Günstige Immobilien Vom Leben im „Wohnklo auf zwei Etagen“

Die Preise für Immobilien steigen rasant. Ein neues Projekt soll das eigene Haus jetzt wieder bezahlbar machen. Warum sich Immobilienkäufer in Zukunft auf kleinstem Raum einrichten müssen.
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Immobilienblase? „Kaufen bleibt günstiger als mieten“

DüsseldorfIm wilden Berliner Immobilienmarkt ist der Arendsweg in Hohenschönhausen eine eher durchschnittliche Adresse. Nicht weit von der Gedenkstätte der ehemaligen Folterkeller von Stasi und Sowjetarmee entfernt reihen sich typische Berliner Mietskasernen und Brachflächen aneinander.

Trotz des Immobilienbooms in der Hauptstadt handelt es sich noch um eine normale Lage. Kein Vergleich zu dem neureichen Quartier Berlin Mitte, wo Immobilieninvestoren mittlerweile Kaufpreise zahlen, die in der Spitze im fünfstelligen Euro-Bereich für den Quadratmeter liegen. Kein Vergleich auch mit dem Prenzlauer Berg in Pankow, wo der Milieuschutz die langjährigen Einwohner bewahren soll vor Luxussanierungen der Vermieter, die bei einem Verkauf Kasse machen möchten.

So lebt es sich im Minihaus
Berlin Arendsweg: Wenig Wohnraum für wenig Geld
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Im Arendsweg im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen soll es möglich werden: bezahlbares Wohnen trotz steigender Grundstückpreise. Bis Frühjahr 2016 sollen nach Plänen des Immobilienentwicklers NCC 18 Reihenhäuser entstehen. Dabei soll ein 80 Quadratmeter großes Haus 165.000 Euro kosten - rund 2060 Euro pro Quadratmeter. Der Grundriss zeigt eine Variante für Singles. Im Erdgeschoss soll eine Art Mini-Loft entstehen, weil die Zimmerdecke fehlt.

Das Single-Paradies
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Wer allein in einem solchen Haus wohnen möchte, muss mit reduziertem Platzangebot leben. Der Küchentisch kann mit einer Durchreiche zur Küche verbunden sein. Für Singles soll der Deckendurchbruch im Wohnraum attraktiv sein. Die Ausstattung soll guter Standard sein. Auf Wunsch können die Käufer etwa Parkett anstelle von Laminat verlegen lassen. Im Wohnzimmer könnte es einen in die Wand eingebauten Flachbildfernseher geben. Und wer es besonders komfortabel haben möchte, lässt eine Dampfsauna im Bad im Obergeschoss einbauen.

Die Variante für eine Familie
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Deutlich enger wird es in dem 80 Quadratmeter großen Haus, wenn dort eine Familie einziehen soll. Doch auch die Vollbesetzung mit vier Personen soll den Projektplanern zufolge kein Problem sein. Die Aufteilung der Räume soll deshalb extrem variabel sein. Im Erdgeschoss sorgt etwa eine offene Küche für Platz in dem nur knapp vier Meter breiten Haus.

Effiziente Platznutzung
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Entsprechend ist die Ausstattung etwas einfacher. Statt mit empfindlichem Parkett soll der Wohnbereich im Erdgeschoss mit robusten Fliesen ausgelegt werden. Statt Dampfsauna gibt es nun eine Kinderbadewanne. Und damit auch Gäste sich wohlfühlen, gibt es im Erdgeschoss ein zusätzliches Gäste-WC. Doppelstock-Betten für die Kinder sparen ebenfalls Platz.

Grunriss für Senioren
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Auch für Bewohner im fortgeschrittenen Alter sollen die Häuser geeignet sein. Statt Kinderzimmer gibt es oben eben ein Zimmer mit einem seniorengerechten Bett. Das Schlafzimmer nebenan könnte für die pflegenden Angehörigen bestimmt sein. Viele Senioren mögen es klassisch: Die Küche ist ein eigenen Raum, direkt rechts neben dem Eingang.

Wohnen für Senioren
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Um ins Schlafzimmer zu gelangen, müssten die Senioren nicht einmal Treppen steigen - ein Treppenlift ist in dieser Variante des Hauses vorgesehen. Auch im Bad können die künftigen Bewohner ihre Gelenke schonen. So sollen ein höher gelegtes WC-Becken sowie eine große, barrierefreie Dusche eingebaut werden.

Obwohl der Arendsweg in Hohenschönhausen also nicht viel mehr als ein bürgerliches Publikum, moderate Mieten und eine mittelmäßige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zu bieten hat, entsteht hier ein Immobilienprojekt, das die Zukunft des deutschen Wohnens verändern könnte.

Das Besondere an dem Projekt „Arends Carree“ des Immobilienentwicklers NCC, bei dem bis zum Frühjahr 2015 zunächst 18 Reihenhäuser entstehen sollen: Jedes der auch für Familien gedachten Häuser hat nur eine Wohnfläche von 80 Quadratmetern. Da die Häuser zwei Etagen haben, bietet jede nur eine Wohnfläche von 40 Quadratmetern. Böse Zungen sprechen bereits von einem „Wohnklo auf zwei Etagen“. Den Begriff „Wohnklo“ benutzen Studenten teils verächtlich, teils liebevoll für ihre oft kleinen Residenzen.

Der Trend zum Minihaus ist neu. Bislang galt die Regel, dass Häuser mindestens 120 Quadratmeter groß sein sollten, damit sie Käufer finden. „Wir möchten Wohnraum schaffen, den sich auch Menschen bei normalem Einkommen trotz Immobilienboom noch leisten können“, sagt Nils Olov Boback, Vorsitzender der Geschäftsführung von NCC Deutschland. „Wir denken, dass es für viele Käufer auch etwas kleiner geht.“

Die Ausstattung ist spartanisch. Jede der beiden Etagen ist nur rund vier Meter breit. Ein Keller fehlt ebenso wie ein Energiekonzept, das die gesetzlichen Vorgaben übertrifft. Die Wände sind zwar gemauert, die einzelnen Baukomponenten werden aber industriell gefertigt. Vorbild ist die Fließbandproduktion auf Basis einzelner Grundmodelle, wie sie etwa bei den Autoherstellern üblich ist.

Was die Minihäuser Käufern bieten
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9 Kommentare zu "Günstige Immobilien: Vom Leben im „Wohnklo auf zwei Etagen“"

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  • Wohnklo ist der richtige Ausdruck für viele Wohnungen in den Ballungsräumen, die in der Regel in den sog. Ghettos liegen. Vor der Haustür wird noch vom Wohnklo innen übertroffen. Tendenz stark steigend.

    Hier gibt es auch poltische Verantwortung. Nur wer übernimmt sie?

    Schweigen im Walde. Keiner will es sehen, geschweige darüber reden.

    Danke vorab für die Blumen.

  • Es zeigt sich, daß das Projekt neue Weltordnung zügig voranschreited. Nach Finanzkrise, fortschreitender Umverteilung von unten nach oben und der Bildung einer geschichteten Gesellschaft mit dem Geld- und politischen Machtadel an der Spitze nun das erste Ergebnis - Die deutsche Bevölkerung kann sich nach 70 Jahren Wirtschaftswunder und Boom Eigenheime leisten, die in Fläche und Bauweise denen aus der "Notzeit" nach dem 2. Weltkrieg entsprechen.

    Politik und Bauprofiteure sahnen dagegen über explodierende Bau- ,Grund- und Finanzierungskosten in biblischem Ausmaß ab. Irgenwie scheinen wir Deutsche unter einer Art Stockholm-Syndrom zu leiden. Wenn das Schaaf den eigenen Schlächter immer wieder wählt stehts im wahrsten Sinne des Wortse schlächt um unser Land. Wenn das nicht irgendwann böse endet ...

    Schade drum. Eigentlich könnte man stolz auf sein Land, seine Kultur und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sein.

  • Schauen Sie sich mal die Wohnung von dem griechischen Finanzminister in Athen und das Haus seiner Frau auf der Insel an. Dann wissen Sie wie Marxisten leben. Dann wird dann Solidarität von der jungen deutschen Familie auf ihren 40 qm gefordert, wahrscheinlich noch gekauft in bar mit griechischen unversteuerten Schwarzgeld. So langsam läuft einem einfach die Galle über.

  • 40 qm ist in Paris schon Luxus und kostet 8.000 € / qm im Durchschnitt. Was wollen die Leute eigentlich? Mittelmäßig verdienen und dann auch noch gut leben? Da bleibt den Banken, Maklern und Baufirmen ja nichts mehr. Da müssten die ja Ihre vierte Yacht in Mallorca verkaufen. Klingt alles so einbisschen nach "Platte". Irgendwie laufen alle Systeme auf das Gleiche hinaus.

  • Wieso werden Sie nicht selbst als Makler tätig, ohne dafür Geld zu verlangen versteht sich. Ich bin kein Makler, wenn man dort aber sein Geld geschenkt bekommt, wie Sie vermuten, würde es jeder machen.

  • Als Wohnklo würde ich 80qm übrigens wirklich nicht bezeichnen. Ich habe selbst auf 40qm als single schon gut gelebt.

    In den 50ern war eine junge Familie froh wenn sie 40 qm haben konnte.

    Ich nenne das klagen auf verdammt hohem Niveau

  • himmel, ob nun zur Miete auf 75 qm oder im Eigentum mit 80qm - letzteres ist dann doch sinnvoller
    und der Preis ist bezahlbar.

  • für eine Vertreuerung von Grund und Boden sorgen, so dass für die eigentliche Immobilie immer weniger Geld übrig bleibt. Einen grroßen Anteil an der Situation tragen auch die Immobilienmakler, die künstlich den Markt hochhalten, absichtlich Wohnraum zu weit überhöhten Preisen vermitteln und auch darauf achtemn, dass der Zustand so bleibt, damit sie eben mit unverschämten Provisionforderungen für eine Nullleistung immer schön auf der Gewinnerseite sind. Rechnet man die unnötigen Nebenkosten , die ohne Leistung gezahlt werden zusammen, kommt man auf 15 % der Kaufsumme. Beide genannten Gruppen leben mit Sicherheit nicht im Wohnklo; dies ist nur für ihre Klientel vorgesehen.

  • Den Wohnklo kann ich mir inTeilen von Berlin und anderen heruntergekommenen Städten in den Ballungsräumen gut vortstellen. Jeder kriegt das was er verdient.

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