Blick auf Sirmione am Gardasee

Urlaubsorte werden zum Schauplatz von Betrügereien mit Wohnungen.

(Foto: Frieder Blickle/laif)

Internetkriminalität So schützen sich Ferienhausmieter vor dreisten Betrügern

Die Miete ist schon bezahlt. Aber am Urlaubsort stellt die Familie fest, dass das Ferienhaus nie gebaut wurde. So weit muss es nicht kommen.
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DüsseldorfWieder einmal haben Familien ihr Geld für die schönsten Wochen des Jahres verloren. Sie gingen Betrügern auf den Leim, die Mietanzahlungen für Ferienwohnungen am Gardasee kassierten, die es dort nicht gab. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat nun in diesem Fall gegen einen Niederländer Anklage „wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betruges zum Nachteil von 225 Geschädigten“ erhoben.

Knapp 370.000 Euro kassierten der Beschuldigte und drei Komplizen im ersten Halbjahr 2017. Angeworben hatten sie ihre Kunden über ein zu diesem Zweck erstelltes Onlineportal. „Mehrere Mieter stellten erst bei Ankunft am Gardasee fest, dass für sie keine Ferienunterkunft zur Verfügung stand“, berichtet die Erste Staatsanwältin Isa Böhmer.

Seit einigen Jahren steige das Angebot fiktiver Ferienhäuser oder -wohnungen im Internet rasant an, beobachten Verbraucherzentrale und Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz. Konkrete Zahlen werden nicht erhoben. Um nicht auf unseriöse Internetseiten hereinzufallen, empfiehlt Fewo-direkt, eine Vermittlungsplattform für Ferienimmobilien, auf die Internetadresse zu achten.

Sie sollte mit „https“ beginnen und nicht nur mit „http“. Das „s“ stehe für „sicher“, was zumindest bedeute, dass die Daten verschlüsselt werden. Das „s“ in der Adresse ist allerdings keine Garantie dafür, dass der Anbieter der Website seriös ist. Auch das „s“ könne gefälscht sein, warnt Fewo-direkt. Auf gesicherten Seiten erscheint ein Schlosssymbol. Wenn man es anklickt, erscheint ein Name, der mit dem in der Adresszeile übereinstimmen muss.

Doch Ferienwohnungsbetrüger können sich auch bei seriösen Portalen einschleichen. Deshalb warnt Christian Gollner, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale: „Ob die Anzeige für eine Ferienwohnung unseriös oder betrügerisch ist, das ist auf den ersten Blick meist nicht zu erkennen.“ Zumal Pauschalreiseveranstalter berichten, dass Betrüger einfach Bilder anderer Ferienhäuser kopierten und damit Kunden in die Falle lockten.

Doch es gibt Indizien, die auf unseriöse Angebote hinweisen, etwa die gewählte Zahlungsart. „Lehnen Sie Angebote zur Barzahlung oder zur Zahlung via Geldtransferdienst daher immer ab“, appelliert Aye Helsig, Zentraleuropachef von Fewo-direkt, an die Kunden. Solche Bargeldtransfers werden etwa über Western Union oder Money Gram abgewickelt. Der Bargeldtransfer ermögliche es Betrügern, unerkannt zu bleiben.

Wer dagegen per Lastschrift oder Kreditkarte zahle, habe die Möglichkeit, sich das Geld zurückzuholen, sagt Verbraucherschützer Gollner, und er rät außerdem davon ab, die komplette Miete sofort zu überweisen.

Eine gute Möglichkeit, Betrüger zu entlarven, sei auch der Anruf beim Vermieter oder bei der Vermittlungsagentur, weiß Gollner. Erreicht der Mieter immer nur den Anrufbeantworter oder hört er bei jedem Anruf das Besetztzeichen, rät der Verbraucherschützer, die Finger von dem Angebot zu lassen.

Ein weiteres Indiz für einen Betrugsversuch sei oftmals eine sehr niedrige Miete, so die Mainzer Verbraucherschützer. Ein Vergleich mit ähnlichen Angeboten in der Region gebe Aufschluss, ob die jeweilige Offerte ins Preisgefüge passe.

Verdächtig sind außerdem Lücken in den Kontaktdaten, etwa wenn nur eine E-Mail-Adresse angegeben ist und die Adresse der Ferienimmobilie fehlt. Wird die Adresse der Immobilie genannt, kann man im Internet etwa über Google Earth prüfen, ob am angegebenen Ort tatsächlich ein Ferienhaus oder eine Apartmentanlage steht.

Vorteil Pauschalreise

Ein einfacher Weg, Betrügern aus dem Weg zu gehen, ist zurzeit noch die Buchung der Ferienwohnung über einen Veranstalter von Pauschalreisen. Diese Reiseunternehmen unterliegen dem deutschen Reisevertragsrecht. Sie dürfen erst Geld von Kunden annehmen, wenn sie einen Reisesicherungsschein übergeben haben. Dieser Schein bestätigt, dass ein Versicherer den Reisepreis zurückzahlt oder gegebenenfalls die Heimreise sicherstellt, falls der Reiseveranstalter zahlungsunfähig oder insolvent wird.

Das Reisevertragsrecht schützt auch besser, wenn es Ärger wegen des Zustands der Wohnung gibt, etwa weil sie verschmutzt ist. Dann kann Schadensersatz geltend gemacht werden.

Von Luxusvilla bis Mini-Apartment – Warum Ferienhäuser immer teurer werden

Doch offiziell ist die Vorlage eines Sicherungsscheins für eine Ferienhausbuchung als Einzelleistung bei Pauschalreiseveranstaltern nur noch in diesem Monat Pflicht. Leider habe der Gesetzgeber mit der Umsetzung der neuen Pauschalreise-Richtlinie zum 1. Juli 2018 Ferienhäuser aus der Pauschalreise herausgenommen, erläutert Torsten Kröger, Leiter der Rechtsabteilung in der Tui-Gruppe. Tui plane – auch ohne dazu verpflichtet zu sein –, den Kunden weiter Sicherungsscheine auszuhändigen. Kröger deutet an, dass Konkurrenten sich ebenso verhalten werden.

Vermittlungsportale vergeben in der Regel keine Sicherungsscheine – nur unter ganz bestimmten Umständen: So gibt etwa Tui Ferienwohnungskontingente an Vermittlungsportale. Wer dann eine Tui-Wohnung über ein solches Portal mietet, bekommt von Tui einen Sicherungsschein.

Wird eine Ferienunterkunft in Verbindung mit weiteren Reiseleistungen, etwa Flug- oder Bahntransfer, gebucht, wird daraus eine Pauschalreise. Für solche Pauschalreisen bleibt der Sicherungsschein auch nach dem 1. Juli Pflicht.

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