Nach Brexit-Votum Auch der größte britische Immobilienfonds schließt

Milliardenschwerere Immobilienfonds in Großbritannien lassen Kunden kein Geld mehr aus den Anlagevehikeln abziehen. Mehrere Gesellschaften sind betroffen. Deutsche Immobilienfonds beruhigen ihre Anleger.
Update: 06.07.2016 - 09:18 Uhr

Pfund rutscht auf tiefsten Stand seit über 30 Jahren - Dax unter Druck

LondonZunächst hatte am Montag die britische Investmentgesellschaft Standard Life Investments den Handel mit Anteilen an einem umgerechnet 3,4 Milliarden Euro schweren Immobilienfonds eingestellt. Grund: Seit dem EU-Referendum in der vorvergangenen Woche sind die Anteilverkäufe in die Höhe geschnellt. 51,9 Prozent der Briten hatten sich für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden, daraufhin war das Pfund von 1,50 Dollar auf 1,31 Dollar gestürzt und Zweifel an den Immobilienbewertungen vor allem in London aufgekommen.

Am Dienstag folgten zwei weitere Vermögensverwalter. Sowohl Aviva als auch M&G Investments schlossen Fonds. Der betroffene M&G Property Portfolio ist mit einem Volumen von umgerechnet 5,2 Milliarden Euro der größte Immobilienfonds des Landes für Privatanleger. Die Tochter des Versicherungskonzerns Prudential begründete den Beschluss damit, dass die Zahl der Kunden, die Anteile abgeben, deutlich angezogen war. Um Notverkäufe aus dem Immobilienbestand zu vermeiden, können Fondsgesellschaften die Verkäufe von Anteilen stoppen. Beim ebenfalls betroffenen „Aviva Investors Property Trust“ sei der Bargeldbestand wegen der „außergewöhnlichen Marktumstände“ stark geschrumpft, so ein Firmensprecher.

Der zunächst geschlossene Fonds „Standard Life UK Real Estate Fund“ investiert beispielsweise in Gewerbeimmobilien in besten Lagen. Der Handel war schon am Montagmittag eingestellt worden. Die Entscheidung über eine mögliche Wiedereröffnung wird bei allen betroffenen Fonds im Abstand von 28 Tagen getroffen. Standard Life hatte bereits in der vergangenen Woche die Vermögenswerte des Fonds um fünf Prozent nach unten korrigiert.

Diese Städte wollen das nächste London sein
Dublin
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Die irische Hauptstadt lockt vor allem mit niedrigen Steuersätzen für Unternehmen. Damit hat Irland bereits große US-Konzerne überzeugt – und zugleich Kritik auf sich gezogen. Der IT-Riese Google zum Beispiel muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er den deutschen Fiskus austrickst.

Dublin
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Um sich dem Zugriff des Staates zu entziehen, verschieben einige Unternehmen über ihre Niederlassungen in Irland Gewinne in andere Steueroasen. Punkten kann Dublin natürlich auch damit, dass Englisch gesprochen wird. Gegen den Standort spricht aber, dass er nicht gerade zentral in der EU liegt und auch nicht gerade viele Banker unbedingt dort hinziehen werden.

Paris
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Der französische Staatschef François Hollande hat gleich Paris als Alternative zu London ins Spiel gebracht – und Banken Hoffnungen auf Steuererleichterungen gemacht. Die Regierung müsse daher „unsere Regeln, darunter die fiskalischen, anpassen, um den Finanzplatz Paris attraktiver zu machen“, sagte Holland. Paris hat als Bankenstadt bereits eine Bedeutung – allein schon, weil die großen französischen Banken dort ihren Hauptsitz haben.

Paris
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Und wenn es um Kultur, Lifestyle und Nachtleben geht, hängt Paris sowieso alle anderen Städte ab. Die Attraktivität Paris‘ ist zugleich ein Manko. Die Stadt ist extrem teuer, die Wege sind weit.

 

Luxemburg
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Dass Luxemburg ein wichtiger Finanzplatz in der EU ist, ist unbestritten. Viele Banken, Fondsgesellschaften und Dienstleister haben dort große Büros. Der Großteil der Fonds, die in Deutschland verkauft werden, wurde nach den Luxemburger Regeln gestartet.

Luxemburg
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Und ähnlich wie Dublin hat auch das Großherzogtum Unternehmen mit geringen Steuersätzen angelockt. Diese Praxis ist aber mehr denn je hochumstritten. Zudem ist die Stadt mit rund 110.000 Einwohnern alles andere als groß. Fraglich wäre, ob dort einfach tausende weiterer Banker hinziehen könnten.

New York
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New York ist das globale Finanzzentrum. Viele Banken aus aller Welt haben ohnehin einen großen Standort dort. Deshalb dürfte in einigen Fällen – wenn es nicht um das Europageschäft geht – naheliegend sein, Jobs von London nach New York zu verlagern. In einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group nannten Topbanker von sich aus New York als beste Alternative zu London.

„Die Gefahr ist, dass dies erst der Anfang ist und wir mehr Immobilienfonds mit ähnlichen Reaktionen in den kommenden Wochen und Monaten sehen werden“, hatte Laith Khalaf, Analyst bei der Investmentfirma Hargreaves Landsdown gesagt – und sollte schon am Dienstag recht bekommen.

Standard Life hatte am Montag mitgeteilt, dass der Fonds wegen der „erhöhten Abflüsse als Folge der Unsicherheit für den britischen Gewerbeimmobilienmarkt“ erfolgt sei. Das Unternehmen sicherte aber weiter eine Ausschüttung zu, die zuletzt 3,86 Prozent jährlich betragen habe. Allerdings hätten Verkäufe gestoppt werden müssen, um Investoren zu schützen. Der Fonds hatte zum Stichtag 31. Mai über 13 Prozent Liquidität verfügt.

In Deutschland werden Erinnerungen an das Jahr 2008 wach, als nach der Pleite der Investmentbank Lehman und dem anschließenden Chaos an den Finanzmärkten mehrere offene Immobilienfonds die Anteilsrücknahme verweigerten und inzwischen abgewickelt werden. Gegenwärtig schwimmen die deutschen offenen Immobilienfonds im Geld und verweigern teilweise sogar die Annahme von neuem Anlegergeld, weil sie nicht wissen, wohin sie die wegen des Zinstiefs anschwellenden Investments der Kunden so schnell stecken sollen.

Stellvertretend für die anderen Fondsgesellschaften Commerz Real, Deka Bank und Union Investment Real Estate (UIRE), sagt Ulrich von Creytz, Geschäftsführer im Fondsmanagement der Deutschen Bank: „Wir haben nach der Brexit-Entscheidung keine erhöhten Anteilsrückgaben und erwarten auch keine.“ Er fürchtet auch keine Auswirkungen auf die Werte der Fondsimmobilien in Großbritannien. Im Deutsche-Bank-Fonds Grundbesitz Europa entfällt und knapp ein Fünftel des Fondsvermögens auf britische Gebäude, im Grundbesitz Global fast ein Zehntel. Die Fondsimmobilien der Deutschen Bank werden in vierteljährlichem Rhythmus bewertet.

Wertverluste von bis zu zehn Prozent
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