssiegeln etwa der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) oder des Tüv Rheinland (Tüv Tox Proof). Erreicht werden können drei Zertifizierungsstufen: von der Einstiegskategorie in der Farbe Grün über das solide Mittelmaß in Blau bis hin zur Bestkategorie ganz in Weiß.

Mehr als fünf bis zehn Prozent teurer als Angebote ohne Zertifikat müsse ein schadstoffarmes Haus dabei nicht sein, sagt Dietmar Spitz.

Mehr: Gerade im Wohnbereich gibt es Streit über die Grundsatzfrage des Klimaschutzes schlechthin – die der Kosten. In einem Punkt aber sind sich Mieter und Immobilienbranche einig.

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