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Immobilienmarkt Berlin will Immobilienspekulation bekämpfen – mit Kaufbeschränkungen für Ausländer

Die Immobilienpreise und Mieten in Berlin steigen seit Jahren rasant. Berlins Bürgermeister erwägt, ausländische Investoren vom Wohnungsmarkt auszuschließen.
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Private Käufer aus dem Ausland kaufen in der deutschen Hauptstadt vor allem Luxuswohnungen. Quelle: Ziegert
Projekt „Upside Berlin“

Private Käufer aus dem Ausland kaufen in der deutschen Hauptstadt vor allem Luxuswohnungen.

(Foto: Ziegert)

Berlin, Erfurt Kaum eine Stadt steht so für den Immobilienboom wie Berlin. Eine Eigentumswohnung kostet in der Hauptstadt heute doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren, die Mieten haben ähnlich kräftig zugelegt. Diesen Aufwärtstrend will die rot-rot-grüne Regierung Berlins stoppen: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) will laut einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nicht nur dem Bund dessen Berliner Grundstücke abkaufen, um dort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Er erwägt auch, Ausländer vom Wohneigentumskauf auszuschließen. Wer am Immobilienmarkt spekuliere, habe nur eine höchstmögliche Rendite im Kopf und keinen Sinn für das Gemeinwohl. „Das ist besonders bei internationalen Großinvestoren und Fonds zu beobachten“, sagte Müller dem Handelsblatt.

Daten des Immobiliendienstleisters JLL zeigen: Bei den Verkäufen ab zehn Wohneinheiten standen internationale Investoren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres für 60 Prozent der Transaktionssumme. 2014 waren es 22 Prozent. Aufgrund zurückgehender Verkaufszahlen verzerrten einzelne Transaktionen das Bild, geben die JLL-Experten zu bedenken.

Zahlen zu Einzeltransaktionen am Wohnungsmarkt gibt es nicht. Marktexperten schätzen den Anteil ausländischer Käufer auf rund zehn Prozent. Zudem erwerbe diese Gruppe vor allem hochpreisige Wohnungen, was kaum Einfluss auf den Durchschnittsmarkt habe. Der Berliner Mietspiegel liegt bei rund 6,50 Euro pro Quadratmeter. Bei Neuvermietungen wurden 2017 laut vdp Research allerdings 10,50 Euro fällig.

Vorbild für Müllers Vorstoß ist Neuseeland. Das Parlament hat dort vor zwei Wochen beschlossen, dass Ausländer wegen der rasant gestiegenen Preise keine Wohnimmobilen aus dem Bestand mehr kaufen dürfen. Grundstücke können sie weiterhin erwerben und auch neue Häuser bauen.

In der Immobilienbranche stößt das Gedankenspiel des Berliner Bürgermeisters auf Unverständnis. „Das Problem der Wohnungsknappheit wird damit nicht gelöst, nur ein Symptom bekämpft“, sagt Reiner Braun, Vorstand des Immobilienanalyseunternehmens Empirica. Christoph Gröner, Vorsitzender des Projektentwicklers CG Gruppe, nennt die Idee eine „Bankrotterklärung“ Berlins an den Markt. Sassan Hilgendorf, geschäftsführender Gesellschafter des Maklerhauses von Poll, kritisiert die Idee als Diskriminierung einer Käufergruppe und als einer „internationalen Stadt wie Berlin unwürdig“.

Die Ziegert-Gruppe aus Berlin gilt als ein Beispiel von Wohnungsverkäufern mit einem großen internationalen Publikum. Sie wehrt sich gegen den Eindruck, dass ausländische Investoren den Mietmarkt anheizen: „Rund 51 Prozent unserer ausländischen Kunden sind Privatnutzer“, sagt Sven Henkes, Geschäftsführer von Ziegert Bank- und Immobilienconsulting. Der Rest trage zur Entschärfung des angespannten Wohnungsmarktes der Stadt bei, da sie ihre Wohnungen in den Mietmarkt überführen.

Auch der Bau- und Wohnrechtsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Chris Kühn, wendet ein, dass Kaufbeschränkungen die Probleme auf dem deutschen Immobilienmarkt nicht lösen. Momentan wäre eine Kaufbeschränkung nur als Sanktion gegen ein bestimmtes Land möglich. Diese Regelung könne aber durch Strohmänner wieder umgangen werden. Auch der Sitz eines Fonds sage nichts über die Herkunft des eigentlichen Kapitals aus. „Wir wissen nicht, wie viele deutsche Anleger mit welcher Summe mit Immobilienfonds spekulieren.“ Fest stehe aber, dass Investoren zunehmend den stabilen deutschen Immobilienmarkt als Anlage entdeckt hätten, gerade auch in Zeiten der niedrigen Zinsen.

Am besten ließen sich die steigenden Preise mit mehr neuem Wohnraum bekämpfen, sagen die Experten. Zuletzt ist die Zahl der Baufertigstellungen zwar auf 15.700 Wohnungen gestiegen – vier Jahre zuvor war es weniger als die Hälfte dessen. Doch selbst die nun deutlich höheren Zahlen reichten nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen.

Gebraucht würden nach Brauns Einschätzung aber 25 000. Projektentwickler Gröner glaubt, dass es noch genügend freie Flächen in der Hauptstadt gibt, um die Bautätigkeit auszuweiten. Er hält seinerseits einen unorthodoxen Vorschlag parat: Ein Teil des ehemaligen Tempelhofer Flughafens könnte bebaut werden, mit bis zu 50 000 Wohnungen. Das, so Gröner, würde den Grundstücksspekulanten die Basis entziehen.

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