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Luxusresidenzen Die Privatwohnung mit Zimmerservice

Der Markt für Luxusresidenzen boomt. Im neuen Four Seasons am Grosvenor Square in London entstehen Apartments mit den Vorzügen einer Luxus-Suite.
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Der Einstiegspreis für eine der 37 Luxuswohnungen beträgt 17,5 Millionen Pfund, rund 20 Millionen Euro. Quelle: Simon Upton
Das Master-Schlafzimmer im Apartment 101 des Gebäudes am Twenty Grosvenor Square

Der Einstiegspreis für eine der 37 Luxuswohnungen beträgt 17,5 Millionen Pfund, rund 20 Millionen Euro.

(Foto: Simon Upton)

LondonVoller Stolz weist Andrew Dunn auf den runden Mosaiktisch mit dem Schriftzug „Commander in Chief“. Der Tisch vor dem Weinkeller erinnert an die illustre Geschichte des Gebäudes am Londoner Grosvenor Square. Im Zweiten Weltkrieg beherbergte es das Hauptquartier von General Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der Alliierten in Europa. Das Steinmosaik war damals in den Boden der Eingangshalle eingelassen.

Heute ist von dem historischen Gebäude nur noch die Fassade übrig. Dahinter hat Dunns Firma Finchatton ein komplett neues Haus gebaut. Acht Stockwerke über der Erde, vier darunter. Es ist die erste alleinstehende Luxusresidenz der Hotelkette Four Seasons. Sie ist nicht direkt an ein Hotel angeschlossen, wird aber von Four-Seasons-Mitarbeitern gemanagt. „Wenn Sie hier einziehen, müssen Sie sich um nichts kümmern“, sagt Dunn.

Der britische Immobilienentwickler hatte das Gebäude 2013 mit einem Investoren-Konsortium für 250 Millionen Pfund gekauft. Unter den Geldgebern ist auch der Staatsfonds von Abu Dhabi. Diesen Sommer soll die Residenz eröffnet werden. Der Einstiegspreis für eine der 37 Luxuswohnungen beträgt 17,5 Millionen Pfund, rund 20 Millionen Euro.

Dafür bekommt man immerhin mehr als 300 Quadratmeter mit vier Schlafzimmern mitten in London – und Zugang zu allen Annehmlichkeiten, die das hotelähnliche Gebäude zu bieten hat. Dazu zählen etwa ein 25 Meter langes Schwimmbad, ein Kino mit einladenden Sofas, das Platz für 18 Gäste bietet, und ein Weinkeller mit abschließbarem Weinklimaschrank für jeden Eigentümer. Sogar eine kleine Kita gibt es, falls das eigene Kindermädchen mal ausfallen sollte.

Wachsender Markt

Ein Restaurant bietet das Gebäude nicht, dafür können die Bewohner sich den Koch in die eigene Bulthaup-Küche bestellen – oder in eins der zahlreichen Sterne-Restaurants in der näheren Umgebung gehen. Die Rezeption in der marmornen Eingangshalle ist rund um die Uhr besetzt. „Unsere Mitarbeiter wissen, wie man einen Lamborghini parkt und wie man jemanden aus dem Pool rettet“, sagt Annabel Shaw, die den Titel Direktorin trägt, wie in einem Hotel. „Und wenn Sie tausend Erdbeeren wollen, besorgen wir Ihnen tausend Erdbeeren.“ Shaw kennt die Bedürfnisse der Superreichen aus langjähriger Erfahrung.

Das Konzept der Luxusresidenz mit Hotel-Service ist nicht neu. Die erste von einer Marke getragene Wohnform gab es laut einem Report des Immobiliendienstleisters Knight Frank schon 1927. Damals kaufte der Unternehmer Louis Sherry den Neubau des Netherland-Hotels auf Manhattan und prägte es fortan mit seinem Namen: das Sherry-Netherland.

Schwung kam aber erst in den 1980er-Jahren in den Markt. Four Seasons eröffnete 1985 seine erste Residenz in Boston, inzwischen ist die Zahl auf rund 50 gestiegen. Auch andere Ketten wie Mandarin Oriental und Aman sind weltweit mit Residenzen vertreten. In London bietet der Wolkenkratzer Shard zehn Luxuswohnungen, inklusive Service vom darunterliegenden Shangri-La-Hotel.

Mit dem wachsenden Wohlstand seit Beginn der 2000er stiegen Nachfrage und Angebot. Allein zwischen 2012 und 2017 wuchs die Zahl der „Ultra-Wohlhabenden“ laut Knight Frank um knapp ein Fünftel. In diese Kategorie fallen Menschen mit einem Vermögen von mehr als 50 Millionen Dollar. Längst sind auch Firmen wie Gucci, Porsche oder Versace in den Markt eingestiegen. Das Konzept funktioniert: Die Superreichen wollen sich offenbar nicht nur mit ihren Lieblingsmarken schmücken, sondern auch in ihnen wohnen.

Boom hält weiter an

Wie viel höher die Kaufpreise gegenüber Wohnungen vergleichbarer Qualität liegen, schwankt je nach Ort und Lage. Wo die Konzepte neu auf den Markt kommen, könnte teils das Doppelte oder mehr verlangt werden, heißt es in dem Knight-Frank-Report. In etablierten Märkten kann es aber auch gar keinen Preisunterschied geben. Beliebt ist die Wohnform vor allem in Asien, wo sich 30 Prozent der von Knight Frank gezählten 400 Angebote befinden. In Europa befinden sich nur sieben Prozent.

Für die Zukunft rechnet der Immobiliendienstleister mit einem „exponentiellen Wachstum“. Allerdings gehen damit auch Risiken einher. Je häufiger neue Residenzen auf den Markt kommen, desto größer ist die Gefahr, dass sie entwertet werden. Marken-Apartments würden heute auch schon auf Vier-Sterne-Niveau angeboten. Galten früher ein großer Pool oder ein Fitnesszentrum in der Anlage als originell, zählen sie heute längst zu den Mindestanforderungen.

Um sich abzuheben, werden die Angebote immer extravaganter. „Heute geht es mehr darum, Erinnerungen und eine emotionale Verbindung zu schaffen“, sagt Chris Graham von der Beratungsfirma Graham Associates. Dazu gehöre etwa, einen Starkoch oder einen Star-Cocktailmixer zu engagieren.

Thomas Zabel, Leiter des Wohnungs-Geschäfts von JLL in Deutschland, glaubt grundsätzlich auch an das Potenzial der Luxuslabel-Wohnungen. Ein Risiko könne aber die Marke selbst darstellen: „Ist die Marke nicht mehr beliebt oder in Skandale verwickelt, bewirkt das einen Wertverlust“, sagt er. Ein Beispiel wäre Donald Trump. Der Wert seiner Luxuswohnungen sei nach seiner Wahl zum Präsidenten gefallen.

Brexit verunsichert Käufer

Die neue Four-Seasons-Residenz in London setzt vor allem auf die Lage. Der Grosvenor Square ist seit dem 18. Jahrhundert eine der edelsten Adressen der Stadt. Früher wohnten hier Aristokraten und Premierminister, heute sind viele Botschaften in der Gegend angesiedelt. Die Boutiquen der New Bond Street sind nur wenige Gehminuten entfernt.

Die Nummer 20 sei „das beste Gebäude am besten Platz in der besten Stadt der Welt“, schwärmt Dunn: „eine Triple-A-Location.“ Die Einrichtung ist von zeitloser Eleganz. Neutrale Grau- und Beige‧töne überwiegen. Herausgekommen ist eine universale Hotelästhetik. Die meisten Kunden seien zufrieden mit dem Angebot, sie hätten auch nichts dagegen, dass die Wohnungen der Nachbarn ähnlich aussähen. Ausgefallene Sonderwünsche höre er selten.

20 Grosvenor Square ist das bisher größte Projekt der kleinen Firma aus Chelsea. Dunn hatte Finchatton 2001 mit seinem Schulfreund Alex Michelin gegründet. Inzwischen haben sie Hunderte Aufträge aus aller Welt ausgeführt. Neben Wohnungen statten sie auch Privatjets und Jachten aus. Über die Identität und die Vorlieben seiner Kunden schweigt Dunn sich aus. Diskretion ist das oberste Gebot im Umgang mit den Superreichen.

Bislang hat Finchatton 65 Prozent der Wohnungen verkauft, darunter alle Penthouses. Der Rest soll in den kommenden 18 Monaten folgen. Es dauere länger als früher, Käufer zu finden, sagt Dunn. Die Brexit-Unsicherheit führe dazu, dass die Leute abwarten. Die Preise will er aber nicht senken. Langfristig bleibe die britische Hauptstadt hochattraktiv.

Mehr: Die internationale Kundschaft für Premium-Immobilien findet Geschmack an Deutschland. Berlin und Frankfurt wiedersetzen sich dadurch einem Trend.

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