Wohnungsbau in Berlin

Die Baukosten sind im Mai im Vergleich zum Vorjahr so stark gestiegen wie seit acht Jahren nicht mehr.

(Foto: dpa)

Immobilien Weshalb die Kosten für Haus- und Wohnungsbau immer weiter steigen

Wer in Deutschland eine neue Immobilie kaufen möchte, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Das liegt nicht zuletzt an steigenden Baukosten.
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FrankfurtMan könnte Wolfgang Ries als Profiteur des Immobilienbooms bezeichnen. Die Auftragsbücher des Projektentwicklers sind wie für viele seiner deutschen Kollegen dank der hohen Nachfrage nach Immobilien derzeit so gut gefüllt wie kaum zuvor.

Ries aber will das so nicht stehen lassen. Er kämpft gegen die Vorurteile, die ihn und seine Kollegen treffen. Vor allem gegen den Vorwurf, seine Branche bereichere sich dank steigender Preise auf Kosten der Gesellschaft. Die Preise der von ihm gebauten Wohnungen bestimme er schließlich nicht allein. Dem Marktdruck, der sich aus steigenden Grundstückspreisen und Handwerkerkosten bilde, könne er nicht entkommen.

Preise 4,1 Prozent höher als im Vorjahr

Der Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes gibt ihm Recht. Wie die Daten zeigen, steigen die Baupreise seit 2008 kontinuierlich. Heute liegen sie für Wohngebäude um ein Viertel höher als noch vor zehn Jahren. Zuletzt zog die Spirale sogar an: Im Mai waren die Baupreise um 4,1 Prozent teurer als im Vorjahr.

Drastischer gestiegen sind sie zuletzt im November 2007, mit einem Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Baupreisindex zählt das Statistische Bundesamt unter anderem Erd-, Beton-, Klempner- und Tischlerarbeiten, aber auch die Kosten für Heizanlagen oder für Gas- und Entwässerungsanlagen.

Verteuert hat sich Bauen auf breiter Linie, sowohl bei den Rohbauarbeiten als auch bei den Ausbauarbeiten. Die Nachfrage schlägt auch auf dem Markt für Fertighäuser durch: Im Laufe der vergangenen zehn Jahre haben sie sich um ein Drittel verteuert. Nichts jedoch treibt die Preise für Immobilienkäufer so sehr wie die Kosten für Bauland. Den Daten des Statistischen Bundesamts zufolge hat sich Bauland im Schnitt um mehr als die Hälfte verteuert.

Auf die Probleme der Grundstücksspekulation hatte im vergangenen Herbst bereits eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hingewiesen. Vor allem in den Großstädten, das zeigen die Zahlen, sei das Problem frappierend. Zwar seien die Grundstückstransaktionen in Deutschland insgesamt stabil geblieben. In den Großstädten seien die Verkäufe zwischen 2011 und 2016 jedoch um 30 Prozent zurückgegangen.

„Steigende Grundstückspreise bestimmen vor allem in den Wachstumsregionen zu einem erheblichen Anteil die Erstellungskosten“, erläutert Matthias Waltersbacher, der Autor der Studie. „Besonders in den städtischen Wachstumsräumen mit angespannten Wohnungsmärkten hemmen hohe Baulandpreise den bezahlbaren Wohnungsbau“, heißt es im Text.

„Wie ein Auto ohne Benzin“

Seit 32 Jahren ist Wolfgang Ries, 64, nun schon im Geschäft. Seine Firma, die Bien-Ries AG, baut Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet von Hanau im Osten bis Wiesbaden im Westen. Am Riedberg, dem neuen Stadtteil, der im Frankfurter Norden in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen ist, hat er etwa 1150 Wohnungen gebaut, allein im vergangenen Jahr hat die Firma 330 fertiggestellt. In diesem Jahr peilt Ries erstmals die Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro an. Doch es werde zunehmend schwieriger, an geeignete Grundstücke zu kommen, sagt Ries.

Für die angespannte Lage in den Großstädten findet er einen Vergleich mit der Automobilindustrie: „Sie können das tollste Auto dieser Welt bauen. Aber wenn es kein Benzin gibt, dann fährt es nicht. Beim Bauen sind die Grundstücke der Dreh- und Angelpunkt. Haben Sie kein Bauland, dann bringt Ihnen auch das tollste Baukonzept nichts.“

Dass es sich bei der Grundstücksspekulation um ein veritables Problem handelt, offenbart bereits eine Stichprobe bei einschlägigen Immobilienportalen. In den Großstädten werben Anbieter unverhohlen mit „Spekulationsgrundstücken“ schon im Titel ihrer Annoncen.

Spekulationsobjekt Baugrundstück
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1 Kommentar zu "Immobilien: Weshalb die Kosten für Haus- und Wohnungsbau immer weiter steigen"

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  • Die Spekulation ist wirklich ein Problem.
    Haben sich Banken aus Spekulationen um Nahrungsmittel zurückgezogen, so spekulieren viele private Spekulanten gerne mit Immobilien.
    Warum?
    Nach 10 Jahren kann man die Gewinne STEUERFREI abgreifen!

    Würde die Politik alle Anlageklassen gleich besteuern, die Anleihen, Aktien, Immobilien, Gold, Währungen, BitCoins - alle nach 10 Jahren steuerfrei stellen, so würde es nicht mehr den run auf Immobilien geben und Investitionen würden eher der Altersvorsorge dienen!
    Zudem würden die Investoren wieder die eigene Wirtschaft kennen lernen und schätzen. Die Eigentümer in Europa würden andere Entscheidungen treffen als internationale Hedgefonds - siehe thyssenkrupp, uniper und viele andere!

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