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Immobilienkonzern Aroundtown und die Zypern-Strukturen

Der Immobilienkonzern wird neuer Sponsor des künftigen Fußball-Erstligisten Union Berlin. Recherchen zeigen: Aroundtown betreibt ein schwer zu durchschauendes Geschäft.
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Aroundtown und die Zypern-Connection Quelle: Hilton
Hilton Berlin Mitte

Mitte 2018 ging das Hotel für knapp 300 Millionen Euro an Aroundtown.

(Foto: Hilton)

Düsseldorf Ihre Proteste waren fast so laut wie ihre Schlachtgesänge. Als der Fußballklub Union Berlin vor Kurzem seinen neuen Hauptsponsor bekanntgab, hagelte es wütende Reaktionen der Fans. „Das gibt Ärger“, twitterte ein thilo1161. „Zahl lieber nen Fuffi mehr für meine Dauerkarte“, kommentierte ein anderer Anhänger. Und immer wieder fiel das Wort: „Immobilienhai“.

Die Fans des Vereins, der jüngst in die Erste Bundesliga aufgestiegen war, waren offenbar so erbost, weil hier etwas zusammenkam, was ihrer Meinung nach nicht zusammenpasste: auf der einen Seite ein Arbeiterverein mit vielen Mietern unter seinen Mitgliedern, auf der anderen Seite mit dem Luxemburger Konzern Aroundtown ein Konzern, der mit Immobiliengeschäften sein Geld verdient.

Und dessen Vizechef Andrew Wallis Sätze sagt wie: „Wir zahlen bar, wir zahlen schnell, aber wir zahlen weniger.“ Handelsblatt und „Berliner Zeitung“ recherchieren schon seit Monaten zu diesem Unternehmen und seinem Firmennetz.

Das Ergebnis ist eine Grafik, fast so groß wie eine Bürowand. Union Berlin hat sich offenbar einen Investor ins Haus geholt, der schwer zu durchschauende Immobiliengeschäfte macht – die in vielen Fällen bis nach Zypern reichen.

Aroundtown ist damit ein gutes Beispiel für jene Unternehmen, um die in Deutschland eine scharfe Debatte wegen teuren Wohnraums und Enteignungen entbrannt ist: verschachtelte Konstrukte, bei denen die Öffentlichkeit nicht mehr erkennen kann, wem die gekauften Immobilien am Ende wirklich persönlich gehören.

„In Zypern gibt es ein Register, und da stehen Anwaltskanzleien drin und nicht die eigentlichen wirtschaftlich Berechtigten der Immobilien“, sagt Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit. „Die verstecken sich hinter Treuhandverträgen.“

Von Verstecken will man bei Aroundtown nichts wissen. Vermutlich auch deshalb hat der Konzern Mitte 2018 den Mann an Bord geholt, der das Aushängeschild für Transparenz in der Deutschland AG sein wollte: Topmanager Gerhard Cromme. Der Vater des Corporate-Governance-Kodexes für gute Unternehmensführung leitet den Aroundtown-Beirat. Ein Interview lehnen er wie auch die Vorstandsetage aber ab.

Nur schriftliche Stellungnahmen

Nach einem Hintergrundgespräch gibt es ausführliche Antworten nur auf unsere schriftlichen Fragen. Handelsblatt und „Berliner Zeitung“ hatten mitgeteilt, über Zypern und Steuersparmodelle reden zu wollen – und das Transparenzverständnis des Konzerns.

Der betont, als börsennotiertes Unternehmen „höchsten Transparenzanforderungen und Veröffentlichungspflichten“ zu unterliegen und „vollständig transparent gegenüber der Öffentlichkeit, den Aktionären und den zuständigen Finanzbehörden“ zu sein.

Im selben Schreiben heißt es aber zugleich: Man sei „erfreut, mitteilen zu können“, dass man „beabsichtige“, die zypriotischen Strukturen zu vereinfachen – da „der wirtschaftlich Berechtigte einer dortigen Gesellschaft für die Öffentlichkeit nicht direkt aus der Gesellschafterliste sichtbar ist“.

Der Konzern ist rasant schnell zum viertgrößten börsennotierten Gewerbeimmobilienunternehmen in Europa aufgestiegen. Sein Vermögen liegt bei 19 Milliarden Euro. 10,6 Milliarden Euro davon stecken in Gebäuden in Deutschland.

Über seine Anteile an dem ebenfalls im MDax gelisteten Luxemburger Unternehmen Grand City Properties verdient Aroundtown zudem an Wohnungen. Insgesamt hat Grand City rund 85.000 Einheiten im Portfolio. Kopf des Imperiums ist Gründer Yakir Gabay, ein Israeli, der laut „Forbes“ 3,6 Milliarden Dollar schwer ist. Er scheint zu wissen, wie man mit Gebäuden Geld macht: günstig kaufen, Mieten kassieren, Mieten steigern, später einen Teil gewinnbringend veräußern.

Das Geld für solche Deals sammele man bei institutionellen Anlegern ein, heißt es bei den Unternehmen. Und man reinvestiere mehrere Hundert Millionen Euro wieder in die Gebäude. Ein Branchenkenner formuliert den letzten Teil so: „Sie machen Geld mit der Ware Immobilie, ohne dass die Immobilie selbst im Vordergrund steht.“

Tatsächlich zeigen die Recherchen: Die Ware Immobilie ist gut verborgen, in Gesellschaften, deren Eigentumsverhältnisse der Öffentlichkeit häufig nicht zugänglich sind. Christoph Trautvetter: „Das Besondere an Grand City und Aroundtown ist, dass Hauptanteilseigner der Immobiliengesellschaften Firmen auf Zypern sind.“ Allein am deutschen Firmensitz beider Unternehmen in Berlin residieren gut 400 GmbHs, in denen Immobilien stecken. Individuelle Firmenschilder finden sich vor Ort nicht.

Welche Immobilien konkret in welche GmbH eingebracht wurden, ist kaum zu dechiffrieren. Die meisten der GmbHs tragen Fantasienamen. Eine „unbedeutende und eine rein technische Angelegenheit“, heißt es dazu bei Aroundtown.

Auf Zypern endet die Recherche stets bei drei Anwaltskanzleien in Nikosia. Sie halten und verwalten die meisten zypriotischen Limiteds, auf die die Anteile der GmbHs übertragen wurden. Laut Aroundtown und Grand City ist dieses Modell „branchenüblich“, die Kanzleien seien lediglich „Nominee Shareholder“ – Statthalter für die Konzerne selbst.

Das kann man glauben – nachprüfbar über für jedermann zugängliche Quellen, etwa das Handelsregister, ist das nicht. Auch nicht vor Ort. Die Limiteds selbst sind zu einem großen Teil in Larnaca gemeldet, im „Scanner Avenue Tower“.

Dort aber finden sich weder Hinweise auf die Gesellschaften noch auf Aroundtown. Auch nicht auf Gabays Privatfirma Avisco, obwohl sie dort residieren soll. Das einzige bekannte Klingelschild ist das von Grand City. Fragt man die Konzerne und Kanzleien, etwa die KK Law Group, betonen sie, alle nationalen und internationalen Regeln einzuhalten.

Eine der drei Kanzleien lässt sich von Deutschland aus allerdings nicht einmal ausfindig machen. Im Internet findet man weder eine Website noch eine E-Mail-Adresse. Die Unternehmen versichern derweil, stets der wirtschaftlich Berechtigte hinter den deutschen GmbHs zu sein. Nachprüfen kann die Öffentlichkeit aber auch das nicht – selbst über das seit Ende 2017 existierende deutsche Transparenzregister nicht.

 Insel mit schlechtem Ruf

Dort sind zwar die wahren Eigentümer deutscher Gesellschaften einzutragen, mit Namen, Geburtsdatum und Wohnort. Vor wenigen Tagen hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zudem angekündigt, es für jedermann zugänglich zu machen. Im Fall vieler GmbHs, die angeblich Aroundtown und Grand City gehören, steht darin aber – nichts.

Den Konzernen kommt nämlich zugute, dass ihre Anteile so gestreut sind, dass sie rein rechtlich keiner natürlichen Person gehören. Aber nur diese sind einzutragen. Das zu ändern sei Sache der Politik, heißt es bei den Unternehmen. Sie selbst würden es  durchaus begrüßen, wenn ein allgemein zugängliches Transparenzregister geschaffen würde, in das sie sich als wirtschaftlich berechtigte Unternehmen eintragen lassen können. Man „beabsichtige“ zudem, „in Zukunft“ die Nominee Shareholder auf Zypern durch die wahren Gesellschafter zu ersetzen.

Noch sind das Behauptungen. Denn von sich aus haben die Unternehmen bisher nichts unternommen. Die Zypern-Strukturen existieren seit über 10 Jahren. Der Linken-Abgeordnete Fabio De Masi sagt: „Zypern ist ein Schattenfinanzplatz“, der gerne dazu benutze werde, „die Identität von Eigentümern zu verschleiern“. Im Register der Insel, die etwa 860.000 Einwohner zählt, gibt es rund 300.000 Kleingesellschaften.

Aroundtown und Grand City betonen dagegen, Zypern sei ein seriöser Finanzplatz, streng reguliert. Die eigene zypriotische Struktur sei schlicht „historisch“ begründet, da die Insel „das bevorzugte Tor nach Europa für israelische Investoren“ sei.

Gabay habe Aroundtown deshalb auf Zypern gegründet. Allerdings hat der Konzern selbst die Insel 2017 Richtung Luxemburg verlassen – offenbar aus Imagegründen, wie Vize-CEO Wallis einst zugab. „Für viele Investoren ist die Holdingstruktur auf Zypern ein rotes Tuch.“

Ein klares Bekenntnis zur Insel klingt anders – zumal beide Konzerne Wert auf die Feststellung legen, dass „die Mittel für unsere Immobilieninvestitionen nicht über Zypern geleitet“ werden. Fehlende Transparenz ist es aber nicht allein, was Politiker und Bürger den großen Immobilienkonzernen vorhalten.

Aroundtown und Grand City nutzen bei 50 Prozent aller Immobiliendeals den in der Branche üblichen, aber umstrittenen „Share Deal“. Bei dem juristisch legitimierten Vorgehen erwirbt der Käufer nicht das Gebäude selbst, sondern lediglich Anteile an einer Firma, der das Gebäude gehört – etwa einer GmbH. Als Gesellschafter der Immobiliengesellschaften kommen dabei in vielen Fällen die zypriotischen Limiteds zum Einsatz.

Nach Schätzungen des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer gehen den Ländern auf diese Weise mindestens eine Milliarde Euro im Jahr verloren. Bundesfinanzminister Scholz will den Share Deal deshalb nun gesetzlich eindämmen.

Wie hoch die Ersparnis bei Aroundtown und Grand City durch Share Deals ist? Auch in diesem Punkt bleiben die Unternehmen eher undurchsichtig. „Es mag in Einzelfällen zu einer Steuerersparnis kommen“, heißt es. Aber „im Ergebnis einer Durchschnitts-Gesamtbetrachtung“ habe man keinen „relevanten“ Steuervorteil.

Ob solche Sätze die Union-Anhänger überzeugen? Viele Fan-Tweets klingen skeptisch, so wie der von Sebastian S: Union, findet er, habe „wohl eher einen Imageschaden an Laden gezogen.“

Dieser Artikel wurde am 10.7.2019 aktualisiert.

Mehr: Die Debatten um zu wenige Wohnungen und mögliche Enteignungen von Immobilienkonzernen reißen nicht ab. Fünf Maßnahmen, um mehr Wohnraum zu schaffen.

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