Kaufen, Bauen und Mieten Das deutsche Immobilien-Paradox

In den Metropolen klagen die Menschen über Wohnungsnot, weil zu wenig gebaut wird. Auf dem Land entstehen dagegen zu viele Immobilien. Das liegt an einer falschen Politik. Was das für Mieter und Bauherren bedeutet.
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In Deutschland wir gebaut, aber nicht immer nach Bedarf. Quelle: Getty Images

In Deutschland wir gebaut, aber nicht immer nach Bedarf.

(Foto: Getty Images)

In Deutschland wird der Wohnraum knapp – und zwar dort, wo er am meisten benötigt wird. Jedes Jahr werden hierzulande rund 20.000 Wohnungen zu wenig gebaut. Doch während in Berlin am Ende des Jahrzehnts 55.000 Wohnungen fehlen werden, wird in manchen Landgemeinden der Leerstand steigen. Schuld daran ist nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) eine falsche Wohnungspolitik. „Kommunen auf dem Land versuchen durch neue, günstige Bauflächen mehr Unternehmen und Einwohner zu gewinnen“, analysiert die Studie.

Die nach wie vor niedrigen Zinsen unterstützen diesen Prozess und sorgen dafür, dass dort zu viel gebaut wird. „Zugleich zieht es immer mehr Menschen – egal ob Studenten, Zuwanderer oder jüngere Senioren - in die Großstädte, wo Bauland knapp ist“, heißt es in der IW-Studie, die neben den kreisfreien Städten alle 402 Landkreise analysiert hat. Allein die Zuwanderung kalkuliert das IW netto, also nach Berücksichtigung der Menschen, die Deutschland verlassen, mit 900.000 im vergangenen und diesem Jahr.

In den Großstädten wird zu wenig gebaut. Von den 245.000 Wohnungen, die im vergangenen Jahr in Deutschland errichtet wurden, seien nur 66.000 in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern entstanden, untermauert das IW seine These mit Zahlen.

Für Berlin und München, wo die Lücken am größten sind, bedeutet dies, dass bis zum Jahr 2020 über die zu erwartenden Fertigstellungen hinaus jährlich rund 10.900 beziehungsweise 6750 Wohneinheiten zusätzlich entstehen müssten, um den Bedarf zu decken. In beiden Städten wird demnach nur etwa halb so viel gebaut wie nötig.

Längst vorbei sind auch die Zeiten, in denen die neuen Bundesländer über die gesamte Fläche Einwohner verloren haben. Inzwischen sind Dresden und Leipzig wachsende Großstädte, denen Wohnungen fehlen. Dresden müsse jährlich 1500 zusätzliche Wohnungen schaffen. Leipzig, wo viele Jahre der Wohnungsleerstand hoch war, braucht jedes Jahr knapp 380 neue Wohnungen und damit in etwa so viel wie die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf.

In Summe müssten in Großstädten jährlich rund 100.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Und insgesamt sollten es bis zum Jahr 2020 jährlich 266.000 sein. Zum Vergleich: 2014 wurden 54 Prozent mehr Wohnungen bezugsfertig als 2010.

Wohnraum nur für Gutverdiener
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14 Kommentare zu "Kaufen, Bauen und Mieten: Das deutsche Immobilien-Paradox"

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  • Ich habe ein Wohnmobil, heute da morgen dort, Freiheit für den kleinen Geldbeutel.

  • Tut mir Leid für solche geleistete Lebnszeit, aber nach knapp 4 Sätzen hatte ich keine Lust mehr weiter zu lesen.

  • Deinen Kommentar habe ich nicht ganz gelesen, nach Zeile drei war Schluß, viel zu lang.

  • Unsere Politiker wollen das mit 21 qm Zellen lösen.

    In jeder Stadt gibt es Gebiete die verslamt sind.
    Anstatt Gelder zu geben, einfach mal in den Gebieten die neu Besiedelt werden soll Grunderwerbssteuer auf 0 senken, in Luxusgebieten auf 10% rauf. In sanierungsgebieten, keine Grundsteuer für Eigennutzer zusage 25 Jahre keine Umlagen durch die Gemeinde für Straßensanierung.

    Dazu, die auflagen auf ein Sinvolles maß reduzieren.
    Sicherheit muß Sein, kein Problem aber
    1000€ ausgeben müssen um die Heitzkosten im Jahr um 20€ zu senken
    ist einfach nur Förderprogramm für Hersteller und Handwerker.

    Wenn ich also in einem Gebiet das herruntergekommen ist wieder hochheben will, dann brauche ich da keine Spekulanten, sondern Leute die dort selber wohnen wollen. Das kann ich fördern, in dem ich den Menschen die selber Eigentumswohnungen bewohnen wollen so anlocken.
    6% Grundsteuer gespart macht es für die Leute günstiger
    Keine Umlagen sichert die Finanzplanung
    Eine von der Gemeinde organiesierte Eigentümergemeinschaft, die nach der Fertiegstellung dann ohne diese weiterarbeitet.
    Kostengünstig, Einfach und schnell zu regeln.
    dazu von anfang an Busverbindungen im 10 min Takt.

    Und auf einmal ist genung Platz da, und die Miet/Kaufkosten werden auch für normalverdiener machbar. Hier muß man einfach mal nachrechnen,
    was kann sich ein Normal verdiener zum Mieten/kaufen leisten.

  • was ist an der politik der gemeinden falsch - wie in der headline angenommen - ein schrumpfen durch ausweisung von baugebieten zu verzögern/verhindern ? wäre die alternative, dem wegzug tatenlos zuzusehen ? natürlich nicht!

    btw : es geht gar nicht um beliebte städte, sondern dort um angesagte kieze. wer will schon nach (leipzig-)grünau oder (hamburg-)wilhelmsburg

  • Der eine hat Zeit zum Schreiben, der andere zum Lesen ;-)

  • @ binmal weg

    Ich gönnen es Ihnen von Herzen, daß Sie in der glücklichen Lage sind, sich München leisten zu können.
    Ich wäre es auch, aber es ist es mir einfach nicht wert: das urbane Leben haben wir weder in Stuttgart noch in München als so überaus angenehm empfunden...
    So hat eben jeder seine eigene Wertvorstellung. Mit Familie ist mir ist Ruhe, Natur und Sicherheit inzwischen wichtiger als Party, Wies´n und überfüllte Biergärten etc., wobei wir diese "Annehmlichkeiten" eben selektiv auch geniessen. Jedem das seine...

    Aber im Artikel war ja dargestellt, daß alle Bevölkerungsschichten vom Studenten bis zum Rentner in die Ballungsräume ziehen wollen. Und es können sich eben nicht alle ca. 1,4 Mio. Münchner leisten...

  • Deshalb hat der martin auch so viel Zeit um solche langen Kommentare schreiben zu können,was soll man da auch sonst machen

  • Vermutlich gibt es den günstigsten Wohnraum (und wie in Mecklenburg-Vorpommern inmitten wunderschöner Natur) im Osten der Republik.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette


  • Noch mehr bauen?

    Es wird eh schon zu voll. In München werden in guten Stadtteilen wunderschöne Häuser aus den Sechzigern und Siebzigern abgerissen um Platz zu machen für irgendwelche riesigen und hässlichen Appartement-Trumms, die dann eine Super-Miete einbringen. Es entstehen ganz neue Stadtteile, in denen man ganz sicher nicht wohnen möchte. Man ahnt schon die künftige Kriminalitätsrate.

    München verliert ständig an Qualität. Weiterer Zuzug ist schlecht für die Stadt.

    Ein Bau-Stopp wäre optimal.

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