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New York City
(Foto: AP)

Immobilieninvestor Aby Rosen Warum New York Gefahr läuft, eine langweilige Stadt zu werden

Aby Rosen ist einer der prominentesten Immobilieninvestoren New Yorks. Was der gebürtige Frankfurter über den Preissturz bei Luxusapartments denkt und wie er die Zukunft der Stadt sieht.
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New YorkDen Frankfurter Zungenschlag hat Aby Rosen behalten. Sonst unterscheidet ihn wenig von einem typischen amerikanischen Milliardär: Sein Instagram-Konto zeigt ihn in seiner Luxusvilla auf Formentera, beim Skifahren in den französischen Alpen und bei einem privaten Dinner in einem Tempel in Kambodscha. Er sammelt Kunst, ziert die Cover von Lifestyle-Magazinen und hat große Visionen, zum Beispiel für Midtown Manhattan.

Der Mann mit dem welligen, weißen Haar ist einer der prominentesten Immobilieninvestoren New Yorks. Seinem Unternehmen, der RFR Holding, gehören Wolkenkratzer wie das historische Seagram Building, das Gramency Park Hotel und der nagelneue Turm mit Luxusapartments an der 53. Straße, den Stararchitekt Norman Foster gebaut hat.

Aber auch Hotels in Miami und Tel Aviv und Immobilien in Frankfurt, München, Hamburg und Dresden gehören zum rund 15 Milliarden Dollar schweren Portfolio. Gerade kämpft Rosen dafür, New Yorks Büroviertel Midtown, südlich des Central Parks, attraktiver für Luxuswohnungen zu machen. „Hier in Midtown ist die Action“, stellt Rosen klar.

„Früher war hier freitags nach 16 Uhr tote Hose bis Montagmorgen. Aber jetzt haben Geschäfte, Restaurants und Museen längst sieben Tage die Woche geöffnet.“ Downtown hingegen, in den vergangen Jahren zum Hotspot für die Wohlhabenden der Stadt geworden, sei „mittlerweile total überlaufen. Da will doch keiner mehr hin.“

Sein neuer Wolkenkratzer, 100 East 53rd Street, soll dazu beitragen. Im Frühjahr öffnen dort auch zwei Restaurants, die vom Team des verstorbenen Starkochs Joël Robuchon betrieben werden.

Der Immobilienunternehmer und gebürtige Frankfurter kam 1987 als Trainee nach New York. Quelle: RFR
Aby Rosen

Der Immobilienunternehmer und gebürtige Frankfurter kam 1987 als Trainee nach New York.

(Foto: RFR)

Direkt nebenan, im historischen Seagram Building, gibt es weitere kulinarische Tempel – „The Lobster Club“, „The Pool“ und „The Grill“. Das von Ludwig Mies van der Rohe entworfene und 1958 fertiggestellte Bürogebäude, eine Ikone der New Yorker Hochhausarchitektur, gehört ebenfalls zu Rosens Imperium.

Der gebürtige Frankfurter kam 1987 nach New York, zunächst als Trainee für eine Immobilienfirma, die sich vor allem auf deutsche Kunden spezialisiert hatte. Drei Jahre später gründete er RFR gemeinsam mit seinem Schulfreund Michael Fuchs, der die Geschäfte in Europa führt. Rosen ist der Sohn von Holocaust-Überlebenden, sein Vater wurde nach dem Krieg selbst Immobilieninvestor, seine Mutter war Künstlerin.

Stars bekommen Rabatt

„New York ist immer noch das beste Pflaster der Welt“, schwärmt der 58-Jährige mit der rauen Stimme. Und doch sieht er den Big Apple mittlerweile durchaus kritisch. Zum einen ist da das immer schlimmer werdende Verkehrschaos.

Und zum anderen gibt es eine Entwicklung, die Rosen selbst mit befeuert: „New York ist die Stadt der Reichen geworden. Man findet hier immer weniger interessante Leute“, moniert er. „Die jungen Leute, die früher aus den Kleinstädten nach New York gezogen sind, die kreativ, smart und gut aussehend waren, für die ist es unheimlich schwer geworden, sich hier mit wenig Geld auszuleben.“

Sollten da nicht auch die großen Baulöwen wie er etwas dagegen tun? Rosen winkt ab. Es sei Sache des Bürgermeisters und des Bundesstaates, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, „sonst wird die Stadt nur reich und doof“.

Die großen Immobilieninvestoren seien auf Profit ausgerichtet – und müssen es sein. Dabei sei es schwer geworden, Geld zu verdienen, beklagt Rosen. Denn die Baukosten sind auch in den USA weiter gestiegen, die Kaufpreise hingegen gesunken.

Luxushotel im Zentrum der israelischen Metropole. Quelle: Amit Geron
RFR-Immobilie „The Jaffa“ in Tel Aviv

Luxushotel im Zentrum der israelischen Metropole.

(Foto: Amit Geron)

Das bekommt Rosen gerade auch bei seinem Prestigeprojekt an der 53. Straße zu spüren. Gut 550 Millionen Dollar hat der 63-stöckige Wolkenkratzer gekostet. Doch die Preise, die er für die Luxusapartments verlangen wollte, bekommt er nicht. Um 40 Prozent hat er die Preise gesenkt, „und dann gleich 20 Einheiten verkauft“, sagt Rosen.

Auch George und Amal Clooney und Cindy Crawford hat er als Käufer gewinnen können. Ein üblicher Trick in der Branche: Stars bekommen Sonderrabatt und locken so zusätzliche Interessenten an. Ob er mit dem Projekt Geld verdienen wird? „Ich denke schon, aber wie viel, das muss sich noch zeigen.“

Konfliktbereiter Kunstsammler

Um zehn bis 15 Prozent sind die Preise für Luxusapartments in Manhattan eingebrochen, schätzt Rosen. Nach dem Bauboom der vergangenen Jahre herrscht plötzlich ein Überangebot an Wohnungen in der obersten Preisklasse. Und mit volatilen Märkten, einem unsicheren Ausblick auf die US-Wirtschaft und steigenden Zinsen ist keine Erholung in Sicht.

Von den teuersten zehn Prozent der Apartments konnten 84 Prozent nur mit Preisabschlägen verkauft werden, zeigen Daten des Maklers Street Easy für die ersten neun Monate des Jahres.

Die Wahl von US-Präsident Trump belastet zudem das Geschäft. „Der ganze Wahlkampf hat die Leute schon nervös gemacht“, beschwert sich Rosen. Dabei kennt er Trump, bekanntlich ebenfalls Immobilieninvestor und Milliardär, gut.

Doch die verbalen Attacken gegen Moslems, Chinesen und Mexikaner haben die ausländischen Investoren abgeschreckt. „Viele wollen lieber warten, bis er weg ist“, sagt Rosen, der mit der Firma von Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, gemeinsam in einen Büro- und Einzelhandelskomplex in Brooklyn investiert hat.

Spielerisch verbindet Rosen die Welt der Architektur mit Kunst und Glamour. Er ist einer der angesehensten Sammler zeitgenössischer Kunst, besitzt mehr als 800 Bilder, Zeichnungen und Skulpturen, unter anderem von Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Jeff Koons, die er sowohl in seinen Büros als auch in seinen Häusern hat.

2014 sorgte er bei seinen Nachbarn in Long Island, eine Stunde außerhalb von New York, für Aufruhr, weil er eine elf Meter hohe Statue von Damian Hirst auf seinem Grundstück platzierte. „Virgin Mother“ ist eine nackte, schwangere Frau, zur einen Hälfte im Querschnitt, die an die Ausstellung von Körperwelten erinnert.

Rosen scheut nicht den Konflikt. Als er 2011 das Four-Seasons-Restaurant in seinem Seagram Building schließen ließ, um es durch drei modernere zu ersetzen, entfachte er einen Streit in der New Yorker High Society. Doch er ließ sich davon nicht abbringen. „Heute verdienen alle drei Restaurants gutes Geld; und Firmen mieten sich gern im Gebäude ein, weil ihre Mitarbeiter in den Restaurants garantiert einen Tisch bekommen.“

Gerade kämpft er um die Pacht im Lever House in Manhattan, in dem auch sein New Yorker Büro beheimatet ist. „1999 sind wir eine Erbpacht eingegangen, die alle 25 Jahre neu bewertet wird“, erklärt Rosen. Doch schon jetzt ist klar, dass sich die Pacht, die RFR für das Hochhaus an der Park Avenue zahlt, auf 17,5 Millionen Dollar mehr als verdreifachen könnte.

Rosen ist einen sogenannten technischen Zahlungsverzug eingegangen, um die neuen Vertragsverhandlungen vorzuziehen. „Das nervt mich vom Kopf her“, räumt er ein. Doch Fälle wie diese seien Einzelfälle, betont er.

Und bessere Zeiten zeichnen sich ab. Dass der Onlinehändler Amazon seine zweite Konzernzentrale im New Yorker Stadtteil Queens bauen will, „das wird dem Markt für Wohnimmobilien richtig guttun“, ist Rosen überzeugt. „Man ist mit dem Auto in ein paar Minuten von Midtown über die Brücke in Queens.“ Wenn er richtigliegt, könnte sein favorisierter Stadtteil dann besonders gefragt sein.

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1 Kommentar zu "Immobilieninvestor Aby Rosen: Warum New York Gefahr läuft, eine langweilige Stadt zu werden"

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  • Vor knapp 40 Jahren sagte mir ein New-Yorker vor Ort: In 5 spaetestens 10 Jahren gibt es
    hier keine Armen mehr! Auf meine erstaunte Frage nach dem Wieso, kam dann: Sie koennen es sich nicht mehr leisten, hier zu wohnen!