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Luxusimmobilien Landhaus statt Penthouse – alte Herrenhäuser ziehen immer mehr Käufer an

Viele Menschen träumen vom Leben auf dem Land. Dort finden sie außergewöhnliche Immobilien mit bemerkenswerter Geschichte.
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1,2 Millionen Euro kostet die Gutsanlage Blücherhof an der Mecklenburgischen Seenplatte. Quelle: Leben im Gutshaus / Manfred Achtenhagen
Luxus auf dem Land

1,2 Millionen Euro kostet die Gutsanlage Blücherhof an der Mecklenburgischen Seenplatte.

(Foto: Leben im Gutshaus / Manfred Achtenhagen)

BerlinMan wird ja wohl noch träumen dürfen. Zum Beispiel davon, in einem mittelalterlichen Schloss zu residieren, umgeben von einem weitläufigen Park. Ein großzügiger Wohnbereich wäre natürlich schön, mehrere Schlafzimmer von Vorteil, und ein altes Tonnengewölbe, das sich als Weinkeller nutzen ließe, wäre auch nicht schlecht. Und wenn das Schloss in puncto Komfort auf dem Stand des 21. Jahrhunderts wäre, blieben keine Wünsche offen.

Alles nur ein Traum? Keineswegs. Ein solches Schloss ist nämlich – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – tatsächlich zu erwerben. In Alverdissen, einer Gemeinde zwischen Hannover und Bielefeld, bietet die Maklerfirma von Poll Immobilien derzeit den auf das späte 14. Jahrhundert zurückgehenden Stammsitz des Fürstenhauses zu Schaumburg-Lippe zum Kauf an. Rund 1,9 Millionen Euro möchte der Verkäufer für das geschichtsträchtige, aber im Inneren modern ausgestattete Bauwerk mit seinen 600 Quadratmeter Wohnfläche haben.

Hoffen darf er dabei auf reges Interesse. Denn auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung luxuriöse Penthouses und exklusive Hochhausapartments in den Großstädten als Inbegriff des gehobenen Wohnens gelten, so zieht es doch viele Menschen – gerade solche mit hohen Ansprüchen – in die Provinz.

Dabei scheint der Trend konträr: Schon heute leben drei Viertel der Deutschen in Städten. Die allermeisten Fachleute gehen von einer zunehmenden Urbanisierung aus. Lebenswunsch und -wirklichkeit klaffen jedoch auseinander: Nach einer Umfrage der Bundesstiftung Baukultur würden 44 Prozent der Deutschen am liebsten in einer Landgemeinde wohnen, 33 Prozent in einer Klein- oder Mittelstadt und nur 21 Prozent in einer Großstadt.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die vor Kurzem veröffentlichte „Wohntraumstudie“ des Baugeldvermittlers Interhyp. Demnach träumen 60 Prozent der Befragten vom frei stehenden Einfamilienhaus, während nur 17 Prozent am liebsten im Mehrfamilienhaus wohnen würden.

Fragt man nach außergewöhnlichen Immobilien, so hat das städtische Wohnen ebenfalls das Nachsehen: Zwar würden 15 Prozent ausgesprochen gern in einem Penthouse residieren, doch deutlich mehr, nämlich 24 Prozent, träumen davon, ein Landhaus oder einen Bauernhof ihr Eigen zu nennen. Für zehn Prozent wäre ein Leben als Schlossherr oder Gutshausbesitzer die Erfüllung ihres Wohntraums.

„Das Leben auf dem Land bietet Ruhe und die Nähe zur Natur, und die Menschen fühlen sich stärker in die dortige Gemeinschaft eingebunden“, interpretiert Mirjam Mohr, im Vorstand der Interhyp für das Privatkundengeschäft zuständig, die Ergebnisse der Studie. Zudem hätten Menschen außerhalb der Ballungsgebiete meist mehr Platz, und der Wohnraum sei günstiger.

Junge Menschen entdecken das Landleben

Vor allem jüngere Menschen entdecken laut Christoph Freiherr Schenck zu Schweinsberg, der beim Maklerunternehmen Engel & Völkers das Geschäftsfeld „Schlösser und Herrenhäuser“ leitet, die Vorteile des Landlebens. Im Vergleich zu teureren Wohnungen und Häusern böten Landhäuser und Schlösser viel Platz für ihr Geld. „Das Leben auf dem Land erlebt eine wahre Renaissance“, sagt er.

Nach langem Leerstand und unvollendeten Sicherungsarbeiten befindet sich das Gutshaus heute im Zustand eines Rohbaus. Quelle: Leben im Gutshaus / Manfred Achtenhagen
Gutshaus Teschow

Nach langem Leerstand und unvollendeten Sicherungsarbeiten befindet sich das Gutshaus heute im Zustand eines Rohbaus.

(Foto: Leben im Gutshaus / Manfred Achtenhagen)

Viel Platz hat man etwa in einer mittelalterlich anmutenden Burg, die von Poll Immobilien im Umland von Berlin für 2,3 Millionen Euro zum Kauf anbietet. Das zinnenbewehrte Bauwerk wurde in Wahrheit zwar erst 1912 als sommerlicher Landsitz errichtet. Dafür bietet es aber die Nähe zum Schwielowsee und 500 Quadratmeter Wohnfläche mit zeitgemäßem Komfort.

Noch größer ist eine Immobilie, für die der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes Nordrhein-Westfalen einen Käufer sucht: das Schloss Kalkum. Es befindet sich zwar nur zehn Kilometer Luftlinie vom Düsseldorfer Stadtzentrum entfernt, aber doch in einer ländlich anmutenden Umgebung. Und es hat eine bemerkenswerte, über tausend Jahre zurückreichende Geschichte: Das heutige vierflügelige Bauwerk stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert und diente einst als Landsitz der Grafen und Fürsten von Hatzfeldt. Zu dieser Familie gehörte auch Sophie Gräfin von Hatzfeldt, die als Gefährtin des Sozialistenführers Ferdinand Lassalle (1825–1864) eine nicht unwichtige Rolle in der frühen deutschen Arbeiterbewegung spielte.

Seit der letzte Nutzer, das Hauptstaatsarchiv Nordrhein-Westfalen, 2014 ausgezogen ist, steht das Baudenkmal leer. Mit einer Geschossfläche von gut 9.000 Quadratmetern dürfte es allerdings selbst bei hohen Ansprüchen für eine reine Wohnresidenz zu großzügig bemessen sein. „Hier könnte zum Beispiel eine gemischte Nutzung aus Wohnen, Arbeiten und Kultur entstehen“, sagt Noemi David, Leiterin An- und Verkauf beim BLB. Außerdem müssen sich Kaufinteressenten verpflichten, einen Teil des Schlosses sowie den Schlosspark öffentlich zugänglich zu lassen.

Dass es nicht immer einfach ist, für außergewöhnliche Immobilien einen Käufer zu finden, weiß Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter der von Poll Immobilien. „Solche Objekte sind oft ausgesprochene Unikate“, erläutert er. „Die Klientel für solche Domizile ist sehr individuell und naturgemäß klein.

Es dauert daher manchmal etwas länger, bis wir einen Käufer präsentieren können.“ Wenn allerdings der passende Interessent gefunden sei, könne die Transaktion schnell abgeschlossen werden – diese Kunden seien nämlich „sehr entschlossen und bonitätsstark“. Käufer für so außergewöhnliche Immobilien wie das Schloss in Alverdissen oder die Burg am Schwielowsee findet Ritters Team oft im Ausland – beispielsweise im Fernen und Mittleren Osten sowie in Amerika.

Häufig hohe Sanierungskosten

Eine andere Klientel spricht Manfred Achtenhagen an, der als Makler auf ehemalige Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern spezialisiert ist. „Meine Kunden sind oft um die 50 Jahre alt und wollen sich selbst verwirklichen“, berichtet Achtenhagen. „Sie sind fasziniert von Häusern mit einer Geschichte, die sie weiterschreiben können.“ Von solchen Anwesen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern noch immer eine ganze Menge – wobei es sich meist nicht um topsanierte Immobilien, sondern um Gebäude mit erheblichem Investitionsbedarf handelt.

Das gilt zum Beispiel für das Gutshaus Teschow, einen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Bau, 20 Kilometer von der Ostseeküste entfernt. Nach langem Leerstand und unvollendeten Sicherungsarbeiten befindet sich das Gutshaus heute im Zustand eines Rohbaus. Der drei Hektar große Landschaftspark, der zum Anwesen gehört, ist verwildert. Ausgesprochen attraktiv ist hingegen der Preis: Gerade mal 250.000 Euro werden für die rund 1.100 Quadratmeter Geschossfläche inklusive Grundstück aufgerufen.

Immerhin 1,2 Millionen Euro kostet die Gutsanlage Blücherhof an der Mecklenburgischen Seenplatte, die sich laut Exposé besonders „zum Betrieb eines außergewöhnlichen Rückzugsortes mit entsprechenden Eventmöglichkeiten“ eignet. Viele von Achtenhagens Kunden wollen allerdings selbst in ihrem Schmuckstück wohnen, wobei sie oft einige Ferienwohnungen vermieten, um wenigstens einen Teil der laufenden Kosten zu decken.

Denn der günstige Kaufpreis darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf die Eigentümer dieser Objekte hohe Ausgaben zukommen. „Meist passen die Möglichkeiten der Kaufinteressenten und die Bedürfnisse des Hauses nicht zusammen“, konstatiert Makler Achtenhagen, der selbst ein ehemaliges Gutshaus in Ludorf am Westufer der Müritz (Mecklenburgische Seenplatte) zum Hotel umgebaut hat. Zu rechnen ist nach seinen Worten bei einer geplanten Wohnnutzung mit Sanierungskosten von etwa 1.000 bis 1.500 Euro pro Quadratmeter.

Wer diesen Aufwand scheut, findet bei den großen Maklerhäusern auch Anwesen, die sofort bezogen werden können. Für Pferdeenthusiasten bietet sich beispielsweise eine Gutsanlage im Naturpark Schlei (Schleswig-Holstein) an, die ein Grundstück von fünf Hektar einnimmt – inklusive Herrenhaus, Reithalle und Gebäude mit Pferdeboxen. Wer das dörfliche Leben in der Nähe einer Großstadt vorzieht, könnte mit einem 1910 erbauten Vierseithof inklusive Scheune und Stall in der Gemeinde Groß Kreutz, unweit von Berlin, glücklich werden.

Vielleicht lockt das Wohnglück aber auch im Ausland. Engel & Völkers hat derzeit ein Schloss in Flandern im Angebot, das von 1635 bis 1640 der Barockmaler Peter Paul Rubens bewohnte. Das vier Millionen Euro teure „Rubens Kasteel“, 30 Kilometer von Brüssel entfernt, befindet sich in einem acht Hektar großen Park und weist eine Wohnfläche von knapp 900 Quadratmetern auf, verteilt auf 33 Zimmer. Es dürfte also genügend Platz vorhanden sein, um Wohnträume zu erfüllen.

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