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Immobilien Für Studenten werden Wohnungen immer teurer

Die Zahl der Studenten wächst. Doch wer studieren will, der muss sich die Wohnung einiges kosten lassen – und Besserung ist vorerst nicht in Sicht.
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WG-Zimmer sind bei Studenten beliebt. Meist sind sie günstiger als eine eigene Ein- oder Zweizimmerwohnung. Quelle: dpa
Wohnungssuche

WG-Zimmer sind bei Studenten beliebt. Meist sind sie günstiger als eine eigene Ein- oder Zweizimmerwohnung.

(Foto: dpa)

ErfurtIn knapp einem Monat beginnt an den deutschen Universitäten und Hochschulen das Wintersemester. Gerade für Erstsemester geht die Suche nach einer passenden Bleibe jetzt in die heiße Phase. Fest steht schon jetzt: Billig wird das in den meisten Fällen nicht. Seit Jahren steigen die Studentenzahlen und die Immobilienpreise – das ist gerade für Studenten mit knappen Budgets keine gute Nachricht. Vorerst ist keine Besserung in Sicht.

Eine Analyse des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) zeigt: Im Durchschnitt kostet ein WG-Zimmer mittlerweile 363 Euro, zwölf Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Besonders begehrt sind Studienplätze in den Metropolen Berlin, Hamburg, München und Köln. Ein Fünftel aller deutschen Studenten ist dort an Hochschulen eingeschrieben.

Wer hier studieren will, muss auch mit hohen Kosten rechnen: In München kostet ein WG-Zimmer mittlerweile mehr als 600 Euro, Frankfurt am Main liegt mit 480 Euro auf Rang zwei, Hamburg und Stuttgart mit jeweils 450 Euro sind die drittteuersten Standorte. Für die Analyse hat das MMI die Daten von 67.000 Angebots- und Nachfrageinseraten des Onlineportals „WG-Gesucht“ ausgewertet.

Preise auf dem privaten Markt oft zu hoch

In vielen Städten seien die Grundstücks- und Immobilienpreise im privaten Markt einfach zu hoch, um ins studentische Budget zu passen, sagt Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts. Ein Großteil der Studenten (55 Prozent) verfügt über ein monatliches Budget zwischen 600 und 1000 Euro.

Insgesamt waren im Wintersemester 2016/2017 rund 2,8 Millionen Menschen an deutschen Hochschulen immatrikuliert. Dies entspricht einem Anstieg um etwa 45 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Zudem würden deutsche Hochschulen bei ausländischen Studenten attraktiver: Mittlerweile sind rund 360.000 Ausländer immatrikuliert.

Die Auswertung der WG-Zimmer-Mieten gibt die Wohnwirklichkeit von Studenten nicht vollumfänglich wieder. Laut derselben Analyse leben rund ein Drittel aller Studenten in Wohngemeinschaften. 38 Prozent hingegen beziehen eine eigene Wohnung. Eine Ein- bis Zweizimmerwohnung ist oft jedoch noch teurer, wie eine Auswertung des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) aus dem Vorjahr zeigt: Für eine Beispiel-Wohnung von 30 Quadratmetern wurden demnach bereits im vergangenen Jahr in München 665 Euro fällig.

Generell seien die Preistreiber von studentischem Wohnen ähnlich wie auf dem Wohnungsmarkt insgesamt: hohe Nachfrage, knapper Wohnraum, zu wenig Bautätigkeit. Dennoch sei hier der Druck größer. „Studenten suchen Wohnungen, die bei vielen begehrt sind, von Single- bis Rentner-Haushalten: kleine, günstige Wohnungen in guter Lage. Die Konkurrenz ist groß. Dadurch sind die Preise in diesem Segment stark gestiegen“, erklärt Michael Voigtländer, Immobilienökonom des IW die Ursachen.

Gerade für zuziehende Studenten stellen die hohen Preise ein Problem dar. Denn „sie verfügen in aller Regel über keine ‚Insider-Kontakte‘, weshalb sie in der Regel deutlich mehr zahlen müssen als Studenten, die sich schon länger am Markt bewegen oder gute Kontakte haben“, schrieben die IW-Experten bereits im Herbst 2017.

Die Knappheit verbunden mit stark steigenden Preisen hat bereits den Fokus der Investoren auf sich gezogen. Studentenwohnungen und Mikroapartments stehen seit geraumer Zeit hoch im Kurs. Im ersten Halbjahr 2018 wurden laut dem Immobiliendienstleister CBRE deutsche Studentenwohnheime und Mikroapartments für mehr als 1,6 Milliarden Euro gehandelt, ein Rekord und zugleich ein Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Beliebt sind in diesem Bereich wegen ihrer höheren Renditen nicht zuletzt sogenannte Forward-Deals. Bei denen werden noch entstehende Projekte an einen Investor verkauft.

Marktexperten rechnen damit, dass die Nachfrage in diesem Segment hoch bleibt. IW-Immobilienökonom Voigtländer ist skeptisch, was mögliche Alternativen für wohnungssuchende Studenten angeht. Viele der hier tätigen Projektentwickler bauten im gehobenen oder Luxussegment, entsprechend teuer seien die Wohnungen. „Für Studenten bringt das nicht so viel. Mikroapartments kosten in Frankfurt durchaus 700 Euro und mehr an monatlicher Miete“, sagt Voigtländer.

Wer auf sein Budget achten muss, dem bleiben nur wenige Alternativen: Da wäre zum einen die Hoffnung auf einen günstigen Wohnheimplatz, der im Schnitt mit 271 Euro knapp 90 Euro günstiger ist als ein WG-Zimmer. Das Angebot ist aber auch hier begrenzt und nur zwölf Prozent aller Studenten wohnen in einem Wohnheim. Zweitens müssen sich Studenten mit wenig Platz begnügen, um Geld zu sparen. Die dritte – und günstigste – Alternative ist, falls möglich, der Verbleib im Elternhaus.

Bliebe als vierte Variante nur, das Studium in einer anderen Stadt zu beginnen. Wie die Auswertung von MMI zeigt, sind WG-Zimmer in den ostdeutschen Bundesländern mit 266 Euro deutlich günstiger als in den begehrten Metropolen. „Wir haben auf der einen Seite gefragte Standorte, in denen die Studierendenzahlen und die WG-Preise steigen, während deutlich günstigere Standorte trotz des Kostenvorteils weniger gefragt sind. Die Schere geht auseinander“, sagt Brauckmann vom MMI.

Eine Entspannung der deutschen Studentenwohnlage ist daher nicht in Sicht. Voigtländer vom IW Köln glaubt: Kurzfristig werden die Preise weiter steigen. Mit Linderung ist vermutlich erst ab Mitte der 2020er-Jahre zu rechnen – dann, wenn demografisch bedingt die Zahl der Studenten abnehmen dürfte.

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