Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Immobilien Baugenehmigungen sind rückläufig – Wohnungsmangel droht sich zu verschärfen

Immobilienverbände kritisieren, dass in Deutschland zu wenige Wohnungen zum Bau genehmigt werden. Doch es ist unklar, ob dem Wohnungsmangel allein darüber beizukommen ist.
1 Kommentar
Gerade in Metropolen wie der Hauptstadt, in die immer mehr Menschen ziehen, wird dringend mehr Neubau gefordert. Quelle: dpa
Wohnungsneubau in Berlin

Gerade in Metropolen wie der Hauptstadt, in die immer mehr Menschen ziehen, wird dringend mehr Neubau gefordert.

(Foto: dpa)

Erfurt Die Zahl der Baugenehmigungen fällt. Zwischen Januar und Mai dieses Jahres wurde der Bau von rund 120.600 Wohnungen genehmigt – und damit 3300 (minus 2,7 Prozent) weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes vom Montag hervor.

Das legt Schlussfolgerung nahe, dass noch immer kein Ende des Wohnungsmangels in Sicht ist. Entsprechend reagieren die Immobilienverbände: „Die neuesten Zahlen zeigen einmal mehr: Wir brauchen endlich handfeste Maßnahmen zur Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum“, sagt Klaus-Peter Hesse, Sprecher der Geschäftsführung beim ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft.

Sämtliche Prozesse rund um die Grundstücksvergabe, die Baulandausweisung und die Baugenehmigungs- und Planungsverfahren müssten vereinfacht werden. „Dann sehen wir hoffentlich auch bald positivere Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt“, sagt Hesse.

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) schätzt, dass jährlich 360.000 neue Wohnungen gebraucht werden. Tatsächlich sind die Baufertigstellungen, also die Wohnungen, die tatsächlich gebaut wurden, in den vergangenen Jahren zwar gestiegen. 2018 wurden allerdings nur 285.900 Wohnungen fertiggestellt, also nur rund 80 Prozent des errechneten Bedarfs. Auch der GdW forderte zuletzt, die Zahl der Baugenehmigungen zu erhöhen.

Dennoch mischt sich in die immer wiederkehrende Forderung nach mehr Baugenehmigungen Kritik. Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum, glaubt nicht, dass mehr Baugenehmigungen in der heutigen Situation automatisch zu mehr Wohnungsbau führen. Dies macht Vornholz an einer Analyse fest: Seit Jahren steigt der sogenannte Bauüberhang, die Differenz aus genehmigten und tatsächlich gebauten Wohnungen.

Ende des Jahres 2017 lag diese bei über 650.000 Einheiten und hat sich innerhalb von gut zehn Jahren nahezu verdoppelt, zeigt Vornholz‘ Analyse. „Empirisch ist rein rechnerisch festzuhalten, dass es eine Wohnungsknappheit nicht geben müsste. Wären alle Genehmigungen umgesetzt und die entsprechenden Wohnungen gebaut worden, wären mehr Wohnungen gebaut als es Zuwächse bei den Haushaltszahlen gegeben hätte. Alle Haushalte hätten dann eine Wohnung erhalten“, sagt Vornholz.

Der Immobilienökonom erkennt zwei Ursachen für zu wenige Fertigstellungen: Einerseits sind die Baufirmen derzeit so stark ausgelastet wie nie zuvor. Mehr Baugenehmigungen würden daher auch nicht zwingend zu mehr Neubau führen. Andererseits macht er die Spekulation mit Bauland für die zu wenig gebauten Wohnungen verantwortlich.

Bauland wird in solchen Fällen nicht bebaut oder zurückgehalten, um es später zu einem höheren Preis zu verkaufen. „Spekulanten verdienen daran, dass ihr Grund und Boden immer teurer wird, ohne dass sie selbst etwas dazutun müssen. Da die Preise für Bauland mehr als 50 Prozent stärker als die Hauspreise angestiegen sind, ist es für die Grundstücksbesitzer vorteilhaft, mit den Grundstücken zu handeln als sie zu bebauen“, schreibt Vornholz in der Analyse.

Hamburg geht gegen Spekulation vor

Der Immobilienverband IVD wies jüngst die Unterstellung zurück, dass Grundstückeigentümer mit Bauland spekulieren. Eine Umfrage unter 6000 Immobilienunternehmen habe ergeben, dass spätere Selbstnutzung das wichtigste Motiv zur Bevorratung sei (62 Prozent). Das treffe vor allem auf kleine, im Familienbesitz befindliche Grundstücke zu. Auch Erbstreitigkeiten wurden als Problem genannt. Immerhin ein Drittel gab jedoch auch an, dass Wertsteigerungen ein Motiv zur Nichtbebauung von Grundstücken sind.

Hamburg will dagegen nun vorgehen. Die Hansestadt will eine Spekulationssteuer auf baureife Grundstücke erheben, die insbesondere aus spekulativen Gründen nicht bebaut werden. Der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel hat die Steuerverwaltung gebeten, diese sogenannte „Grundsteuer C“ vorzubereiten. Ein baldiges Ende mit Grundstücksspekulation ist in Hamburg trotzdem nicht abzusehen: Die neue Grundsteuer darf erst ab 2025 erhoben werden.

Mehr: Die Zahl der Wohnungsbesitzer stagniert. Kein Wunder, angesichts der immens hohen Kaufpreise. Doch es gibt mehr Gründe, die fürs Mieten sprechen.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Immobilien - Baugenehmigungen sind rückläufig – Wohnungsmangel droht sich zu verschärfen

1 Kommentar zu "Immobilien: Baugenehmigungen sind rückläufig – Wohnungsmangel droht sich zu verschärfen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Streit,

    mehr Mietwohnngen bauen? Oder gibt es vielversprechendere Wege? Ich erzähle Ihnen einfach einmal von der eigenen Wohnsituation.

    Süddeusche Großstadt. Stadtrand. Kleiner Feldherrnhügel. Aufgelockerte Bauweise, Ein- und Zweifamilienhäuser umgeben von Gärten und Wald. Reine Wohngegend mit nur einigen ruhigen Anliegerstrassen. Fast alle Häuser wurden wohl in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

    Hier wohnt der bürgerliche Mittelstand. Fast nur Eigentümer des Gebäudes. Die meisten sind hier aufgewachsen und haben dann das Häuschen irgendwann geererbt.

    Wo das Problem ist? Nun die Häuser sind groß genug, dass darin einst 3 Generationen leben konnten. Dann starben die Eltern und irgendwann gingen die Kinder aus dem Haus. Wohnen blieben ältere Ehepaare, die sich mit ihrer eigenen Wohnung begnügen. Die ehemaligen Wohnungen ihrer Eltern und ihrer Kinder haben sie abgeschlossen und benutzen sie nicht. Sie vermieten diese leerstehenden Wohnungen aber auch nicht.

    Zum Vermieten motivieren, wie geht das eigentlich? Ich könnte mir vorstellen, dass man Veranstaltungen organisiert, bei denen Wohnungssuchende sich vorstellen. Wenn sich beispielsweise ein nettes junges Paar präsentiert, mögen Vorurteile gegen das Vermieten hinterbleiben. Aber dem netten jungen Paar gibt man vielleicht eine Bleibe.

Serviceangebote