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Immobilien Die große Zitterpartie: Warum sich Vonovias Pläne zur Übernahme der Deutschen Wohnen hinziehen

Die Frist für die geplante Dax-Übernahme endete in der Nacht zum Donnerstag. Noch wissen die Bochumer nicht, ob es diesmal gereicht hat – doch Finanzkreise rechnen mit einem Erfolg.
22.07.2021 Update: 22.07.2021 - 17:32 Uhr Kommentieren
Auch nach Ablauf der Angebotsfrist muss der Konzern um die Übernahme der Deutschen Wohnen bangen. Quelle: dpa
Vonovia-Zentrale in Bochum

Auch nach Ablauf der Angebotsfrist muss der Konzern um die Übernahme der Deutschen Wohnen bangen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die geplante 18-Milliarden-Übernahme des Berliner Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen durch den Rivalen Vonovia entwickelt sich zum Nervenspiel. „Es wird knapp. Noch sind die 50 Prozent nicht erreicht“, sagte am Donnerstag eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Nach Informationen des Handelsblatts wird in Finanzkreisen allerdings erwartet, dass der Deal am Ende durchgeht und die Annahmequote bei rund 70 Prozent liegen wird.

Er habe keine gewichtigen Stimmen von Investoren gehört, dass sie ihre Aktien nicht anbieten wollten, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Es sei aber heute noch „too early to call“, weil die Institutionellen Investoren in der Regel in den letzten zwei Stunden angedient hätten. Gerade die Hedgefonds wollten alle möglichen Entwicklungen abwarten.

Bis die letzten Aktien – etwa aus entfernteren Regionen – angekommen seien, könnten aber durchaus drei oder vier Werktage vergehen. Die finalen Ergebnisse über die Annahmequote der Offerte erwartet Vonovia jetzt für Montag, teilte eine Sprecherin mit.

In Finanzkreisen hieß es, dass es am Freitag jedoch bereits eine erste Indikation geben könnte, ob Vonovia sicher über 50 Prozent gekommen ist. Die komplette Auswertung der Daten werde jedoch voraussichtlich bis Montag dauern.

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    Die milliardenschwere Offerte steht unter dem Vorbehalt, dass mindestens 50 Prozent plus eine Aktie zum Preis von 52 Euro pro Deutsche-Wohnen-Papier an Vonovia verkauft werden. Die Zukunft der Übernahme unter den Wohnungsgesellschaften befindet damit vorerst weiter in der Schwebe. Die Frist für die Übernahme endete um 24 Uhr in der Nacht zum heutigen Donnerstag. Vonovia muss damit nach Ablauf der ersten Annahmefrist um seinen Megadeal mit dem Konkurrenten Deutsche Wohnen vorerst noch bangen.

    Marc Tüngler, Jurist und Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), warnt jedoch davor, den Aufschub überzubewerten. Das sei „zunächst kein schlechtes Zeichen, sondern normal“, sagte Tüngler dem Handelsblatt. Die Depotbanken müssten jetzt die Bestände melden. „Da es sich dabei oft auch um internationale Häuser handelt, ist es normal, dass es noch ein paar Tage dauert, bis Gewissheit besteht“, erläuterte er. „Montag ist der Tag der Gewissheit“, lautet Tünglers Prognose.

    Bis Mittwochnachmittag hatte der Bochumer Dax-Konzern rund 37,46 Prozent der Anteile des Rivalen eingesammelt. Vonovia-Boss Rolf Buch muss also darauf setzen, dass zum Ende der Angebotsfrist noch viele Aktionäre von der Offerte Gebrauch gemacht haben. Dass sich eine Übernahme erst zum Ende der Frist entscheidet, ist allerdings nicht ungewöhnlich: Traditionell entscheiden vor allem die institutionellen Investoren, die die größten Aktienpakete halten, immer erst sehr spät zum Ende einer Übernahmefrist, wie sie mit ihren Aktien verfahren.

    Für Deutsche Wohnen steht viel auf dem Spiel

    Sollte die Annahmeschwelle verfehlt werden, ist die Übernahme allerdings geplatzt. „Eine nachträgliche Anpassung der Bedingung ist jetzt nicht mehr möglich“, betont der DSW-Hauptgeschäftsführer. So, wie er das Vonovia-Management in den letzten Jahren wahrgenommen habe, würde er auch ein weiteres Angebot mit anderen Konditionen eher nicht erwarten. „Herr Buch ist sehr klar in seiner Strategie und seinen Aussagen und würde sich für zukünftige Deals schwächen, wenn er jetzt Zugeständnisse macht“, sagte Tüngler.

    Für die Aktionäre von Deutsche Wohnen steht damit viel auf dem Spiel. Sie wären „die großen Verlierer, wenn der Deal scheitert“, glaubt Tüngler. Der Aktienkurs des Berliner Unternehmens werde unter Druck geraten, da viele Aktionäre gerade wegen der Übernahme neu bei Deutsche Wohnen eingestiegen seien. „Scheitert die Übernahme, würde ein massiver Überhang an Verkaufsorders dieser taktisch agierenden Anleger die Aktie gegen Süden drücken“, sagt der Aktionärsschützer voraus.

    Die Vonovia-Aktionäre könnten hingegen entspannt auf die aktuelle Situation blicken. „Sie wissen um die Stärke der Vonovia und dass die Übernahme der Deutsche Wohnen auch nicht nur risikolos ist“, fügte Tüngler an. Vor der Vorlage der Offerte Ende Mai standen die Papiere bei gut 42 Euro. Erst die Aussicht, dass Vonovia für die Aktien 52 Euro bietet, ließen die Wertpapiere rasant um rund 18 Prozent hochschnellen.

    Ein Problem für die Übernahmepläne dabei: Indexfonds (ETFs) dürfen ihre Anteile erst abgeben, wenn feststeht, dass die Fusion perfekt ist – also nicht im Rahmen der ersten Annahmefrist. „In der Tat sind die passiven Gelder und Investoren in der Übernahmesituation ein großes Problem“ argumentiert Tüngler. „Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.“
    Je mehr ETF-Geld in einem Wert investiert sei, umso schwieriger würden sich freiwillige Übernahmeangebote gestalten.

    Langer Weg zum zweiten Übernahmeversuch

    Vonovia weiß, wie heikel diese Annahmeschwelle sein kann. Bereits 2016 unternahmen die Bochumer einen ersten Versuch, die Deutsche Wohnen zu übernehmen. Dieser scheiterte jedoch, weil nicht genügend Aktionäre des Berliner Immobilienkonzerns das Angebot unterstützten. Das lag auch daran, dass sich Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn damals vehement gegen den Verkauf ausgesprochen hatte. Vor gut einem Jahr holte sich Vonovia dann erneut die Hilfe von Beratern, um ein Gebot zu prüfen.

    Dazu kam es allerdings nicht, die Überlegungen verliefen im Sande. Erst nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtswidrigkeit des Berliner Mietendeckels in diesem Jahr sah Vonovia die zweite Chance für eine Übernahme von Deutscher Wohnen gekommen. Mitte April nahmen beide Seiten Gespräche auf. Ende Mai kündigte Vonovia seine bis zu 18 Milliarden Euro schwere Offerte an, die diesmal jedoch ausdrücklich vom Management um Zahn unterstützt wird.

    Börse glaubt noch an den Erfolg des Deals

    Die meisten Experten waren vor diesem Hintergrund zuversichtlich, dass es nunmehr klappt. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass das Übernahmeangebot für Deutsche Wohnen erfolgreich sein wird und halten die Übernahme sowohl aus strategischer als auch aus ökonomischer Sicht für sinnvoll“, sagte noch vor wenigen Tagen DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger. Das Bundeskartellamt hatte den Plänen bereits zugestimmt. Noch wettet auch der Markt nicht massiv auf ein Scheitern des Deals: Die Vonovia-Aktie lag am Donnerstag deutlich im Plus – die Papiere der Deutschen Wohnen rutschten dagegen leicht ins Minus.

    Mehr: Vonovia muss für Deutsche-Wohnen-Übernahme noch Aktien einsammeln

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