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Immobilien finanzieren „Ein Kniefall vor der Bankenlobby“

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„Fragwürdige, nicht nachvollziehbare Berechnungsmethode“

Bankenvertreter halten entgegen, dass ein Großteil der Kunden auch im Fall einer korrekten Belehrung nicht binnen 14 Tagen widerrufen hätte. Den meisten gehe es beim Widerruf allein darum, auf günstige Kreditverträge zu den aktuellen Niedrigzins-Konditionen umzusatteln. Sogar von Rechtsmissbrauch ist die Rede. Was sagen Sie dazu?

Natürlich können Kreditnehmer durch den Wechsel beträchtliche Summen sparen. Aber ich finde es schon anmaßend, wenn Bank-Justitiare nun zu wissen glauben, wie Kunden Jahre zuvor entschieden hätten. Und rechtsmissbräuchlich ist allenfalls die Tatsache, dass Banken bei vorzeitiger Kündigung eines Kredites völlig überhöhte Vertragsstrafen festsetzen.

Das müssen Sie erklären.

Die deutschen Vorfälligkeitsentschädigungen sind die höchsten in Europa. Im Schnitt müssen Kunden derzeit zehn Prozent der Restschuld bezahlen – also oft hohe fünfstellige Beträge. Das liegt an einer fragwürdigen und für Kunden nicht nachvollziehbaren Berechnungsmethode. Somit ist der Widerruf, bei dem Banken keine Vertragsstrafe fordern dürfen, auch ein Akt der Notwehr gegen ein flächendeckend verbraucherfeindliches Geschäftsgebaren.

Was ist aus Ihrer Sicht so fragwürdig an der Rechenmethode der Banken?
Fast alle Institute unterstellen, dass sie vorzeitig zurückgezahltes Geld in erster Linie in Hypotheken-Pfandbriefe stecken. Da diese derzeit äußerst niedrige Renditen abwerfen, wird der angebliche Zinsschaden und damit die Vertragsstrafe dadurch massiv aufbläht. Dass die Bundesregierung im Rahmen des Gesetzes zur Wohnimmobilienkreditrichtlinie daran nichts ändert, ist ein weiterer Kniefall vor der Bankenlobby.

Was wäre notwendig?
Zunächst müsste der Gesetzgeber detailliert vorschreiben, wie Banken die Vorfälligkeitsentschädigungen zu berechnen haben und sie in diesem Zusammenhang zwingen, realistische Wiederanlagezinsen anzusetzen. Zudem müssen die Vertragsstrafen gedeckelt werden, um übermäßige Belastungen zu vermeiden. In anderen europäischen Ländern ist das längst Usus. Schauen Sie beispielsweise nach Frankreich. Dort dürfen Banken maximal drei Prozent der Restschuld beziehungsweise sechs Monatszinsraten fordern.

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