Immobilien Die Angst vor der Heuschreckensteuer

Wenn ein Bundesland die Grunderwerbsteuer anhebt, dann ist das keine Schlagzeile mehr wert – außer sie soll gleich auf 19 Prozent hochschießen. Wo der Fiskus beim Immobilienkauf zuschlägt.
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Heuschrecke mit Geldscheinen: Die Koalition in Bremen hat sich darauf geeinigt, die Grunderwerbssteuer für Käufer von Objekten mit mehr als 50 Wohneinheiten von derzeit fünf Prozent auf 19 Prozent anzuheben. Damit wolle Sie Private-Equity-Gesellschaften abschrecken, Immobilien zu kaufen.
Heuschrecken

Heuschrecke mit Geldscheinen: Die Koalition in Bremen hat sich darauf geeinigt, die Grunderwerbssteuer für Käufer von Objekten mit mehr als 50 Wohneinheiten von derzeit fünf Prozent auf 19 Prozent anzuheben. Damit wolle Sie Private-Equity-Gesellschaften abschrecken, Immobilien zu kaufen.

Frankfurt/DüsseldorfEigentlich galt Bremen bislang nicht gerade als das Mekka für Immobilienspekulationen. Im Vergleich zu Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München stiegen die Kaufpreise und Mieten eher moderat. Im vergangenen Jahr legten die Mieten um 0,3 Prozent zu, Wohnungen verteuerten sich um 1,5 Prozent, zeigt eine Statistik des Analysehauses F+B Forschung und Beratung.

Trotzdem sorgt die hübsche Hansestadt derzeit für kräftigen Wirbel in der Immobilienbranche. Grund dafür ist der Koalitionsvertrag, auf den sich die neue Landesregierung aus SPD und Grünen am vergangenen Wochenende einigte. Ab Zeile 1713, im Unterpunkt „Soziale Stadtentwicklung“ heißt es: „Wohnungen sind kein Spekulationsobjekt.“

Um mögliche und echte Spekulanten abzuschrecken, wird nicht nur die Mietpreisbremse bis Ende des Jahres eingeführt. „Bremen wird prüfen, eine ‚Heuschreckensteuer‘ einzuführen, um den Grunderwerb durch Immobilienheuschrecken stark zu beschneiden“, heißt in den Plänen. Als „Heuschrecken“ beschimpfte erstmals vor zehn Jahren der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Private-Equity-Gesellschaften wegen ihrer sehr ambitionierten Renditevorstellungen bei gleichzeitig sehr kurzem Anlagezeitraum.

Konkret haben sich die Koalitionäre in Bremen darauf geeinigt, die Grunderwerbsteuer für Käufer von Objekten mit mehr als 50 Wohneinheiten von derzeit fünf Prozent auf 19 Prozent anzuheben. Die Grünen unterstützen den Vorstoß der SPD. „Wir haben die gleichen Probleme wie in anderen Städten“, sagt Ralph Saxe, Landesvorstandssprecher der Bremer Grünen. „Investoren kaufen in großem Maßstab Wohnungen auf.“ Das sei nicht immer im Interesse der Mieter. Die „Heuschreckensteuer“ müsse allerdings noch rechtlich geprüft und in ein Gesetz gegossen werden. Zuvor werden die verschiedenen Interessengruppen angehört.

Teil dieser Interessengruppen sind Beratungsunternehmen wie Dr. Lübke & Kelber. Geschäftsführer Ulrich Jacke hat sein Urteil bereits gefällt: „Eine wirkliche Schnapsidee und ein falsches Signal auch für andere Landesregierungen.“ Investoren würden sich vor Einführung der Steuer vermehrt von ihren Beständen in Bremen trennen, denn die Preiseinbußen aufgrund der Heuschreckensteuer könnten bis zu 14 Prozent betragen, ist Jacke überzeugt. Er fürchtet darüber hinaus, dass neue Anleger Bremen gleich fernbleiben würden.

Mit Blick auf den auch in Bremen knappen Wohnraum warnt Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Finanz- und Immobilienmärkte beim Wirtschaftsforschungszentrum IW Köln: „Investoren aus einem Markt zu treiben ist ein gefährliches Spiel.“ Im Übrigen sei das Vorurteil falsch, dass allein Heuschrecken für Missstände auf Wohnungsmärkten verantwortlich seien.

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16 Kommentare zu "Immobilien : Die Angst vor der Heuschreckensteuer"

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  • Der Vermieter will für sein Mietobjekt Rendite einfahren, er ist kein Sozialamt,
    deshalb ist es ganz klar, dass er alle Kosten wieder hereinholt und zusätzlich einen angemessenen Gewinn.

  • Herr Gramm, der Vergleich mit den Verwaltungskosten hinkt.

    Denn auf Verwaltungskosten hat der Vermieter einen gewissen Einfluss. Weil er es zunächst selbst bezahlen muss (auch wenn er es in die Kaltmiete einpreist) hat er ein Interesse daran, diese niedrig zu halten. So wird das Mieten tendenziell billiger.

    Die Grundsteuer dagegen ist ein Fixposten auf den keiner der beiden Parteien Einfluss hat. Sie muss in jedem Fall in dieser Höhe bezahlt werden, daher macht separat abrechnen oder in die Kaltmiete einpreisen keinerlei Unterschied. Würde ein sinnloses Gesetz erlassen, dass Vermieter diese nicht umlegen dürfen, würden sich die Mieten halt auf ein um diesen Betrag erhöhtes Level einstellen.

  • Wohnen wird dadurch nur noch teurer. Aber die bösen Investoren sind immer Schuld und nicht die Kommunen mit ihren steigenden Grundsteuern, Kanalgebühren etc. Von der steigenden Grunderwerbsteuer der Länder mal ganz zu schweigen. Glauben Mieter denn allen Ernstes, dass steigende Kosten für den Investor nicht weitergegeben werden?!

  • einverstanden. unternehmer zahlen ja auch keine steuern usw. sie legen alles auf den preis ihrer produkte um. fairerweise sollten dann beim verkauf der immobilie die immobilienbesitzer für den aufwand den sie dem mieter weiterbelastet haben einen abzug beim verkauserlös an das fiamt berappen. wäre nur fair. die verwaltungskosten muß der immo besitzer ja auch selbst bezahlen und darf sie nicht auf den mieter umlegen, aber er kann sie bei seinen einkünften aus v + v als werbungskosten geltend machen. wo ist also das problem.

  • Ups, da habe ich jetzt richtig Angst. Heuschreckensteuer. Klingt toll. Ja wir wollen unsere 0,3 % Rendite sicher haben. Mann, was habt ihr für Sorgen.

  • @Peter Gramm: Die Kosten der Wohnung landen immer beim Mieter, egal ob sie separat abgerechnet werden (Grundsteuer extra) oder nicht (Grundsteuer zahlt der Vermieter, dafür ist die KM entsprechend höher).
    Die Höhe der Gesamtbelastung dagegen hängt vom Marktgleichgewicht - also von Angebot und Nachfrage - ab. Wenn beispielsweise manche Interessenten bereit sind, 500 Euro KM + 20 Euro Grundsteuer extra zu bezahlen, wären sie auch bereit, stattdessen 520 Euro inkl. Grundsteuer zu bezahlen. Wenn Sie jetzt ankommen und für die gleiche Wohnung nur 500 Euro zahlen wollen, kommen Sie halt nicht zum Zuge.
    Fazit: Wohnen wird nicht günstiger, wenn einzelne Kostenpositionen anders abgerechnet werden. Nur allgemeine Rahmenbedingungen (günstigeres Bauland, weniger Zuwanderung, weniger Zahlungsbereitschaft wegen Wegfall von Arbeitsplätzen, weniger städtische Abgaben...) können das Wohnen günstiger machen.



  • "....Ausnahmereglung für städtische Wohnungsunternehmen"

    Der Sozialismus kommt durch die Hintertür.

  • die möglichkeit der umlage der grundsteuer auf den mieter gehört abgeschafft. dies ist ureigenstes interesse des immobilienbesitzers. bei verkauf der immobilei wird ja auch kein mieter am möglichen gewinn beteiligt.

  • Die wahren Heuschrecken wird eine solche Erhöhung der Grunderwerbssteuer nicht abhalten. Bereits heute gibt es Mittel und Wege, die Grunderwerbssteuer zu vermeiden. Da wird dann einfach nicht die Immobilie als solche veräußert, sondern diese wird in eine Firma eingebracht. Werden dann nicht mehr als 95 % dieser Firma veräußert, fällt keine Grunderwerbssteuer an.

  • Meinetwegen kann die Steuer auf 100% steigen. Steuern sind Steuerungselement des Staates.
    ABER: Privatunternehmen zu per sé zu verurteilen und mit Strafsteuern zu belegen, und zu glauben, Staatsunternehmen agieren anders, ist naiv und abzulehnen. Der einzige Unterschied zw. Privat- und Staatsunternehmen ist, dass der Staat soziale Wohltaten verteilt (entweder durch niedrigere Mieten oder höhere Löhne), weil es sich im Zweifel über den allgemeinen Steuerzahler wiederholt. Die Zusammenhänge sind bei beiden gleich und der € kann nur einmal ausgegeben werden. Wenn schon eine hohe/höhere (Immobilienerwerbs-)Steuer, dann für alle Unternehmen. Es ist auch naiv (oder dumm) zu glauben, man könne den Erwerb verteuern, aber die Mieten blieben niedrig.

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