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Immobilien Für Spekulanten mit Spielkasse

Immobilien sind gefragt wie lange nicht mehr. Der Boom verleiht selbst kleinen Unternehmen Flügel. Der Wohnungskonzern Estavis möchte seinen Börsenwert mehr als verdreifachen. Lohnt jetzt ein Kauf der Aktie?
Update: 25.02.2013 - 13:51 Uhr Kommentieren
Objekt der Begierde: Plattenbau im Stadtzentrum von Dresden. Quelle: dpa

Objekt der Begierde: Plattenbau im Stadtzentrum von Dresden.

(Foto: dpa)

Der ausufernde Immobilienboom in Deutschland sorgt selbst bei kleinen Marktteilnehmern aktuell für kühnste Hoffnungen. So möchte Andreas Lewandowski, Vorstand des mit aktuell knapp 36 Millionen Euro bewerteten Immobilienunternehmens Estavis, den Börsenwert bis Ende 2014 auf mehr als hundert Millionen Euro steigern. „Erst ab dieser Summe sind wir für institutionelle Investoren interessant“, sagt Lewandowski.

Bislang lockt das Unternehmen eher Family-Offices und Vermögensverwalter wie Flossbach von Storch, der elf Prozent der Aktien besitzt. Oder Einzelinvestoren wie etwa die Ukrainerin Alexandra Timoschenko, eine bildhübsche Olympiasiegerin in der Rhythmischen Sportgymnastik, die mit 4,8 Prozent beteiligt ist. Dirk Marcus, Chef des Beteiligungsunternehmens Aurelius ist mit knapp 16 Prozent investiert.

Für das ehrgeizige Wachstumsziel müsste das Unternehmen neue Aktien herausgeben. Aktuell laufen entsprechende Verhandlungen, ein Deal sei in naher Zukunft möglich. Das Unternehmen erwägt etwa, Bestände an Wohnimmobilien gegen neue Aktien zu tauschen. Ein solcher Deal könnte nach der in der nächsten Woche auf der Hauptversammlung vorgestellten Platzierung von sechs Millionen neuen Aktien stattfinden.

Estavis konzentriert sich auf den Kauf von Wohnimmobilien in B-C-Lagen mit positivem Cash Flow und sieht vor allem in den neuen Bundesländern gute Chancen. Die Zahl an Wohnungen im Bestand soll – sobald die Finanzierung geklärt ist – kurzfristig von zuletzt rund 1.500 auf mindestens 10.000 steigen. „Wir haben einige interessante Objekte im Visier“, sagt Lewandowski. Der Wert des Wohnungs-Portfolios soll von gut 50 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro steigen.

Die Kursentwicklung der im Prime Standard notierten Aktie sorgt bei langfristigen Anlegern bislang eher für Frust. Seit 2008 fiel der Kurs von knapp 30 Euro auf aktuell rund zwei Euro. Seit Jahresbeginn steht allerdings ein Plus von rund 12 Prozent zu Buche. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis soll laut Bloomberg in diesem Jahr bei 20,2 liegen. Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,2 wäre die Aktie unterbewertet. Wegen der niedrigen Marktkapitalisierung und den vielen Unbekannten beim Wachstumskurs ist sie eher für spekulationsfreudige Anleger mit gut gefüllter Spielkasse geeignet.

Der Immobilienmarkt boomt

Ehrgeizig: Andreas Lewandowski, Vorstand beim Immobilienunternehmen Estavis. Quelle: www.marco-urban.dePR

Ehrgeizig: Andreas Lewandowski, Vorstand beim Immobilienunternehmen Estavis.

(Foto: www.marco-urban.dePR)

Das Unternehmen hat mehrfach das Geschäftsmodell geändert, jetzt soll es vor allem als Bestandshalter erfolgreich sein. Der Verkauf von wenig lukrativen Beständen und die Umstrukturierung ungeliebter Unternehmensteile ist fast abgeschlossen. Garant für den Erfolg soll der neue Vorstand Lewandowski sein, der früher als Chefeinkäufer bei TAG-Immobilien vielfach ein glückliches Händchen bewies. Sein ehemaliger Chef Rolf Elgeti sitzt jetzt in seinem Aufsichtsrat.

Anleger sollen bei der am Mittwoch anstehenden Hauptversammlung mit einem positiven Ergebnis aus einem hundert Millionen Euro-Deal positiv gestimmt werden. Ein Gewinn für das laufende Geschäftsjahr im einstelligen Millionen-Euro-Bereich erscheint realistisch. Die ersten beiden Quartale muss das Unternehmen noch Verluste ausweisen, für das zweite Halbjahr erwartet Estavis schwarze Zahlen.

„Die Pläne sind durchaus realistisch, der CEO hat bereits bewiesen, dass er so etwas bei TAG geschafft hat“, erklärt Manuel Martin, Analyst bei Close Brothers Seydler Research. Die Bank hat die Platzierung neuer Aktien begleitet. Nur wenige Analysten beobachten wegen der geringen Größe das Unternehmen.

Damit Estavis die ambitionierten Ziele erfüllen kann, muss Lewandowski allerdings lukrative Immobilien und Geldgeber finden. „Das Unternehmen könnte vor allem in Segmenten kaufen, die für Immobilienriesen wie TAG oder Deutsche Wohnen nicht lukrativ sind“, sagt Martin.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young stieg im vergangenen Jahr das Volumen an Transaktionen von Wohnimmobilien auf elf Milliarden Euro, soviel wie seit 2008 nicht mehr. Eine Investorengruppe unter Führung von Patrizia kaufte etwa ein Paket der Landesbank Baden-Württemberg für 1,4 Milliarden Euro, die Deutsche Wohnen erwarb 23.500 Wohneinheiten von Barclays für 1,2 Milliarden Euro. Deutsche Wohnimmobilien sind derzeit bei Investoren begehrt, weil sie in unsicheren Zeiten durch die Schuldenkrise konstant hohe Renditen versprechen.

Das treibt allerdings auch den Preise. Aktuell stehen 32.000 Wohnungen der bayerischen Wohnungsbaugesellschaft GBW zum Verkauf, der Deal könnte 2,5 Milliarden Euro bringen. Ob Estavis jemals in solche Dimensionen vordringen kann, bleibt allerdings fraglich.

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