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Immobilien in Deutschland Trotz Niedrigzinsen: Hausbesitzer bleiben immer noch in der Minderheit

Wer ein Haus besitzt und darin im Alter mietfrei wohnen kann, gilt als gut abgesichert. Doch trotz der niedrigen Zinsen steigt der Anteil der Haushalte mit Wohneigentum nicht mehr.
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Je mehr Menschen in einem Haushalt leben, desto eher ist dort Eigentum vorhanden. Quelle: dpa
Eigenheim

Je mehr Menschen in einem Haushalt leben, desto eher ist dort Eigentum vorhanden.

(Foto: dpa)

Wiesbaden Drei von vier Deutschen möchten ihre Wohnung oder ihr Haus gern besitzen. Jedoch: Die Realität sieht anders aus. Wie die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, besitzen nur 47,5 Prozent aller Deutschen Wohneigentum.

Trotz anhaltender Niedrigzinsphase, die die Finanzierung einer Wohnimmobilie attraktiv macht, ist der Anteil der Haushalte mit Wohneigentum in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Nach der Finanzkrise 2008 sind die Leitzinsen im Euro-Raum erst sprunghaft, dann schrittweise auf null Prozent gesenkt worden. Und doch lag die Wohneigentumsquote vor zehn Jahren mit 48 Prozent sogar noch leicht über dem aktuellen Wert.

Der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland sticht hervor: Während in den westdeutschen Bundesländern die Hälfte aller Haushalte Wohneigentum besitzt, sind es in den ostdeutschen Bundesländern (inklusive Berlin) nur 38 Prozent. Deutliche Unterschiede gibt es auch je nach Haushaltsgröße: Besitzen nur 31 Prozent der Single-Haushalte Wohneigentum, steigt dieser Wert bei Haushalten mit vier bis fünf Personen auf rund 70 Prozent.

Die mit Abstand beliebteste Eigentumsform ist das Einfamilienhaus: Ein Drittel aller Deutschen kann ein solches sein Eigen nennen – wenngleich sich auch hier große Differenzen zu den Wünschen zeigen: Laut der Wohntraum-Studie des Immobilienfinanzierers Interhyp würden gern doppelt so viele in einem freistehenden Einfamilienhaus leben.

Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland beim Wohneigentum auf den hinteren Plätzen. In Frankreich liegt die Quote nach einer Eurostat-Analyse bei 64 Prozent, in Norwegen bei 81 Prozent und bei Spitzenreiter Rumänien sogar 96,8 Prozent.

Die Ergebnisse der jüngsten Analyse für das Jahr 2018, die das Statistische Bundesamt am Dienstag veröffentlicht hat, basieren auf einer Befragung von knapp 56.000 Haushalten, die auf die Grundgesamtheit von 41 Millionen Haushalten hochgerechnet wurden.

Finanzberater werden nicht müde zu betonen, dass Wohneigentum eine wichtige Grundlage zur Altersvorsorge ist. Dennoch ist die Zahl der jungen Immobilienerwerber in den vergangenen Jahren rückläufig. Immobilienökonomen sehen hierin vielfältige Gründe: Da wären zum einen die stark gestiegenen Preise für Wohnungen und Häuser in den Großstädten. Mancherorts wie in Berlin oder München haben sie sich seit 2010 gar mehr als verdoppelt.

Lohnt sich der Kauf?

Die Einkommensentwicklung konnte mit dieser Entwicklung nicht mithalten. Und wo in einigen Metropolen der Kaufpreis heute schon das 30-fache der Jahresmiete beträgt, dürfte sich mancher auch grundsätzlich fragen, ob sich der Kauf noch lohnt.

Zugleich hält der Zuzug in die Ballungsgebiete an. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Hinzu kommt, dass die Arbeitswelt flexibler geworden ist. Ob nun häufiger der Arbeitgeber gewechselt wird oder ein Standortwechsel beim gleichen Arbeitgeber

Ökonomen verweisen wiederum darauf, dass Wohneigentum ein essentieller Punkt in der ungleichen Vermögensverteilung ist. Dies belegt auch die Analyse des Statistischen Bundesamtes. Im Durchschnitt besitzen die Deutschen ein Nettogesamtvermögen von 162.600 Euro. Mieterhaushalte liegen mit 40.000 Euro jedoch deutlich hinter den Wohneigentümern mit 330.400 Euro zurück.

Zum vollständigen Bild gehört allerdings auch, dass die Eigentümer deutlich höher verschuldet sind als Mieter, nicht zuletzt weil sie ihre Immobilie in den meisten Fällen noch abbezahlen. So liegen die Gesamtschulden von Wohneigentümern im Schnitt bei 64.700 Euro, während Mieterhaushalte nur auf 7.800 Euro kommen.

Die Einkommensunterschiede zeigen sich jedoch nicht nur beim Immobilienbesitz. Auch die Nettogeldvermögen der Wohneigentümer fallen höher aus als jene der Mieter. Dazu zählen Anlagen von Lebensversicherungen über Aktienfonds bis hin zu Sparguthaben.

Im Durchschnitt liegt das Nettogeldvermögen – also nach Abzug der Schulden – der Deutschen bei 55.400 Euro. Während Mieterhaushalte ein Vermögen von 28.200 Euro angespart haben, liegt das Nettogeldvermögen von Haushalten mit Wohneigentum bei 92.700 Euro.

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6 Kommentare zu "Immobilien in Deutschland: Trotz Niedrigzinsen: Hausbesitzer bleiben immer noch in der Minderheit"

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  • Für geringere Baukosten: Ist die Verbesserung der Produktivität (seit zig Jahren, am Bau = fast 0), der Bauwirtschaft, von entscheidender Bedeutung.

    Eine Steigerung der Produktivität des Bausektors sollte nicht nur die Gewinne, der in diesem Sektor Beschäftigten erhöhen, sondern auch zur Verbesserung der Produktivität in anderen Sektoren beitragen und damit den Lebensstandard ALLER verbessern.

    Aber.. in der BRD... wird das nicht (so wie in Asien) gefördert???
    ERGO: Wartet bis China das "Großprojekt" macht?

  • Immobilien sind, wie ihr Name bereits sagt, IMMOBIL.
    Das gilt in besonderem Maße auch für die Immobilien-"Eigentümer" (Geraten Sie einmal in die missliche Lage, Ihre Grund- und Gebäudesteuer nicht mehr zahlen zu können. Dann werden Sie rasch erleben, wer der wirkliche Eigentümer der Immobilie ist ;-) )
    Die Immobilität verhindert insbesondere Flexibilität bei der Arbeitsplatzwahl - also im weiteren Sinne auch hier die Mobilität: bekommt man etwa einen Arbeitsplatz nur Hunderte Kilometer von der eigenen Immobilie entfernt, dann kostet es viel Zeit und Fahrtkosten, wenn man die Immobilie nicht verkaufen will.
    Oft kommt (wie bei mir selber auch) dann auch noch eine EMOTIONALITÄT mit ins Spiel, wenn es sich z.B. bei der Immobilie um das eigene Elternhaus handelt oder man mit ihr "Heimat" o.ä. assoziiert. Dann steckt man sehr leicht Unsummen in Renovierungskosten statt viel billiger zur Miete zu wohnen.
    Ich empfehle hier ganz besonders ein äußerst provokantes Buch: "Rich Dad, Poor Dad" von Robert Kiyosaki.
    Kiyosaki erläutert darin u.a. auch, welche eklatanten Fehler normale Menschen bei der Vermögensanlage machen, z.B.:
    "Reiche Menschen kaufen Vermögenswerte, “Arme” und die Mittelschicht kaufen Verbindlichkeiten, die sie für Vermögenswerte halten (...)
    Verbindlichkeiten sind in diesem Zusammenhang nicht mit den Verbindlichkeiten im Bereich Buchhaltung zu verwechseln, sondern bezeichnen das Gegenteil von Investitionen – Gegenstände die mehr Geld kosten als sie einbringen (z.B. in vielen Fällen Autos)"
    https://unternehmerkanal.de/buecher-2/rich-dad-poor-dad-von-robert-kiyosaki-zusammenfassung/
    Tatsächlich sind nicht nur Autos solche "Verbindlichkeiten" , sondern in den meisten Fällen auch Immobilien - gerade, wenn sie überwiegend- oder vollständig kreditfinanziert sind.

  • Ich bin selber privater Vermieter mehrerer Wohnungen im Kölner Umland ( in 16 Minuten ist man mit der Bahn am Kölner Dom ). Jeder meiner Mieter könnte sich, wenn er denn wollte die von mir vermieteten Wohnungen kaufen und würde bei den derzeitigen Zinsen weit weniger für die Finanzierung zahlen als an Miete. In einigen Fällen hatte ich die Wohnung an die Mieter zum Kauf angeboten, die Standortantwort war, dass die Mieter keine Schulden haben möchten.

  • Die niedrige Eigentümerquote lässt sich auch so erklären: absurd hohe Grunderwerbssteuern, steigende Grundsteuer, hoher Maklergebühren, weiter steigende Abgaben (Niederschlagswasser, Schmutzwasser, Müllgebühren, Schornsteinfeger), dazu immer wieder Instandhaltungskosten und sonstige staatliche Vorgaben (Dämmung, etc.). In NRW auch noch verbrecherische Anliegerbeiträge, wenn die Straße vor der Tür jahrelang saniert wird. Ich würde es mir heute auch noch einmal überlegen, ein Haus zu kaufen. Lieber mieten, das Geld gewinnbringend in Aktien anlegen und die Flexibilität erhalten, um ggf. schnell auswandern zu könnnen, wenn Deutschland weiter den Bach runter geht.

  • @ Herr Moser,
    Wer ein e i g e n e s Haus hat, ein normales EFH, mußte auch schon in den zurückliegenden Jahren s p a r s a m Leben und hat auch jetzt für sein Eigentum selbst zu zahlen.
    Viele wollen dies nicht.
    Es ist doch einfacher in der Stadt in einer Mietwohnung zu leben,
    mindestens 2x im Jahr mit d. Flieger in den Urlaub zu starten, um dann anschließend die Autopendler (mit ihren Dreckschleuder) als Umweltverpester zu brandmarken.
    Hinzu kommen noch die bösen Vermieter, die die Mieten so hoch treiben.
    Also, bleiben wir Stadtbewohner und fahren mit d. Fahrrad zu jeder Umweltdemo und schließen uns den grünen "Gutmenschen" an.
    Die Landbevölkerung ist doch nur bedingt ernst zu nehmen.

  • Bei der ganzen Diskussion über Leben und Wohnen verstehe ich meine Mitmenschen nicht so ganz. Alle wollen in die Stadt, obwohl die Lebensqualität auf dem Land viel besser ist. Auch Arbeitsplätze gibt es nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land gibt es viele Mittelständler - z.B. im Sauerland oder in Westfalen. Auch das eigene Haus ist auf dem Land erschwinglich (für Normalverdiener). Warum muß es dann unbedingt die Stadt sein?

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