Immobilien Makler im Kreuzfeuer

Die Regierung will Immobilienmaklern das Geschäft stutzen. Die Masse applaudiert und überschüttet den Berufsstand mit Hohn und Spott. Die Makler sehen sich dagegen als Sündenbock. Wie ein Streit eskaliert.
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Ein neues Gesetz soll die Kredite von Privatleuten neu regeln. Bei Immobilienkrediten gibt es Kritik. Quelle: Getty Images

Ein neues Gesetz soll die Kredite von Privatleuten neu regeln. Bei Immobilienkrediten gibt es Kritik.

(Foto: Getty Images)

Wenn eine Berufsgruppe, um deren Image es nicht gerade zum Besten bestellt ist, von der Regierung einen auf den Deckel bekommt, dann ist die Freude groß. Im Zuge der Mietpreisbremse sind die Immobilienmakler dran.

Künftig soll das Bestellerprinzip gelten. „Mieter und Vermieter selbst entscheiden, ob sie einen Makler engagieren wollen und ihn dann auch bezahlen oder nicht“, sagt Jan-Marco Luczak, Immobilienexperte der CDU. „Wir wollen, dass das Prinzip der Marktwirtschaft auch für Wohnungsmakler gilt“. Wohnungsmakler sollen sich dem „Preis und Qualitätswettbewerb“ stellen.

Die Branche trifft das Gesetz hart. Im Gesetzentwurf rechnet das Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz jedes Jahr mit einer Einsparung der Maklercourtage in Höhe von mehr als 570 Millionen Euro (Gesetzesentwurf zur Mietpreisbremse zum Download.). „Entlassungen oder sogar Insolvenzen sind die Folge, vor allem, wenn das Kerngeschäft in der Vermietung liegt“, sagt Christian Osthus, Bereichsleiter Recht beim Immobilienverband Deutschland (IVD), der auch die Makler vertritt. „Man kann davon ausgehen, dass es insgesamt zu Umsatzverlusten von 50 Prozent kommt“.

Die Ängste der Makler sorgen für große Schadenfreude in weiten Teilen der Bevölkerung. Das Dossier von Handelsblatt Online gibt einen Einblick in die Diskussion über Immobilienmakler. Die folgenden Seiten zeigen die Häme der Masse, die harsche Kritik der Mieterschützer, den Trotz der Immobilienlobby und die Geschäftsidee eines Unternehmers, der Immobilien ohne Makler vermittelt. Auch eine Maklerin meldet sich zu Wort.

Die Häme

Die Nachricht, dass es für Makler bei der Mietpreisbremse ärger kommt als gedacht, sorgte für große Freude. Handelsblatt Online hatte gemeldet, dass wegen einer juristischen Spitzfindigkeit im Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz Makler fast nur noch von Vermietern bestellt werden können. Die zusätzlichen Umsatzeinbrüche wären immens. „Makler sind für mich das allerallerletzte“, sagt ein Kommentator auf der Seite. „Denen den Garaus zu machen - alleine die Vorstellung bereitet mir unbändige Freude“.

Der Grund für die Abscheu sind häufig Klischees über den Berufsstand. „Völlig ungelernte Hilfsarbeiter im Anzug, mit Rolex und Oberklassewagen - und dann ganz, ganz wichtig“, schreibt der Kommentator. Vor allem der vermeintliche Wohlstand der Berufsgruppe wird kritisch beäugt. „In meiner Stadt besitzen alle Makler bis zu zehn Häuser. Sie könnten sofort ihren Maklerjob aufgeben und von ihrem Eigentum leben“, schreibt ein weiterer Leser. Eine befreundete Arzthelferin soll zur Maklerin umgesattelt haben. „Sie hat ohne Ausbildung innerhalb weniger Jahre Millionen verdient“.

Ein Leser berichtet von einem Besuch im Büro eines Maklers. An der Wand hing eine „spaßige Zeichnung“ die mit folgendem Kommentar versehen war: „Mit monatlich einer Immobilie, nährt der Makler sich und die Familie.“ Der Leser musste zwei Monatsmieten plus Mehrwertsteuer an dem Makler abführen. „Das Lachen blieb mir im Halse stecken“, schreibt der Leser. „Nach der Ankündigung des neuen Gesetzes habe ich wieder ein freundliches Lächeln im Gesicht“.

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31 Kommentare zu "Immobilien: Makler im Kreuzfeuer"

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  • Ich werde die Maklerkosten durch ein Mieterbonussystem wieder zurück holen. Nach einem Jahr Mietzeit bekommt der Mieter einen Bonus zurückgezahlt. Den Bonus hat der Mieter zuvor durch höhere Miete gezahlt. Wenn er nach 3 Monaten schon weg ist, gibt es halt keinen Bonus ausgezahlt. Somit bleibe ich nicht auf den Maklerkosten sitzen. Zusätzlich gibt es noch einen Nichtraucher-, kein Haustier- und Renovier-Bonus. Damit hat man dann alle gesetzlichen Vorgaben, wie Renovierungsklauseln usw., erfüllt.

  • Zunächst mal für diejenigen, die nicht lesen können: Es geht bei der Mietpreisbremse um das VERMIETEN von Wohnungen, nicht um den Verkauf.

    Was fast alle vergessen ist der Luxus, den sie heute genießen: mehr als die Hälfte aller Mietwohnungen werden über den Immobilienscout und zwei weitere Immobilienbörsen angeboten. Mit Bildern, Beschreibungen und umfangreichen Informationen. Ca. 10 bis 15 Prozent der Angebote kommen von privaten Vermietern. Diese Zahl wird auch 2015 nur geringfügig steigen. Der Rest wird dann auf andere Weise vertickert. Ohne Internet. Das hat schon immer funktioniert und wird es auch weiter tun. So halt, wie vor zwanzig und mehr Jahren. Viel Spaß dann bei der Wohnungssuche...

  • Schauen Sie mal nach den Bildern auf den Webseiten -> da werden Bilder vom Treppenhaus, von Bettchen usw. gemacht, aber wehe auf den Bildern wäre auch nur ein Grashalm zu sehen, womit Interessenten ohne Maklerkontakt das Objekt finden könnten.

    Was wollen Makler bei der Kontaktaufnahme? Die komplette Anschrift usw. und damit hat der Makler schon seinen Ansprechpartner für die Courtage-Zahlung. Und wenn dann doch mal aufgrund des Inventar rauskommt wer der Besitzer ist, sagt der "Melden Sie sich bei meinem Makler". Gibt mittlerweile schon Makler welche ihre Objekte sogar extra aus Google StreetView löschen lassen damit ein Interessent nicht so einfach vom heimischen PC aus das Objekt finden kann. Ist mittlerweile sogar mein erster Anlaufpunkt wenn ich was suche - zuerst die ganzen gelöschten StreetView Objekt und schon ist alles klar.

    Was meinst denn warum der IVD auch für Makler den Zugriff auf das elektronische Grundbuch fordert? Na damit man kontrollieren kann ob der Eigentümer fremdgegangen ist und man doch noch gerichtlich Courtage einklagen kann. Selbst Notare dürfen da nur bei berechtigtem Interesse darauf zugreifen..... aber wer soll denn das bei Maklern, welche über Internet vom Wohnzimmer aus zugreifen noch daran hindern da ein bissle rumzustöbern?

    Wer jetzt an einen Aprilscherz denkt, weit gefehlt Leute => www.wkdis.de/aktuelles/werner-baurecht/282140/ivd-regulierung-der-maklercourtage-gefaehrdet-vertragsfreiheit

    "Neben den genannten Verwaltern sollten auch Immobilienmakler und Gutachter in den Kreis der Nutzer des automatischen Verfahrens einbezogen werden", fordert Kießling. "Der Zugriff auf elektronische Grundbücher erleichtert die Recherche enorm."

    Ich hätte dann in Zukunft auch gerne Zugriff auf die Daten der Zulassungsstellen, damit ich ganz liebe Briefe an die Leute schreiben darf die mich erst neulich wieder zugeparkt hatten...

  • Theoretisch kann man den Makler umgehen. Problem in unserer Gegend ist, dass Verkäufer häufig einen Makler einschalten und gar nicht erst versuchen das Haus ohne zu verkaufen.
    Theoretisch ist das Honorar ja sogar verhandelbar, nur wenn ich nicht die vollen 3,57% zahle, zahlt es jmd anders.

  • Da kommen wir zusammen. Wenn ich - mal wieder - umziehen muß, komme ich um den Rat eines Ortskundigen nicht umhin. Aber warum muß ich mich dann durch Hunderte unfähige Makler durchtelefonieren?

  • @ mr.grafzahl

    Sie können jederzeit den Makler umgehen und selbst inserieren bzw. suchen. Das wäre dann aber Aufwand und "verschwendete" Zeit. Dann lieber über Makler lamentieren.

    Man kann in D gesetzlich nicht vorgeschriebene Dienstleister wie Makler mit Eigenleistung umgehen. In München fällt in privaten Inseraten manchmal auch das Stichwort "Prämie für erfolgreiche Vermittlung". Das soll schon manchen Vermieter zur Kontaktaufnahme motiviert haben.

  • @ senfra

    Dieses System hatten wir bisher. In Gebieten mit leeren Wohnungen bezahlt heute schon der Vermieter den Makler. In Gebieten mit Wohnungsknappheit bezahlt der Mieter dafür dass er eine Wohnung angeboten bekommt.

  • @ MarkusB

    Anscheinend haben Sie es noch nicht erlebt dass Mietinteressenten Sie versetzt haben. Der Mieter sieht immer nur den Aufwand der bei ihm entstand. Die Aufwände für anderen 20 Bewerber sieht er nicht. Die Durchsprache in der man ihn dem Vermieter als den geeignetsten Kandidaten vermittelt ebenfalls nicht.

  • @ MarkusB

    Wie legen Sie die Kosten eines Kurzfrist-Mieters denn um? Glauben Sie der Mieter erzählt Ihnen dass er in der Probezeit ist oder die Wohnung nur als Übergangsstation sieht?

    Es wird ohne bremsende Maklergebühren zu Missbrauch kommen wie beim Warenrücksenderecht. Der Vermieter wird wesentlich mehr Risiko haben das sich in Risikoaufschlägen in der Miete widerspiegeln muss.
    3 Fahrten Stuttgart-Dresden für Besichtigung/Übergabe/Abnahme müssen in die Miete eingerechnet werden. Ob diese Kosten auf 6 Monate oder 10 Jahre verteilt werden entscheidet über den Mietzins.

  • @ Chris_7

    Die Masse der vermieteten Immobilien gehört älteren Menschen. Die schalten weder im Internet Inserate noch fährt die 85-jährige zum Wohnungsbesichtigungstermin.

    Sie wird diese Aufgaben vergeben und damit ihre Rendite schmälern. Zusammen mit der Mietpreisdeckelung und weiteren Schikanen vor Gericht ("Vergleichen" zu Lasten des "reichen" Vermieters durch "soziale" Richter die selber natürlich nie vermieten) wird das Vermieten in D für dieses Klientel uninteressant. Man verkauft besser an Selbstnutzer.

    Wir werden in 10 Jahren also weniger private Vermieter mit wenigen Objekten haben und noch mehr Druck auf dem Mietwohnungsmarkt. Besonders Investitionen in größerer Entfernung werden uninteressant. Die Politik wird darauf wieder zu Lasten der Vermieter reagieren und wir haben am Ende ähnliche Wohnungsmarktzustände wie in der DDR.

    Die Makler sollten öffentlichkeitswirksam an Maas die Frage stellen ob er durch seine Gesetzesvorlage in 10 Jahren mehr oder weniger Vermietobjekte im Markt sieht. Dann die Zahl heute erfassen und jedes Jahr den gesunkenen Bestand mit Verursacher in den Tageszeitungen veröffentlichen.

    Die Profiteure dieser Entwicklung sind zuerst die (semi-)professionellen Vermieter die viele Objekte vermieten und besser verteilen können. Dem Kleinvermieter kann es schon mal passieren dass sich beim überraschenden Mieterauszug mal ein paar Wochen kein Handwerker zur Renovierung findet und die Miete ausfällt. Bei 20 Aufträgen im Jahr überlegt es sich der Handwerker genau welche Prioritäten er setzt.

    Langfristig werden die Vermieterrenditen aber auch bei größeren Vermietern sinken und das wird auf breiter Front zum Verschwinden des privat finanzierten Wohnungsbaus führen.

    Wer glaubt dass diese verschwindenden Wohnungsangebote durch "sozialen Wohnungsbau" kompensiert werden können versteht nicht dass die Staatsverschuldung 1970 bei 20% lag und heute bei 80% steht. Niemand leiht dem Staat bei diesem Verschuldungsgrad weiter Geld.

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