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Immobilien am Mittelmeer Lifestyle statt Altersruhesitz: Junge Käufer suchen Luxus für die Sommermonate

Haus- und Wohnungskäufer an den Küsten Spaniens und Frankreichs werden immer jünger. Die Erbengeneration leistet sich das Domizil für die Familie.
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Besonders beliebt bei jungen Käufern sind gesicherte Wohnanlagen, in denen sich die Eigentümer Pool und Fitnessraum teilen. Quelle: Engel & Völkers Marbella
Luxusvilla im spanische Marbella

Besonders beliebt bei jungen Käufern sind gesicherte Wohnanlagen, in denen sich die Eigentümer Pool und Fitnessraum teilen.

(Foto: Engel & Völkers Marbella)

DüsseldorfGanz klein hat es angefangen: Vor 15 Jahren hat Smadar Kahana ihr erstes Maklerbüro in Marbella eröffnet, heute beraten gut 50 Mitarbeiter in vier Büros eine internationale Klientel beim Kauf von Apartments, Häusern und Villen in der andalusischen Küstenstadt. Doch das ist nicht die einzige Veränderung: „Als ich anfing, interessierten sich Kunden in der Altersgruppe von 55 bis 65 Jahren für einen Zweitwohnsitz, heute sind sie typischerweise zwischen 35 und 55 Jahre alt.“

Die meisten suchten ein Haus für die ganze Familie, etwa 20 bis 25 Prozent von ihnen wollten dauerhaft in Marbella wohnen, berichtet die Geschäftsfrau. Die von ihren Büros abgewickelten Verkäufe von Erst- und Zweitwohnsitzen unter dem Dach der Marke Engel & Völkers erreichen eigenen Angaben zufolge inzwischen einen Anteil von etwa zehn Prozent – damit sei sie Marktführerin in der Jetset-Metropole an der Costa del Sol.

Besonders nachgefragt sind Apartments oder Familienhäuser, sagt sie, am liebsten moderne Neubauten in andalusischem Baustil, ausgestattet mit smarter Gebäudetechnik. Beliebt sind größere, besonders gesicherte Wohnanlagen – sogenannte
Urbanisationen –, in denen sich die Eigentümer Fitnessräume, Sauna und Indoor-Pool teilen.

Die Beobachtung der Immobilienexpertin aus Südspanien deckt sich mit der von David Scheffler, Geschäftsführer von Engel & Völkers in Frankreich. „Der Generationswechsel ist in vollem Gange“, sagt Scheffler, der seit 20 Jahren das internationale Geschäft mit Zweitwohnsitzen kennt und viele Jahre in Spanien tätig war.

„Die Hauptklientel sind nicht mehr Kunden, die einen Altersruhesitz suchen“, stellt er fest. In den zumeist edlen Ferienorten entlang der Côte d‘Azur und im Hinterland seien es inzwischen eher gut verdienende Unternehmer und Unternehmenserben, Manager und häufig Paare mit kleinen Kindern zwischen 35 und 55 Jahren, die sich nach einem Domizil für die Familie umsähen. „Das ist vor allem Ausdruck des gewandelten Lifestyles und der größeren Mobilität“, sagt Scheffler.

Mit der Käuferschaft verändern sich auch die Anforderungen an Lage und Infrastruktur. Ältere Käufer, die sich nach ihrem aktiven Berufsleben im Ausland niederlassen, erwarten vor allem eine gute medizinische Versorgung, unterschiedliche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und ein breites kulturelles Angebot. „Wer mit der Familie für eine längere Zeit im Ausland leben will, braucht internationale Schulen, legt Wert auf ein gewisses urbanes Umfeld und vor allem sehr gute Erreichbarkeit“, weiß Scheffler.

Höchstpreise an der Riviera

Um sich in einen der exklusivsten Märkte Europas einzukaufen, braucht es allerdings mindestens einen hohen sechsstelligen Betrag. Der Großteil der Verkäufe spielt sich laut Scheffler im Bereich zwischen 800. 000 und fünf Millionen Euro ab. Aktuell hat er aber auch allein 70 Objekte im Verkauf, die mehr als zehn Millionen Euro kosten, darunter eine Villa für 120 Millionen Euro in Cannes – und das womöglich teuerste Wohnhaus der Welt: Das historische Anwesen „Les Cèdres“ am Cap Ferrat wird zum Preis von 350 Millionen Euro angeboten.

An der spanischen Costa del Sol finden auch weniger Betuchte ihr Zweitdomizil. Apartments in geschlossenen Anlagen und guter Lage sind schon für 250 .000 Euro zu haben. „Die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen liegen etwa zwischen 2700 und 7000 Euro, in der Spitze erreichen sie 10. 000 Euro“, berichtet Maklerin Kahana.

Wer ein Haus sucht, muss allerdings mit einer höheren Investition rechnen. „Wir verkaufen Häuser von 800.000 bis 20 Millionen Euro“, sagt sie. Am stärksten nachgefragt seien solche mit 400 Quadratmetern Wohnfläche und einem gut 1000 Quadratmeter großen Grundstück. Auch das ist übrigens neu: Vor 15 Jahren seien Wohnflächen von 600 bis 700 Quadratmetern und Grundstücke von 2500 Quadratmetern typisch gewesen. „Heute haben wir eine Menge Kunden, die mit einem Apartment beginnen und es dann gegen ein Haus tauschen.“

Auch Kahana nennt eine verkehrsgünstige Lage und Infrastruktur als wichtige Kriterien für die mobile, jüngere Käuferklientel. Die seit einigen Jahren wieder zunehmende Attraktivität der knapp 150 000 Einwohner zählenden andalusischen Großstadt Marbella sei auch auf ihre Standortvorzüge zurückzuführen: In 30 Minuten erreiche man die Universitätsstadt Málaga, in anderthalb Stunden sowohl die westlich gelegene andalusische Hauptstadt Sevilla als auch das kulturell bedeutsame Granada im Osten.

Das unterscheide die Costa del Sol eben auch von Mallorca, das von deutschen Käufern dominiert werde, sagt sie. Auch wenn deren Nachfrage in den vergangenen zwei Jahren in Marbella stark gestiegen sei und sie inzwischen 16 Prozent ihrer Kunden ausmachten, so ist Smadar Kahana doch überzeugt: „Marbella ist kosmopolitischer.“

Das würde Christoph Feigenbutz auch über eines der bekanntesten mediterranen Ziele von Zweitwohnsitzkäufern in Italien sagen. „Außer Italienern findet man auf Sardinien Deutsche, Briten, Russen, Amerikaner, Franzosen und Schweizer“, beschreibt der Italien-Verantwortliche für Engel & Völkers seine bunt gemischte Klientel.

Auch sie mag Luxus – und zahlt dafür Höchstpreise: An der Costa Smeralda im Nordosten Sardiniens werden Drei-Zimmer-Apartments zwischen 750 000 und 1,2 Millionen Euro gehandelt, eine Villa in guter Lage von Porto Cervo kostet 2,5 Millionen bis fünf Millionen Euro. „Für einzigartige Villen in direkter Wasserlage werden aber auch 70 000 Euro und mehr pro Quadratmeter aufgerufen“, sagt er und vergleicht die Costa Smeralda mit der französischen Riviera.

Nur in einem hinkt Italien Frankreich oder Spanien offenbar hinterher: Der Generationswechsel lässt noch auf sich warten. Feigenbutz‘ Kunden sind zwischen 40 und 60 Jahre alt.

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