Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Immobilienmarkt Die Wohnungssuche wird in Bangkok zum Luxus

Nach einem Bauboom stehen in Thailands Hauptstadt viele Wohnungen leer. Das bringt Mieter in der aufstrebenden Stadt in eine komfortable Situation.
Kommentieren
Die thailändische Hauptstadt punktet auch mit einem leichten Zugang zum Hoch- und U-Bahn-Netz. Quelle: Reuters
In Bangkok wird gebaut

Die thailändische Hauptstadt punktet auch mit einem leichten Zugang zum Hoch- und U-Bahn-Netz.

(Foto: Reuters)

BangkokKurz vor sechs Uhr, wenn über Bangkok gerade die Sonne aufgeht, fischt einer der Angestellten Blätter und Blüten aus dem großen, lang gestreckten Pool, die der Wind über Nacht von den Bäumen geweht hat. Ein paar Augenblicke später wird das hausinterne Fitnessstudio öffnen. Von den Laufbändern bietet sich die beste Sicht auf den roten Morgenhimmel. Die Beschreibung gilt nicht etwa einer Hotelanlage, sondern einem ganz normalen Wohnturm in Bangkok. Hier wohne ich.

Seit sieben Jahren lebe ich in der thailändischen Hauptstadt, seit fast vier Jahren in meiner aktuellen Wohnung. Die Annehmlichkeiten, die ich hier habe, sind für mich noch immer Luxus. Dass ich sie mir hier leisten kann, liegt an einem Privileg, in dem viel Ungerechtigkeit steckt: Ausländer, die in Thailand für westliche Unternehmen arbeiten, verdienen für lokale Verhältnisse überdurchschnittlich gut.

Im Inland ist die Lohnentwicklung hingegen schwach. Für Bangkoks Mittelschicht ist ein großer Teil der neuen Bauprojekte unerschwinglich geworden. Der Immobilienmarkt in Bangkok spiegelt Thailands große Ungleichheit gut wider: In der Zehn-Millionen-Einwohner-Metropole gibt es Einbettzimmer für weniger als 50 Euro im Monat genauso wie 275-Quadratmeter-Lofts für das 150-Fache.

Meine Zweizimmerwohnung ist nicht gerade groß – zumindest im Vergleich zu vielen Apartments, in denen befreundete Diplomaten und Kollegen leben. Die Stromrechnung eines Bekannten ist fast so hoch wie meine gesamte Miete, weil es richtig teuer ist, Wohnungen, die oft über eine gesamte Etage reichen, durchgehend zu klimatisieren.

Hintergrund der Expat-Paläste sind in der Regel großzügige Sonderzahlungen für die Unterkunft, die in den Verträgen vieler entsandter Arbeitnehmer enthalten sind. Das sorgt unter anderem dafür, dass es am Luxusmarkt in Bangkok nach oben kaum Grenzen gibt. Unabhängig vom individuellen Budget ist der Wohnungsmarkt sehr mieterfreundlich.

Grafik

Seit meinem Einzug 2015 gab es keine Mieterhöhung. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist mein Vermieter – ein thailändischer Banker, der die Immobilie als Altersvorsorge gekauft hat – sehr freundlich. Wenn etwas kaputt ist, schickt er meist seinen Vater vorbei. Zum anderen ist die Inflationsrate in Thailand mit knapp einem Prozent sehr niedrig. Daher verspüren Vermieter von dieser Seite wenig Druck, die Mieten zu erhöhen. Die Mieten dürften aber auch bei den Mietern Bangkoks relativ stabil bleiben, die weniger Glück mit ihren Wohnungseigentümern haben.

Guter Markt für Mieter

Hinzu kommt: Das Angebot an Wohnungen ist viel größer als die Nachfrage, was Wohnungssuchende in eine sehr komfortable Situation bringt. Die größte Schwierigkeit ist, sich in der großen Auswahl an guten Wohnungen zurechtzufinden.
Käufer und Mieter haben fast überall die freie Auswahl.

Auch in meinem Wohnkomplex sind viele Wohnungen frei. Verträge können mitunter sehr spontan abgeschlossen werden: Einzug schon drei Tage nach der Besichtigung? Kein Problem. Da hilft auch, dass es in Bangkok üblich ist, dass Wohnungen komplett möbliert vermietet werden. Für meine letzten Wohnungswechsel in der Stadt habe ich deshalb keine Umzugswagen benötigt – ein Taxi reichte völlig aus.

Die großen Immobilienentwickler der Stadt bauten in den vergangenen Jahren extrem viele neue Wohnprojekte, haben jetzt aber massive Probleme, sie loszuwerden. Eine der führenden Immobilienfirmen, AP, meldete im März, Wohnungen im Wert von umgerechnet 140 Millionen Euro nicht verkauft zu haben. Immobilienmakler schätzen, dass thailandweit mehr als 450.000 Wohneinheiten derzeit unverkauft sind – der Großteil davon dürfte sich in Bangkok befinden.

Das Angebot wächst trotzdem weiter: Laut einem Bericht des Beratungsunternehmens Knight Frank kamen im vergangenen Jahr 65.000 neue Eigentumswohnungen in der Hauptstadt auf den Markt. Die Immobilienentwickler machten in der Vergangenheit vor allem mit ausländischen Käufern gute Geschäfte: Rund ein Drittel der Wohnungen ging an sie. Investoren aus China hatten an der Gruppe mit Abstand den größten Anteil.

Wegen einer Abschwächung der Konjunktur in China und einer strengeren Aufsicht bei Kapitalausfuhren fürchtet die Branche, dass auf die zahlungskräftigen Käufer womöglich nicht mehr lange Verlass ist. Auch die zuletzt starke Landeswährung Baht schreckt ausländische Käufer ab. Die Devisenkurse bekomme ich deutlich zu spüren: Ich werde in Euro bezahlt, begleiche meine Rechnungen aber in Baht. Selbst bei gleichbleibenden lokalen Preisen ist für mich heute alles um 25 Prozent teurer als noch vor fünf Jahren.

Wichtige Standortfaktoren

Meine Wohnung liegt im südöstlich gelegenen Stadtteil Phra Khanong. Die ehemals dörfliche Gegend ist seit knapp fünf Jahrzehnten Teil von Bangkok. Was einst eine Vorstadt war, ist heute eine begehrte, erweiterte Zentrumslage. Beliebt ist hier ein Streetfood-Nachtmarkt. An den Ständen gibt es neben thailändischem auch vietnamesisches, französisches oder mexikanisches Essen – und sogar deutsches Weizenbier.

Der wichtigste Standortfaktor ist in Bangkok aber ein leichter Zugang zum Hoch- und U-Bahn-Netz. Die Straßen sind in den Stoßzeiten morgens und abends so voll, dass man mit dem Auto selbst für fünf Kilometer schon eine Stunde braucht. Die Bahnen sind dann zwar meistens völlig überfüllt, aber auch der einzige Weg, einigermaßen schnell zu einer Verabredung zu kommen.

Glücklicherweise bleibt mir der morgendliche Pendlerwahnsinn oft erspart. Wenn ich nicht gerade auf Recherchereisen irgendwo zwischen Indien und den Philippinen unterwegs bin, arbeite ich meist von zu Hause – besser gesagt: in einem Coworking-Space, der in meinem Wohnhaus integriert ist. Es gibt mehrere Arbeitstische, Sofas und Sitzecken – die Einrichtung würde auch in eine Kaffeehauskette passen.

Man trifft hier freiberufliche Softwareentwickler genauso wie Studenten, die gerade an ihrer Abschlussarbeit schreiben. Lange Zeit kamen regelmäßig auch zwei Schweizer, die mit ihrem Start-up das Geschäft mit öffentlichen Toiletten in Asien revolutionieren wollen. Sie scheinen damit in der Zwischenzeit sehr erfolgreich geworden zu sein: Ihre Website zeigt bereits Standorte in mehreren Teilen Thailands und auch in Vietnam.

Zu der Gemeinschaftsfläche in meinem Haus gehört auch ein Garten mit Sitzgelegenheiten neben einem kleinen Teich. Mein Lieblingsplatz ist allerdings die Dachterrasse im 27. Stock – vor allem am späten Freitagnachmittag für ein Feierabendbier zum Sonnenuntergang. Am Horizont sieht man von hier den Fluss Chao Phraya, der sich in weiten Bögen durch die Stadt schlängelt.

Service inklusive

Die vielen Gemeinschaftsbereiche in dem Gebäude, das insgesamt 31 Stockwerke hat, sind alle immer makellos sauber. Die Bewohner sind dafür in der Regel nicht verantwortlich. So etwas wie die schwäbische Kehrwoche, bei der im Wechsel jeder einmal mit anpackt, wäre in Bangkoks modernen Wohnhochhäusern undenkbar.

Die sogenannten Condos funktionieren wie kleine Unternehmen mit diversen Angestellten. Es gibt ein Team von Reinigungskräften, das den ganzen Tag durch das Gebäude patrouilliert, Flure wischt oder Fingerabdrücke von Spiegeln entfernt. Gärtner gießen den Rasen und schneiden die Bäume zurecht. In der Lobby findet sich das Büro der Gebäudeverwaltung, die Pakete annimmt, das Geld für die Wasserrechnung eintreibt und Feste zu thailändischen Feiertagen organisiert.

Ein kleines Häuschen neben den Zufahrtsschranken ist rund um die Uhr mit Wachleuten besetzt. Dabei geht es aber weniger um Sicherheit – Wohnungseinbrüche sind in Bangkok kein großes Thema –, sondern eher darum, darauf zu achten, dass niemand unerlaubt das Parkhaus nutzt.

Die vielen Services werden über eine Gebühr finanziert, die Eigentümer je nach Wohnungsgröße entrichten müssen. In manchen Gebäuden ist sie sehr niedrig. Diesen Anlagen ist es aber meist anzusehen, dass sich niemand richtig um sie kümmert. In meinem Condo ist die Gebühr relativ hoch. Allein für Personal und Instandhaltung zahlt man hier knapp anderthalb Monatsmieten. Die Kosten dafür trägt aber nicht der Vermieter. Sie sind bereits in meiner Miete inbegriffen.

Ich zahle umgerechnet 13,60 Euro pro Quadratmeter. Damit liege ich wohl ungefähr auf dem Niveau, das auch in Deutschland fällig werden würde. Ich habe aber den Eindruck, dass ich hier mehr für mein Geld bekomme als in einer rheinländischen Altbauwohnung. Einen sehr belastenden Nachteil hat das Leben hier allerdings: In manchen Monaten kann der Smog sehr gravierend sein.

Ich vermisse auch die Vielzahl an Parks wie in deutschen Städten. Ich jogge gerne im Freien, aber es ist hier nicht leicht, eine Route zu finden, auf der man nicht andauernd dem Verkehr ausweichen muss. Trotzdem lebe ich gerne in dieser Stadt und in meinem Viertel. Besonders schätze ich die Orte, die noch nicht von Einkaufszentren oder Fast-Food-Ketten verdrängt wurden: der Markt, auf dem ich morgens meine Mangos kaufe, der Stand mit den besten frittierten Bananen der Stadt und der Nudelsuppenladen, in der mich die Besitzerin inzwischen so gut kennt, dass sie schon weiß, was ich essen will, bevor ich den Mund aufmache.

Mehr: In Brüssel gibt es mehr Wohnungen als Interessenten. Trotzdem sind die Mieten hoch – und aus den Verträgen kommt man nicht so einfach raus.

Startseite

Mehr zu: Immobilienmarkt - Die Wohnungssuche wird in Bangkok zum Luxus

0 Kommentare zu "Immobilienmarkt: Die Wohnungssuche wird in Bangkok zum Luxus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote