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Immobilien Bangkoks Kaufhaus-Könige bauen Shopping-Tempel für Touristen – ein risikoreiches Projekt

Thailands Immobilienentwickler investieren Milliarden in gigantische Einkaufszentren. Politische Turbulenzen bringen den Tourismus aber ins Schwanken.
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Die thailändische Hauptstadt ist in Südostasien Nummer eins für für Shopping-Touristen. Quelle: Moment/Getty Images
MBK Center in Bangkok

Die thailändische Hauptstadt ist in Südostasien Nummer eins für für Shopping-Touristen.

(Foto: Moment/Getty Images)

BangkokGemessen an ihren großspurigen Ankündigungen müssen sich die Betreiber von Asiens neuester Luxus-Mall ihrer Sache schon sehr sicher sein. „Ikone des ewigen Wohlstands“ steht in Großbuchstaben auf einer riesigen Werbetafel in dem opulenten Einkaufszentrum Iconsiam, das diesen Monat in der thailändischen Hauptstadt Bangkok eröffnet hat.

Schon die Namen der prominenten Mieter sollen diesem Anspruch gerecht werden: Die beleuchteten Logos von Cartier, Louis Vuitton und Gucci erstrahlen abends an der Glasfassade. Tausende Menschen drängten sich am vergangenen Wochenende durch die Eingangstüren, um zu sehen, was die heftig beworbene Shopping-Mall zu bieten hat.

Chadatip Chutrakul, die Chefin der Betreibergesellschaft Siam Piwat, zeigt sich davon überzeugt, dass sie etwas Besonderes geschaffen hat: Iconsiam sei nicht einfach nur ein Einkaufszentrum, verkündet sie. Das Projekt am Westufer von Bangkoks Chao-Phraya-Fluss ist aus ihrer Sicht vielmehr eine neue Attraktion für die Millionenmetropole.

Und tatsächlich sticht es aus der Masse heraus: Fast 1,4 Milliarden Euro gaben die Investoren für den mehr als 750.000 Quadratmeter großen Komplex aus, zu dem auch ein Wohnhochhaus und ein Hotel gehören. Nach Angaben von Siam Piwat ist es die größte private Investition in Bangkoks kommerziellen Immobiliensektor.

Hinter dem Bau der Superlative steckt eine riskante Wette: Die Investoren setzen auf den wirtschaftlichen Aufstieg des Schwellenlands, vorrangig auf Einnahmen aus dem Tourismus. Vor allem die zahlungskräftigen Besucher aus China, die mit Abstand die meisten Urlauber in dem Land stellen, sollen die Ladenkassen füllen.

Doch politische Turbulenzen und aufsehenerregende Unfälle haben Südostasiens zweitgrößter Volkswirtschaft vorgeführt, wie schwankungsanfällig das Geschäft mit den Touristen ist. Gleichzeitig verschärfen weitere geplante riesige Kaufhausprojekte den Konkurrenzkampf.

Seit langer Zeit ist Bangkok für Shopping-Touristen die Nummer eins in Südostasien. Rund um den Siam Square, ein Zentrum der Stadt, hat Siam Piwat bereits drei Shopping-Malls nebeneinander aufgereiht. In unmittelbarer Nachbarschaft stehen die Kaufhäuser des Marktführers Central Group.

CBRE addiert in Bangkok Verkaufsflächen von rund acht Millionen Quadratmetern. Nach einer Analyse des Immobilienberaters liegt die Metropole damit auch vor deutlich wohlhabenderen Städten wie Hongkong, Tokio und Singapur. Gleichzeitig sind in Bangkok so große Kaufhausflächen wie – abgesehen von China – nirgendwo sonst auf der Welt in Planung: und zwar mehr als 1,3 Millionen Quadratmeter.

Teurer Kampf um Kunden

Der Kampf um Aufmerksamkeit ist für die neuen Einkaufszentren nicht billig. 30 Millionen Dollar veranschlagte Siam Piwat für die dreitägige Eröffnungsfeier von Iconsiam Mitte November, bei der 1 500 Drohnen eine Lichtershow vorführten. Das Unternehmen ließ auch internationale Prominente wie die amerikanische Sängerin Alicia Keys, die britische Schauspielerin Naomi Watts und den südkoreanischen Popstar Choi Siwon einfliegen. Beim Auftritt von Keys versagte zwar kurzzeitig die Technik – für ein paar Minuten verstummte die Sängerin, weil die Soundanlage ausgefallen war. Trotz des leicht holprigen Starts wurde die neue Shopping-Mall zum Stadtgespräch.

Vor dem Apple-Store, der ersten offiziellen Niederlassung des Elektronikkonzerns in Thailand, bildeten sich lange Warteschlangen. Der von dem Architekturbüro Foster + Partners gestaltete Laden ist verbunden mit einer Terrasse, die beste Sicht auf Bangkoks Skyline bietet. Damit kein Einkauf an Sprachbarrieren scheitert, sprechen die mehr als 100 Mitarbeiter zehn verschiedene Sprachen. Auch andere Markenhersteller versuchen, Eindruck zu machen –etwa Adidas mit der größten Originals-Niederlassung in Asien.

Rund 150.000 Besucher täglich erhoffen sich die Shopping-Mall-Betreiber. Ein großer Teil davon sollen ausländische Urlauber sein. Managerin Chadatip sieht ihren Einkaufskomplex als eine Sehenswürdigkeit in einer Reihe mit dem Riesenrad London Eye in der britischen Hauptstadt sowie dem Marina Bay Sands in Singapur, das neben einem Hotel und Kaufhaus ein Kasino beheimatet. Ins Iconsiam locken unter anderem kostenlose Bootsfahrten, Livemusik, ein Museum sowie ein Thailands traditionellen Märkten nachempfundenes Areal, das populäre Streetfood-Läden in die klimatisierte Mall bringt.

Noch 2008 zog das tropische Urlaubsland weniger als 15 Millionen Gäste an. Für das aktuelle Jahr rechnen die Behörden mit 38 Millionen Besuchern. Die Branche steht laut der Organisation World Travel and Tourism Council für mehr als ein Fünftel der thailändischen Wirtschaftsleistung.

Bangkok ist laut einer Studie von Mastercard die am meisten besuchte Stadt der Welt – noch vor europäischen Metropolen wie London oder Paris. Seine Popularität verdankt Thailand vor allem Besuchern aus China, die sich zur wichtigsten Einnahmequelle für die Branche entwickelt haben. Von dort kommt fast jeder dritte Gast. Damit den Chinesen das Geldausgeben leichtfällt, sind im Iconsiam Hinweistafeln teils komplett chinesisch beschriftet. Restaurants bieten Spezialitäten aus China wie Abalone und Dimsum.

Doch die Begeisterung der Chinesen für Thailand nimmt spürbar ab: Im August lag die Zahl der Thailand-Besucher aus der Volksrepublik um zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert, im Oktober betrug das Minus sogar 20 Prozent. Als Hauptgrund für die Entwicklung sehen Beobachter eine Tragödie, die sich im Juli ereignet hatte: Bei einem Bootsunglück vor der Ferieninsel Phuket starben 47 Chinesen.

Danach wurde in China darüber debattiert, wie sicher Urlaub in Thailand ist. Einen Anteil am vorläufigen Ende des Reisebooms hat auch die Schwäche der chinesischen Landeswährung Yuan, die den Thailand-Urlaub für Chinesen im Vergleich zu 2015 um 18 Prozent verteuert hat. Die thailändischen Behörden versuchen gegenzusteuern und strichen deshalb vorübergehend die Visumsgebühren.

Unerschütterlich optimistisch

 Rückschläge musste die Branche in den vergangenen Jahren häufiger hinnehmen – auch politische Unruhen und ein Terroranschlag, die sich mitten im Einkaufsviertel ereigneten, schreckten Besucher zeitweise ab. Die Einzelhändler geben sich von den Problemen noch unbeeindruckt. „Wir alle wissen, dass Tourismus ein volatiles Geschäft ist“, sagt Tos Chirathivat, der Chef der Central Group.

Sein Konzern kontrolliert mehr als die Hälfte des Shopping-Mall-Marktes in Thailand. „Wir haben in den vergangenen Jahren einen immensen Anstieg an chinesischen Besuchern erlebt, jetzt gibt es eben einen Rückgang“, sagt Chirathivat. „Das wird sich auch wieder ändern.“

Als Herausforderung empfindet Chirathivat jedoch den rasanten Anstieg neuer Verkaufsflächen in Einkaufszentren, die schneller wachsen als die Nachfrage. Dennoch mischt auch er im Bauboom der Branche weiter mit. Im April kündigte er den Bau einer 160.000 Quadratmeter großen Outlet-Mall an, die im kommenden Jahr wenige Minuten entfernt von Bangkoks größtem Flughafen Suvarnabhumi eröffnen soll. Auch dieses Projekt richtet sich vor allem an Touristen aus Ländern wie China und Russland, die hier Markenartikel günstiger bekommen sollen als in ihrer Heimat. Ein ähnliches Outlet-Projekt kündigte Siam Piwat ebenfalls für nächstes Jahr an.

Zusätzlich baut die Mall Group, der dritte große Kaufhausbetreiber in der Stadt, sein Einkaufszentren-Imperium weiter aus: Im Viertel Phromphong an der Hauptstraße Sukhumvit ergänzt das Unternehmen bis 2020 zwei eigene Einkaufszentren um eine weitere Niederlassung. In der Nähe des Bangkoker Geschäftszentrums arbeitet unterdessen der Mischkonzern TCC, zu dem auch Thailands größter Getränkehersteller gehört, an einem 3,2 Milliarden Euro teuren Großprojekt.

Unter dem Namen One Bangkok will das Unternehmen auf einer 17 Hektar großen Fläche ein eigenes Stadtviertel bauen – mit Wohnhochhäusern, Büros, Hotels und weiteren Verkaufsflächen für den Einzelhandel. Insgesamt belaufen sich die Investitionen in neue Bangkoker Einzelhandelsprojekte auf vier Milliarden Dollar.

Nicht jede Investition rechnet sich

Doch offenbar rechnet sich nicht jede hohe Investition: Die Central Group baute für mehr als eine halbe Milliarde Dollar die Luxus-Mall Central Embassy, die vor vier Jahren eröffnete. Das Projekt hat aber seither so große Schwierigkeiten, Kunden anzulocken, dass die lokalen Medien ihm den Spitznamen „Central Empty“ verpassten.

„Thailands wirtschaftliche Lage hat sich zwar nicht signifikant verbessert“, kommentieren Analysten von Colliers International. Das Wirtschaftswachstum sank zuletzt auf 3,3 Prozent. Doch die Einzelhandelsentwickler hält dies nicht von neuen Projekten ab. Die langfristigen Geschäftserwartungen stimmen sie optimistisch.

Die Hoffnungen sind nicht unbegründet. Die thailändischen Behörden gehen von einem Anstieg der Touristenzahlen bis 2030 auf 60 Millionen aus. Laut den Marktforschern von Euromonitor werden dann nur China, Frankreich, die USA und Spanien mehr Gäste anziehen. Und während besonders beliebte Strände wie die aus dem Film „The Beach“ bekannte Bucht Maya Bay in der Vergangenheit bereits wegen des zu großen Andrangs monatelang schließen mussten, werden die gigantischen Einkaufszentren zweifellos geöffnet erhalten bleiben.

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