Immobilien Reiche Asiaten auf Einkaufstour in Flensburg

Während der deutsche Michel schläft, gehen ausländische Investoren kräftig auf Schnäppchenjagd und kaufen deutsche Immobilien. Der schwache Euro wirkt dabei wie eine Geldspritze. Wo die Renditejäger jetzt zugreifen.
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Reiche Asiaten stehen auf die Stadt an der dänischen Grenze. Quelle: Imago
Flensburger Altstadt

Reiche Asiaten stehen auf die Stadt an der dänischen Grenze.

(Foto: Imago)

SingapurStephen Diggle, dessen Hedgefonds aus Singapur in den Tiefen der globalen Finanzkrise noch einen Milliardengewinn erwirtschaftet hatte, besucht diese Woche die deutsche Stadt Flensburg. Er setzt darauf, dass der seit zwölf Monaten währende Euro-Kursrückgang sich seinem Ende nähert, und schaut sich dort nach interessanten Immobilien um.

Die Euro-Abwertung gegenüber allen führenden Währungen aus Asien in diesem Jahr hat einige Objekte im Euroraum für Investoren von China über Malaysia bis hin nach Thailand und Singapur zu Schnäppchen gemacht. Diggles Fonds hat bereits mehr als 1200 Wohnungen in Deutschland gekauft, darunter viele in der Stadt nahe der dänischen Grenze. Und er will mehr kaufen.

„Europa beginnt sich wirtschaftlich von der scheinbar endlosen Schwächephase zu erholen. Es macht sich somit der Eindruck breit, dass der Euro nicht immer weiter gegenüber anderen Währungen fallen wird“, sagte Diggle, Leiter des Family Office Vulpes Investment Management, vor seiner Reise. „Es gibt einen gewissen Anreiz, lieber früher zu handeln als abzuwarten.“

Diggle ist nur einer der vermögenden Investoren aus Asien, die auf ein Ende des Euro-Verfalls setzen und sich nach Schnäppchen umschauen. Die Optionspreise legen nahe, dass der Euro während des kommenden Jahres gegenüber drei der acht am meisten gehandelten Währungspendants aus Asien aufwerten dürfte.

Die grenzüberschreitenden Investments von Asiaten in Liegenschaften zogen im ersten Quartal auf 8,6 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) an. Das war der aktivste Jahresauftakt seit die Region 2013 mit einem größeren Vorstoß in Auslandsimmobilien begonnen hatte, erklärte CBRE Group aus Los Angeles Ende Mai. Europa machte demnach fast ein Drittel der Gesamtsumme aus.

Zu den Transaktionen mit hohem Bekanntheitsgrad zählt der Verkauf des Frankfurter Wolkenkratzers Silberturm, der mit seinen 32 Stockwerken bis 1990 Deutschlands höchstes Gebäude war, an ein Konsortium unter der Führung von Samsung im Januar. Fosun International, Teil des größten privaten Konglomerats in China, hat Bloomberg-Daten zufolge seit 2010 für Käufe in Übersee rund 25 Milliarden Dollar ausgegeben – darunter die Übernahme des französischen Feriendorfbetreibers Club Méditerranée Anfang des Jahres.

Wem die Frankfurter Skyline gehört
Trianon
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Die wechselvolle Geschichte des Frankfurter Bürokomplexes Trianon bekommt eine neue Facette. Die börsennotierte US-Immobiliengesellschaft North Star will das 68.600 Quadratmeter große Gebäude für rund 540 Millionen Euro kaufen. Auf das Eigenkapital von 250 Millionen Euro erwartet der nordamerikanische Reit eine Rendite von acht Prozent. Reits sind Immobilienaktiengesellschaften, die steuerlich begünstigt sind und im Gegenzug einen sehr hohen Anteil ihrer Gewinne auszahlen müssen.

Blick auf das Trianon
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Zwar nennt die Pressemitteilung von North Star nur Eckdaten eines Gebäudes in Frankfurt, das zu 98,5 Prozent vermietet sei. Doch Immobilienmarktkreise in Frankfurt bestätigten dem Handelsblatt, dass es sich bei dem Gebäude um das Trianon handelt. Die hohe Vermietungsquote verdankt der Komplex der Deka Bank, die es als Zentrale nutzt. Einstmals gehörte das Objekt in der Mainzer Landstraße sogar dem Spitzeninstitut der Sparkassen. Doch die verkaufte es 2007 rechtzeitig vor Beginn der Finanz- und Immobilienkrise und verbuchte anschließend 146 Millionen Euro außerordentlichen Gewinn aus dem Deal. Käufer waren Fonds von Morgan Stanley, darunter der Kleinanleger-Fonds Morgan Stanley P2 Value.

Lobby des Trianon
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Als die Finanzkrise einsetzte, geriet der Fonds wie viele andere Offene Immobilienfonds in Schwierigkeiten und musste letztendlich abgewickelt werden. Die Anleger mussten immer wieder Gebäudeabwertungen hinnehmen, auch beim Trianon, so dass auch der Wert ihrer Anteile schmolz wie Butter in der Sonne. 2012 wurde der P2 Value seinen Anteil am Gebäude mit Verlust an den US-Investor Madison los. Seit dem vergangenen Jahr suchen die Frankfurter Büros des US-Maklerhauses CBRE und dessen europäischer Wettbewerber BNP Paribas Real Estate in Auftrag von Madison und einem weiteren Morgan Stanley-Fonds, der noch Anteile am Gebäude hält, einen Käufer für das Trianon. Offensichtlich nun mit Erfolg.

Messeturm
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Im September 2014 wechselte der Messeturm in den Besitz der US-Private-Equity-Gesellschaft Blackstone. Das von Star-Architekten Helmut Jahn im Art-deco-Stil errichtete Gebäude war mit seinen 63 Stockwerken einmal der höchste Wolkenkratzer in Frankfurt. Blackstone soll 250 Millionen Euro dafür bezahlt haben, also fast eine Million pro Höhenmeter für das 257 Meter hohe Gebäude.

Pollux
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Ebenfalls im September 2014 erwarb Blackstone auch das Büro-Hochhaus Pollux von einem Spezialfonds der IVG. Angeblich blätterte die US-Gesellschaft 100 Millionen Euro für das 1997 fertiggestellte Objekt hin. Die Commerzbank war lange Zeit der Hauptmieter. Zum Veräußerungszeitpunkt stand der 33 Stockwerke hohe Bau  weitgehend leer.

Eurotower
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Als der Eurotower geboren wurde, hieß er noch BfG-Hochhaus. Seine aktuellen Namen bekam er, als die Europäische Zentralbank (EZB) dort einzog. Der EZB wurde der Eurotower zu klein. Sie zog in ein niegel-nagel-neues Gebäude im Frankfurter Osten. Zurück blieb die Bankenaufsicht der EZB. Die zahlt ihre Miete nun an Investoren, die hinter der IVG Tochter Institutional Funds stehen. Die neuen Eigentürmer überwiesen im April dieses Jahres mindestens 430 Millionen Euro an den US-Investor RFR, der einen Minderheitsanteil behalten hat.

EZB-Doppeltürme
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Im 40. Stock sitzt einer der mächtigsten Männer Europas – Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank. Mit ihm arbeiten in den Doppeltürmen - 165 und 185 Meter hoch und durch drei bis zu 60 Meter hohe Atrien verbunden – 2900 Menschen.  Die alte Großmarkthalle wurde in den Neubau integriert. 1,3 Milliarden Euro kostete der Bau – 450 Millionen Euro mehr als geplant.

Nach Aussage von Simon Smiles, Investmentchef für hochvermögende Personen bei der UBS, werfen die Kunden aus Fernost ein Auge auf europäische Vermögenswerte wie Hotels. „Vor allem die größten Kunden haben ein starkes Interesse an Trophäen-Anlagen wie Luxusmarken oder Hotels“, sagte Smiles. „Sie gehen davon aus, dass der Dollar kurzfristig steigen wird, aber sie denken nicht notwendigerweise, dass die gegenwärtige Stärke für immer anhalten wird.“

„Und wir dachten, dass es schon Schnäppchen wären“
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