Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Immobilienkosten Entlastung für Immobilienkäufer – Regierung prüft Reform der Kaufnebenkosten

Bei einem Immobilienkauf sind Kaufnebenkosten in Deutschland ein regelrechter Preistreiber. Die Regierung will das offenbar ändern.
Update: 14.08.2018 - 14:56 Uhr 7 Kommentare
Eine der großen Hürden beim Immobilienkauf sind in Deutschland die exorbitant hohen Nebenkosten. Quelle: dpa
Immobilienkauf

Eine der großen Hürden beim Immobilienkauf sind in Deutschland die exorbitant hohen Nebenkosten.

(Foto: dpa)

Berlin Immobilienkäufer in Deutschland können auf eine Entlastung bei den hohen Kaufnebenkosten hoffen. „Wir prüfen aktuell, ob sich das Bestellerprinzip auch auf Immobilienverkäufe übertragen lässt“, sagte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) der Deutschen Presse-Agentur.

Das bedeutet, dass derjenige die Maklerkosten zu tragen hat, der den Makler beauftragt hat. Dies wurde bereits bei der Vermittlung von Mietwohnungen eingeführt. „Die Einführung dieses Bestellerprinzips war ein wichtiger Schritt, um Mieter spürbar zu entlasten“, sagte Barley.

Gerade junge Familien in Großstädten können sich immer seltener Mietwohnungen oder Häuser leisten und prüfen daher einen Immobilienkauf im Umland. Maklerkosten und die zu zahlende Grunderwerbssteuer fressen häufig einen Großteil des angesparten Eigenkapitals auf, zumal die Nebenkosten bei steigenden Immobilienkosten mitsteigen.

Die Maklergebühr schwankt in Deutschland zwischen 7,14 bis 5,95 Prozent des Kaufpreises. In Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen und Brandenburg zahlt der Käufer die Provision komplett, in den anderen Bundesländern wird sie in der Regel geteilt zwischen dem Käufer und Verkäufer.

Ein Beispiel: Kostet eine Immobilie in Berlin 400.000 Euro, fallen allein 28.560 Euro an Maklerprovision für die Käufer an sowie 24.000 Euro Grunderwerbssteuer plus Notarkosten – Kosten, für die man sich auch mehrere Autos kaufen könnte.

Der CDU-Wirtschaftsrat hat zurückhaltend auf den Vorstoß von Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) reagiert, Immobilienkäufer von Maklerkosten zu befreien. „Die Länder sind mit den seit Jahren betriebenen Erhöhungen der Grunderwerbsteuer die Haupttreiber der Nebenkosten beim Erwerb einer Immobilie“, sagte der Generalsekretär des Unternehmerverbands, Wolfgang Steiger, dem Handelsblatt.

„Jetzt eine Schuldzuweisung in Richtung der Makler zu betreiben geht am Kern der Probleme vorbei, nämlich den durch die Politik seit Jahren nach oben getriebenen Nebenkosten sowie auch der Baukosten selbst.“

Der Wirtschaftsrat fordert vor diesem Hintergrund eine Reform der Grunderwerbsteuer. So sollen etwa Grundstücke, die zum Zwecke der Wohnbebauung erworben werden von der Grunderwerbsteuer ausgenommen werden – „sowohl für private Endnutzer als auch für professionelle Entwickler“, heißt es in einem Positionspapier des Verbands, das dem Handelsblatt vorliegt.

Zudem plädiert der Wirtschaftsrat für die „Einführung eines Stufentarifs, der sich am Wert der Immobilie bemisst und in jedem Falle einen Freibetrag für die Selbstnutzung einräumt“.

Zuletzt hatten die Grünen im Bundestag den Antrag gestellt, das Bestellerprinzip auch auf den Immobilienerwerb auszuweiten. In den meisten Bundesländern liege die Maklergebühr weit über dem europäischen Durchschnitt, schreiben die Grünen in dem Antrag für den Bundestag.

Die Bundesregierung fahre einen „Makler-Kuschelkurs“, kritisierte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. „Maklergebühren müssen von denjenigen gezahlt werden, die eine Immobilie verkaufen, und nicht von den Käufern.“

„Man kommt nirgendwo noch günstig an Immobilien“ – Darum wird Wohnen in Kleinstädten teurer

Der Handelsblatt Expertencall
  • dne
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Immobilienkosten - Entlastung für Immobilienkäufer – Regierung prüft Reform der Kaufnebenkosten

7 Kommentare zu "Immobilienkosten: Entlastung für Immobilienkäufer – Regierung prüft Reform der Kaufnebenkosten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Durch die Regelung bei der Vermietung, dass derjenige, der den Makler beauftragt, auch die Kosten hierfür zu tragen hat, ist es auf dem Vermietungsmarkt zu einer durchaus spürbaren Entlastung für die Mieter gekommen: Ich war in München ca. 1 Jahr lang auf Miet-Wohnungssuche und konnte gut feststellen, dass, sobald Vermieter die Maklerprovision selbst zahlen muss, sich sehr gut überlegen, ob ein Makler eingeschaltet wird oder nicht. Solange für diese Kosten der Mieter gerade stehen musste, hat sich fast jeder Vermieter einen Makler geleistet, frei nach dem Motto – kostet mich ja eh nichts -. Sollte ein Mieter, um an eine Wohnung zu kommen, sich dazu bereit erklären die Maklerprovision „unter der Hand“ zu tragen, ist er rechtlich so abgesichert, dass er sie vom Vermieter später wieder zurück fordern kann. Das wissen die Vermieter sehr wohl. Daher gibt es keinen seriösen Vermieter, der sich auf so etwas einlässt.
    Das Prinzip, wer beauftragt, zahlt auch, entspricht im Grunde unserem Wirtschaftssystem.
    Im Gegensatz zu einigen Kommentaren hier, denke ich, dass eine dahingehende Regelung, dass derjenige, der den Makler beauftragt, auch für die Zah-lung der Gebühr gerade stehen muss, dahin führen wird, dass man sich sehr wohl überlegt, ob man nicht selbst einen Käufer sucht – was letztlich doch zu einer spürbaren finanziellen Entlastung für den Käufer führen wird und langfristig auch zu einer Senkung des überhitzten Immobilienmarktes beitragen kann. Denn wenn man als Käufer zum Kaufpreis auch noch die Maklercour-tage (und die Grunderwerbsteuer) rechnet, wird man beim Weiterverkauf die einst gezahlten Kosten auch wieder herausschlagen wollen. Und der nächste Käufer macht das ebenso… Das führt unweigerlich zu einer Preistreiber-Sprirale. Und letztendlich wird die Regelung, dass die Makler ihre Gebühr vom Auftraggeber verlangen müssen, auch dazu führen, dass die Makler sehr wohl bereit sein werden, über die Höhe ihrer Gebühren zu verhandeln.

  • Soviel zum Thema Rechtssicherheit. Sie haben gerade eine Wohung mit Maklercourtage erworben. Und nun beschließt der Staat, dass Sie beim Verkauf auch wieder blechen können. Ich verstehe diese populisische Logik einfach nicht, die von Medien auch noch übernommen wird: "Entlastung für Immobilienkäufer". Warum schreiben Sie nicht "Belastung für Immobilienverkäufer"? Oder: "Umverteilung der Lasten bei Immobilientransaktionen". Für jeden Käufer gibt es auch einen Verkäufer. Aus irgendeinem Grund sind 50% schützenswürdig, und die anderen nicht. Teilung der Maklercourtage ist die einzig sinnvolle Lösung.

  • Ich schließe mich der Meinung von Herrn Cabel voll und ganz an. Auch hier in Berlin (wo der Käufer die offen gelegten Maklergebühren übernimmt) wird es dann so kommen, dass diese im Kaufpreis versteckt sein werden. Gut für die Staatseinnahmen (Grunderwerbsteuer). Nicht zu vergessen. Die Maklercourtage über 7,14 % beinhaltet 19% Mwst, die ja auch ans Finanzamt abgeführt werden...also nicht in Maklers Tasche bleiben. Sind also auch nur noch 6 %, genau so hoch wie die Grunderwerbsteuer. Wobei beim Makler aber noch die Arbeit und die Kosten dahinter stecken.
    Es wird bei Einführung des "Bestellerprinzips" für den Verkauf also weider noch mehr in die Staatskasse gewirtschaftet. Gewollt? Bezahlbaren Wohnraum wird es aber trotzdem nicht geben, wenn nicht an anderer Stelle etwas geändert wird

  • Die Maklerkosten sollten transparent vom Kaeufer gezahlt werden. Zahlt sie der Verkaeufer
    schlaegt er diese auf den Kaufpreis und damit erhoeht sich dann automatisch die
    Grunderwerbssteuer und die Grundsteuer. Der Kaeufer hat durchaus die Moeglichkeit
    ueber Hoehe der Maklerkosten zu verhandeln, und wahrscheinlich kommt bald auch der
    "Low-Cost-Makler". Eine Maklergebuehr von 5 % plus MWSt macht bei einem Objekt von
    500.000 eine Gebuehr von € 25.000 + MWSt - das steht in keinem Verhaeltnis zum
    Aufwand des Maklers. Und wenn der Staat bezahlbaren Wohnraum schaffen will, sollte
    er die Grunderwerbssteuer ganz abschaffen. Das wuerde auch eine groessere Dynamik
    fuer Wohnungswechsel bringen.

  • Absolut richtig, Herr Cabel. Habe von Städten, wie München beispielsweise gehört, dass die Maklerkosten halt anders verpackt an die Interessenten einer Mietwohnung verkauft werden. Und auch wenn das im Graubereich liegt...bei der hohen Nachfrage gibt es immer einen, der es halt zahlt um die Wohnung zu bekommen. Das wird wohl auch beim Kauf so sein. Wirken würde hier nur eine gesetzliche Deckelung der maximal möglichen Maklerprovisionen. Wenn ein Makler eben nur 6 Prozent verlangen darf, dann habe ich den gewünschten Effekt. Die Frage ist dann aber, ob dieser Eingriff in den Markt analog Portogebühren etc. gerechtfertigt ist und ob es wieder einer Stelle bedarf, die das überwacht und Mio an Verwaltungskosten verschlingt.
    In Sachen Grunderwerbsteuer verdient der Staat kräftig mit. Das ist ebenfalls richtig. Und diese Position ist ja meist ebenso hoch, wie der Makler. Will dann die Politik auch hier etwas nachlassen? Fair wäre es

  • Ich denke, das nicht nur die Maklerkosten geprüft werden müssen, sondern vor allem die Grunderwerbssteuer. Der Staat tut hier fast nichts und kassiert für das noch üppige 5%-6,5%.
    Dann muss man noch für jede Eintragung ins Grundbuch sowie die Baugenehmigung mit überzogenen Gebühren bezahlen.
    Hier sind Kosten ohne realen Wert; das sind die Preistreiber; genau wie die immer höheren Anforderungen für Bauen, Wärmedämmung, Abnahmen, Genehmigungen usw..
    Beim Makler erhält man wenigstens noch eine gewisse Vermittlungsleistung(welche ich auch ungern bezahlt habe)- hier wäre ein Stunden Honorar angemessener, vor allem da derzeit den Maklern jede Wohnung aus den Händen gerissen wird.

  • Absurde, unehrliche Symbolpolitik die nicht einen einzigen Quadratmeter mehr an dem dringend benötigtem BEZAHLBAREN Wohnraum schafft. Das sog. „Bestsellerprinzip“ ist reine Augenwischerei und funktioniert in der Praxis nicht, bzw. nur zum Nachteil derer, die es eigentlich schützen soll, die Mietern oder hier bei dieser Vision die Käufer! Wie schon die Vermieter werden nun auch die Verkäufer diese Vertriebskosten der Maklerhonorare in die Nettopreise einpreisen. Das Haus oder die Eigentumswohnung kostet dann eben nicht mehr € 423.000 sondern €450.000. Das hat zur Folge, dass dann auch die vom Käufer an den Staat zu zahlenden Grunderwerbsteuer (€ 27.000 statt € 26.100), die Umschreibungsgebühren, die Notargebühren und die monatliche Darlehensrate entsprechend ansteigen. Beabsichtigt unsere Regierung mit diesem Makler-Bashing nur die Banken zu protegieren und Einnahmen die Grunderwerbsteuer zu erhöhen weil eine direkt Steuererhöhung nicht durchsetzbar wäre?
    Maklerhonorare sind Vertriebskosten. Und wie bei jedem Liter Milch, bei jedem Kilowatt Strom oder bei jeder anderen Ware oder Dienstleistung trägt immer der Endkunde solche Vertriebskosten. Anders als z. B. bei den im Endverbaucherpreis versteckt Vertriebskosten des Einzelhandels werden beim Immobilienkauf diese Vertriebskosten der Maklercourtage für den Käufer TRANSPARENT als Summe erkennbar ausgewiesen, damit für diesen Betrag eben kein zusätzliche Grunderwerbsteuer, keine zusätzlichen Gerichtsgebühren und keine zusätzlichen Notarkosten anfallen. Maklerhonorare sind also in dem Sinne keine Zusatzkosten!
    Und ausserdem, in den Bundeländern , in denen traditionell schon immer der Verkäufer - vermeindlich - den Makler zahlt, haben sich da die Immobilienpreise verringert? Nein ! Sie sind im gleichen Maße gestiegen wie in den Bundeländern in denen das Maklerhonorar für den Käufer transparent ausgewiesen wird.