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Hauskauf Skandinavische Bank bietet Immobilienfinanzierung fast zum Nulltarif

Die Bank Nordea macht mit einem kuriosen Angebot auf sich aufmerksam: Sie will Baugeld-Darlehen zum Nullzins vergeben. Doch es gibt mehrere Haken.
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Die Konditionen für einen Immobilienkredit sind so günstig wie nie zuvor. Quelle: dpa
Eigenheim-Bau

Die Konditionen für einen Immobilienkredit sind so günstig wie nie zuvor.

(Foto: dpa)

Erfurt Die Nachricht klingt bahnbrechend für Immobilienkäufer: Die Bank Nordea plant, Immobilienkredite mit 20-jähriger Laufzeit zum Nullzins anzubieten, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Die Immobilienfinanzierung für lau – kann das wirklich sein?

„Es war noch nie günstiger, Geld zu leihen“, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Lise Nytoft Bergmann, eine Immobilienökonomin von Nordea. Das werde voraussichtlich die Preise weiter in die Höhe treiben. Obwohl die günstige Finanzierung eine gute Nachricht für Hauskäufer sei, sei die Entwicklung „fast unheimlich“, sagt Bergmann.

Tatsächlich hat die Sache aber mehrere Haken. Zunächst einmal bestätigt der Ökonom Helge Pedersen von Nordea, dass es sich bei dem Angebot um Darlehen an Haus- und Wohnungskäufer handelt. Jedoch geht es hierbei um den Nominalzins, hinzu kommen Gebühren. Kostenlos wird die Immobilienfinanzierung also nicht. Die Effektivverzinsung liege am Ende voraussichtlich bei einem halben Prozent pro Jahr, sagt Pedersen.

Aber noch gibt es die Konditionen nicht. Auch ist unklar, wann das Angebot startet. Das hänge von der Marktentwicklung und dem Interesse an den aktuell noch verfügbaren etwas teureren Darlehen ab, sagt Pedersen.

Ähnlich wie in Deutschland sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren in Dänemark stark gestiegen. Und auch hier gilt: Wer eine Immobilie kauft, sollte Eigenkapital mitbringen. Mit den steigenden Preisen steigt allerdings auch die Höhe des notwendigen Eigenkapitals für den Kauf. Um in den Genuss der neuen günstigen Konditionen zu kommen, dürfen Käufer maximal 80 Prozent ihres Hauses fremdfinanzieren lassen, erklärt Pedersen.

Das Baugeld gibt es also nach wie vor nicht für lau. Die Dänen müssen aber deutlich weniger zahlen als die Deutschen.

Deutsche können vom Angebot nicht profitieren

Zwar ist Baugeld heute auch in Deutschland so günstig wie nie zuvor – aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase der Europäischen Zentralbank und der Aussicht, dass diese ihre Geldpolitik noch weiter lockert. Wer viel Eigenkapital und eine hohe Bonität mitbringt, der kann sich eine Baufinanzierung mit 15-jähriger Zinsbindung heute schon für weniger als einem Prozent Sollzins sichern. Das trifft allerdings auf die wenigsten zu.

Die Realität sieht anders aus: Laut einer Auswertung der Immobilienfinanzierungs-Plattform Europace beträgt der durchschnittliche Sollzins für eine Finanzierung mit 15-jähriger Zinsbindung derzeit knapp 1,9 Prozent, bei 20-jähriger Zinsbindung sind es 2,0 Prozent. Das ist deutlich mehr, als nun von Nordea versprochen wird.

Wer nun hofft, sich vielleicht über ein dänisches Darlehen eine günstige Finanzierung der deutschen Immobilie zu sichern, der irrt. „Die Darlehen können nur Menschen mit einem Wohnsitz in Dänemark erhalten, die außerdem ein Einkommen in Dänischen Kronen beziehen und eine Immobilie in Dänemark kaufen“, erklärt Pedersen.

Baugeld-Vergleich
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Die günstige Finanzierung mag für Hauskäufer interessant sein, hat jedoch weitreichende Implikationen für den Finanzmarkt. Denn über Pfandbriefe oder Covered Bonds, die an Investoren verkauft werden, finanzieren Banken die Gelder, die sie an Privatkunden verleihen. Das heißt also auch, dass Investoren offenbar bereit sind, für diese Art der Anleihen Nullrenditen in Kauf zu nehmen.

Tobias Just, Immobilienökonom und Geschäftsführer der Irebs Immobilienakademie, zieht aus der Entwicklung zwei Schlüsse: Zum einen griffen institutionelle Investoren wieder stark nach risikoarmen Papieren, was andererseits die empfunden hohen gesamtwirtschaftlichen Risiken spiegele.

Zum anderen verberge sich hinter den Daten aber ein „sehr großes Risiko“: Für viele institutionelle Investoren laufen zunehmend die noch günstig rentierenden Langläufer der Vergangenheit aus. „Wenn diese zunehmend durch geringverzinste Langläufer ersetzt werden, zementiert dies niedrige Ausschüttungen für die letztlichen Anleger für Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, denn es kann zunehmend nicht durch weniger risikobehaftete Anlage kompensiert werden“, sagt Just. Für die Immobilienmärkte sei dies bedeutend, da die Begeisterung trotz aller Diskussionen um Überbewertungen anhalte.

Mehr: Eine Baufinanzierung ist derzeit nahezu zinsfrei zu haben. Experten zufolge ist der günstigste Zeitpunkt für einen Immobilienkauf aber bereits vorbei.

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