Immobilienmarkt In Düsseldorf ist Bauen das Gebot der Stunde

Stadt und Wirtschaft entwickeln rasant Flächen, um Fachkräfte und Unternehmen zu bedienen. Für Investoren kann auch der soziale Wohnungsbau lukrativ sein.
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Bis 2020 entstehen zwei Wohntürme (Vordergrund). Quelle: Frankonia
Projektskizze Medienhafen

Bis 2020 entstehen zwei Wohntürme (Vordergrund).

(Foto: Frankonia)

DüsseldorfEs ist eine Nachricht mit Symbolcharakter: Die alte Horten-Zentrale im Düsseldorfer Westen wird abgerissen und weicht dem Wohnungsbau. Nahe dem Albertussee entstehen nun 700 moderne Wohnungen auf 66.000 Quadratmeter Fläche. Der Projektentwickler Pandion zahlt 56 Millionen Euro an die Alteigentümerin Metro Properties, das Investitionsvolumen beträgt 200 Millionen Euro.

Ein Deal mit Ausrufezeichen, der Ende September bekannt wurde. Denn lange gab es Streit über das Projekt. Vertreter der Stadt mahnten, die Infrastruktur für ein solches Vorhaben fehle. Doch nun drücken alle Beteiligten aufs Tempo. „Jetzt wird gemeinsam mit der Landeshauptstadt Düsseldorf und den politischen Entscheidungsträgern die Bebauung vorangetrieben“, sagt Jean-Christophe Bretxa, Geschäftsführer von Metro Properties.

Ob es um Wohnen geht wie am Albertussee oder um Büros: In Düsseldorf schaffen Stadt und Wirtschaft gemeinsam Raum für Immobilienprojekte. Schwungvoll werden neue Flächen für den Wohnungsbau freigegeben – selbst im Medienhafen, der bisher Firmen vorbehalten war. Zwei Türme von je 60 Meter Höhe sollen 168 Einheiten schaffen. Die kleinste misst 29 Quadratmeter, Kaufpreise beginnen bei 310.000 Euro.

Deckel auf Mieten

Doch es geht nicht nur um Toplagen: Um mehr Wohnraum auch für Menschen mit mittlerem Einkommen zu schaffen, hat die Stadt das „Handlungskonzept Wohnen“ aufgelegt. Es sieht vor, dass Investoren bei 40 Prozent ihrer Neubauten auf städtischem Grund Abstriche bei der Miete machen müssen. Der Mietzins dieser Wohnungen ist gedeckelt, damit städtisches Wohnen bezahlbar bleibt.

Immerhin 2.000 neue Wohnungen sind in Düsseldorf auch mithilfe des Handlungskonzepts Wohnen in den vergangenen beiden Jahren entstanden. Zeitgleich wurden jeweils über 3.000 Baugenehmigungen ausgesprochen. So könnte die Stadt ihr Ziel von 3.000 neuen Wohnungen im Jahr in naher Zukunft erreichen.

Auch der soziale Wohnungsbau kann lukrativ sein für institutionelle Investoren. Das belegt eine aktuelle Untersuchung des Immobiliendienstleisters Jones Lang Lasalle (JLL). „Investitionen in den sozialen Wohnungsbau sind insbesondere für sehr langfristig orientierte Anleger mit Blick auf stabile und stetige Einnahmen bei gleichzeitig geringem Leerstandsrisiko interessant“, sagt Konstantin Kortmann, Wohnbauexperte bei JLL.

Die Gründe: Zum einen sind sozial geförderte Wohnungen fast ständig vermietet. Das schmälert das Risiko eines Mietausfalls. Zum anderen locken kommunale Förderungen wie vergünstigte Darlehen.

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JLL rechnet mit einer Rendite im geförderten Wohnbau zwischen 2,7 und vier Prozent. Sie könnte zum Beispiel im Stadtteil Derendorf erzielt werden, wo auf dem Gelände eines ehemaligen Gefängnisses auf 33.000 Quadratmetern geförderte Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen.

Dringender Bedarf besteht auch an Büroflächen. Laut JLL wurden zwar in der ersten Jahreshälfte schon 55.000 Quadratmeter Büroflächen fertig, was den Fünfjahresschnitt deutlich übertrifft. Doch der Großteil ist bereits vermietet. Die Leerstandsquote sank im ersten Halbjahr 2018 im Stadtgebiet auf 7,7 Prozent.

Noch weniger Platz ist nach Zahlen des Immobiliendienstleisters Savills in der Innenstadt („City Business District“). Dort sind nur drei Prozent der Büroflächen ungenutzt. „Die Ansiedlung einer großen Firma etwa mit einem Bedarf von 30.000 Quadratmetern in der Innenstadt ist derzeit nicht möglich“, sagt Sebastian Renke, Büromarktexperte bei Savills. „Dafür bedarf es vonseiten der Bürger und der Stadt grundsätzlich einer größeren Akzeptanz gegenüber Hochhäusern.“

Deloitte wächst raus

Zu eng ist es auch Deloitte geworden. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft wird im Jahr 2021 vom Düsseldorfer Standort Golzheim, der an die nördliche Innenstadt grenzt, ein wenig weiter raus nach Derendorf ziehen. Dort entsteht der Heinrich-Campus mit rund 40.000 Quadratmeter Bürofläche. 35.000 sicherte sich Deloitte im Mai noch vor Baubeginn.

Doch auch in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt tut sich etwas: Auf sieben Geschossen entstehen im Projekt „Fürst & Friedrich“ im Viertel Friedrichstadt moderne Büros und Coworking-Spaces. Dort, wo früher die West-LB-Zentrale stand. Ein Drittel der 15.000 Quadratmeter ist bereits vermietet. Im nächsten Jahr können die Mieter einziehen.

JLL taxiert in dieser Lage Spitzenmieten von 19,50 Euro. „Auch angesichts der Preise suchen viele Unternehmen abseits der Innenstadt“, sagt Savills-Experte Renke. Dort gebe es ebenfalls Top-Flächen. Ein Beispiel: der Standort Seestern. JLL gibt die Spitzenmiete hier mit 13,50 pro Quadratmeter an – nur die Hälfte dessen, was in der Innenstadt („City Business District“) aufgerufen wird.

Wer noch am Seestern unterkommen will, sollte sich sputen. Nach Savills-Angaben sinkt der Leerstand in dem linksrheinischen Gebiet um 15 bis 20 Prozent im Jahr. Auch Wohnen soll hier bald möglich sein. Im Juni lobten Stadt und ein Investor einen Architektenwettbewerb für die Gestaltung des Quartiers aus. Die Entwürfe wurden schon Ende September vorgestellt.

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