Immobilien in Deutschland Der Markt läuft heiß

Die aktuellen Immobilienpreise sind in Deutschland viel zu hoch, das meinen auch viele Experten wie etwa von der Commerzbank. Dennoch dürfte der Hype weitergehen – außer die Politik ändert einen entscheidenden Faktor.
Mit einem roten Stift wird eine Immobilienanzeige in einer Tageszeitung markiert: Nach einem jahrelangen Ansturm auf Immobilien finden Käufer in Großstädten kaum noch Angebote zu passablen Preisen. Quelle: dpa
Immobilienmarkt

Mit einem roten Stift wird eine Immobilienanzeige in einer Tageszeitung markiert: Nach einem jahrelangen Ansturm auf Immobilien finden Käufer in Großstädten kaum noch Angebote zu passablen Preisen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Preise für Wohnimmobilien in Deutschland steigen schnell. Nach Meinung der Commerzbank mehren sich nun die Anzeichen, dass der Immobilienmarkt seine Aufholphase beendet hat und nun zur Übertreibung neigen könnte.

Die Gründe dafür zählen die Commerzbanker detailliert auf: Zum einen sei das Verhältnis zwischen den Häuserpreisen und den Einkommen in den Großstädten regelrecht explodiert. In den fünf größten Städten Deutschlands sind die Häuserpreise sogar um annähernd ein Drittel schneller gestiegen als die Einkommen der Einwohner. „ Auch ohne einen langfristigen historischen Vergleich steht hier wohl außer Frage, dass der Immobilienmarkt in den Ballungszentren klare Übertreibungen zeigt“, sagt Marco Wagner, Autor der Commerzbank-Studie.

Weitere Zahlen des Marktforschungsunternehmens Empirica zeigen, dass sich die Wohnraumpreise in München am weitesten von den Einkommen entfernt haben. Dort mussten die Haushalte im vergangenen Jahr für eine 80 Quadratmeter große Wohnung mit guter Ausstattung im Schnitt das 7,6-fache ihres örtlichen durchschnittlichen Jahreseinkommens bezahlen – ein Anstieg um mehr als die Hälfte.

Hier werden Eigentumswohnungen immer teurer
Platz 10: Ingolstadt
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Die Preise für Eigentumswohnungen (Alt- und Neubau) haben im Jahr 2015 um insgesamt 14,5 Prozent zugelegt, berichtet der Marktbeobachter Empirica – so viel wie noch nie innerhalb eines einzigen Jahres seit der Jahrhundertwende.
Auf Platz 10 der Städte und Landkreise mit den teuersten Eigentumswohnungen findet sich Ingolstadt. Berücksichtigt man alle Baujahre zahlt ein potentieller Käufer in der Heimat des Autobauers Audi 3.396 Euro pro Quadratmeter Eigentumswohnung.

Platz 9: Freiburg
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Landflucht und Zuwanderung sorgen für vermehrte Nachfrage und treiben im Zusammenspiel mit „Renditenotstand und Billigzinsen auf der Angebotsseite“, so empirica, die Preise nach oben. Auf Platz neun der teuersten Städte liegt Freiburg. Wer hier eine Eigentumswohnung kaufen will, der zahlt im Schnitt 3.514 Euro pro Quadratmeter (Alt- oder Neubau).

Platz 8: Landkreis Ebersberg
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Die Analyse basiert auf der Auswertung von zwei Millionen Immobilieninseraten. Am achtteuersten wird der Wohnungskauf in Deutschland für Menschen, die es in den Landkreis Ebersberg östlich von München verschlägt. Wie überall in der Metropolregion treibt die Näher zur bayrische Landeshauptstadt auch hier die Preise nach oben. Pro Quadratmeter kostet die Eigentumswohnung hier durchschnittlich 3.534 Euro.

Platz 7: Fürstenfeldbruck
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Auch im oberbayrischen Landkreis Fürstenfeldbruck kommt Käufer von Eigentumswohnung die Nähe zu München gewissermaßen teuer zu stehen. Der Quadratmeter Eigentumswohnung kostet im Schnitt 3.663 Euro, Neubauten durchschnittlich 4.569 Euro.

Platz 6: Dachau
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Nordwestlich von München wird es in Dachau dann noch etwas teurer. Die Eigentumswohnung kostet noch einmal 35 Euro mehr pro Quadratmeter – 3.698 Euro nämlich. Neubauten schlagen durchschnittlich mit 4.362 Euro pro Quadratmeter zu Buche.

Platz 5: Landkreis Miesbach
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Alpines Gelände, der Tegernsee, eine gemeinsame Grenze mit – wer hätte es gedacht – dem Landkreis München: Im Süden Bayerns und des Regierungsbezirks Oberbayern liegt der Landkreis Miesbach. Und wer hier günstig eine Eigentumswohnung erstehen will, der findet in der Tat miese Bedingungen vor – und Preise von 3.789 Euro pro Quadratmeter. Betrachtet man nur Neubauten liegt der Preis bei 5.468 Euro.

Platz 4: Landkreis Nordfriesland
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Ein Ausreißer im Ranking, da nicht in Süddeutschland gelegen, ist der Landkreis Nordfriesland. Er ist sogar der nördlichste Landkreis Deutschlands mit Grenze zu Dänemark. Egal in welcher Sprache aber: 3.988 Euro pro Quadratmeter bleiben ein hoher Preis für eine Eigentumswohnung. Neubauten kosten 4.654 Euro durchschnittlich.

Ökonomen erwarten auch, dass die Erschwinglichkeit von Wohnraum durch das Programm der Europäischen Zentralbank zum Ankauf von Staatsanleihen für mehr als 1,1 Billionen Euro weiter abnehmen wird. „Der Preisauftrieb nimmt nach der Entscheidung der EZB und den Wahlen in Griechenland wieder zu“, sagte Andreas Schulten, Vorstand des Immobilienmarkt-Analysehauses Bulwien-Gesa, dem Handelsblatt.

Als zweiten Indikator hat die Commerzbank sich das Verhältnis zwischen Häuserpreisen und Mieten angeschaut. In den vergangenen fünf Jahren sind die Preise für den Kauf einer Immobilie im Vergleich zur Miete deutlich schneller gestiegen – und dürften noch weiter steigen. „Dieser rapide Anstieg deutet darauf hin, dass sich gerade in deutschen Ballungszentren Übertreibungen am Häusermarkt ausbilden“, heißt es in der Studie.

Der dritte Punkt: Die stärkere Verschuldung in Hypothekenkredite. Die Commerzbank schreibt mit Hinweis auf Daten der Bundesbank von einem Anstieg dieser Kredite um zuletzt vier Prozent – und damit stärker als die Einkommen der privaten Haushalte, die um drei Prozent zulegen konnten. Damit hat sich der Trend einer steigenden Verschuldungsquote fortgesetzt.

Die Risiken nehmen zu
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