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Nach dem Immobilienboom Warum der Preisboom für Londoner Immobilien plötzlich vorüber ist

Erstmals seit der Finanzkrise fallen die Wohnungspreise in London, teils drastisch. Der Hauptgrund: Zuletzt wurde trotz hoher Nachfrage falsch gebaut.
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Besonders die Luxuswohnungen am Südufer der Themse stehen zu großen Teilen leer. Quelle: Getty Images
Dicht bebautes London

Besonders die Luxuswohnungen am Südufer der Themse stehen zu großen Teilen leer.

(Foto: Getty Images)

LondonSchon im Oktober schlug Jon Di-Stefano Alarm. Es sei schwieriger geworden, Objekte mit einem Preis von mehr als 600.000 Pfund (666.000 Euro) zu verkaufen, teilte der Chef des britischen Immobilienentwicklers Telford Homes seinen Aktionären mit.

Dies werde sich auf absehbare Zeit nicht bessern, weil Käufer abwarteten und auf einen weiteren Preisverfall spekulierten.

Im Dezember erhielten die Anleger die nächste Warnung. Der Verkaufsstart im Neubaublock „Gallions Point“ direkt am City-Airport im Osten Londons sei „enttäuschend“ gelaufen, erklärte Di-Stefano. Nur 15 der 127 Einheiten seien verkauft worden.
Der Londoner Wohnungsmarkt durchläuft eine Schwächephase.

Erstmals seit der Finanzkrise sind die Immobilienpreise 2018 wieder gefallen. Laut den jüngsten Zahlen der nationalen Statistikbehörde (ONS) sank der durchschnittliche Verkaufspreis in den zwölf Monaten bis Ende Oktober um 1,7 Prozent. Die durchschnittliche Londoner Immobilie kostet jetzt 473.609 Pfund.

Den Abwärtstrend erkennt auch UBS Evidence Lab, eine Analyseabteilung der Schweizer Großbank. Von rund 100.000 untersuchten Wohnungsinseraten im Internet seien nach dem Erstinserat 39 Prozent reduziert worden. In der Innenstadt, wo die Wohnungen am teuersten sind, fallen die Preise schon länger. Am drastischsten war der Preiseinbruch im historischen Finanzviertel, der City of London. Hier brach der Durchschnittspreis binnen eines Jahres um 13,4 Prozent von 818.000 auf 709.000 Pfund ein.

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Im benachbarten Ostlondoner Stadtteil Tower Hamlets, der seit den Olympischen Spielen 2012 rasant gentrifiziert wird, fielen die Preise um mehr als elf Prozent. Die Krise breitet sich mittlerweile aus. Laut dem Immobilienportal Rightmove sind die geforderten Verkaufspreise in den Londoner Außenbezirken in den vergangenen zwölf Monaten um 3,5 Prozent gefallen. Der saisonbedingte Preisrückgang vor Weihnachten fiel zuletzt stärker aus als gewöhnlich.

Auch die Zahl der Verkäufe ist laut dem Immobilienfachverband Royal Institution for Chartered Surveyors (RICS) stark rückläufig. Ein Grund für die schwächelnde Nachfrage ist der bevorstehende Brexit. Am 29. März wird Großbritannien die EU verlassen. Noch hat das Unterhaus den Ausstiegsvertrag nicht ratifiziert. Es ist unklar, ob es eine Übergangsperiode bis Ende 2020 geben wird oder ob es im März zum chaotischen Brexit über Nacht kommt.

Luxushäuser stehen leer

Für Letzteres hält die Bank of England einen Einbruch der Immobilienpreise von bis zu 30 Prozent für möglich. Kein Wunder also, dass die Käufer vorsichtig sind. „In unserer letzten Umfrage wird deutlich, dass die Unsicherheit rund um den Brexit-Prozess ihre Spuren im Immobilienmarkt hinterlässt“, sagte RICS-Chefvolkswirt Simon Rubinsohn. Nach dem Brexit-Referendum 2016 hatte der Fall des Pfundes zunächst ausländische Investoren angelockt.

Schließlich waren Londoner Immobilien schlagartig 15 Prozent günstiger. Doch inzwischen überwiegen bei vielen die Ängste. Die Zeiten, da ausländische Investoren die Wohnungen schon vor Baubeginn vom Reißbrett wegkauften, sind erst einmal vorbei. Laut der Researchfirma Molior ist die Zahl der fertiggestellten, aber noch unverkauften Neubauten in London dieses Jahr um 50 Prozent gestiegen.

Das Problem ist etwa im Stadtteil Wandsworth zu besichtigen. Kilometerlang erstrecken sich brandneue Glastürme am Südufer der Themse, ganze Siedlungen wachsen hier in die Höhe. Doch die millionenteuren Luxuswohnungen stehen häufig leer – dabei herrscht Wohnungsknappheit in der wachsenden Hauptstadt. In den letzten Jahren wurden nur die falschen Wohnungen gebaut.

Statt erschwinglicher Eigenheime für Familien gibt es nun ein Überangebot an eher kleinen, teuren Anlageobjekten. Immobilienfirmen reagieren unterschiedlich auf die neue Marktlage. Statt an Selbstnutzer will Telford Homes seine Neubauwohnungen verstärkt an institutionelle Investoren verkaufen, die die Objekte dann vermieten können. Der Entwickler Crest Nicholson hat seine Londoner Dependance geschlossen und richtet seine Aktivitäten mehr auf die Regionen außerhalb der Hauptstadt aus.

Der Brexit ist aber nicht der einzige Faktor, der auf den Londoner Markt drückt. Die Saat der aktuellen Schwächephase sei bereits ausgebracht worden, bevor das „B-Wort“ so dominant wurde, sagte Miles Shipside von Rightmove. Durch den Boom der vergangenen Jahre sind die Preise in unerschwingliche Höhen gestiegen. Die Londoner Durchschnittsimmobilie kostet mehr als 13 durchschnittliche Jahreseinkommen. Früher oder später musste es eine Korrektur geben.

Hinzu kommen politische Entscheidungen. Ein Reihenhaus in einem besseren Londoner Vorort kann leicht eine Million Pfund kosten. Ab dieser Schwelle wird der erhöhte Steuersatz fällig, den die Regierung auf besonders teure Objekte eingeführt hat. Das drückt die Zahl der Transaktionen zusätzlich.

Angesichts solider Fundamentaldaten – Zuwanderung, steigende Gehälter, niedrige Arbeitslosigkeit und Leitzinsen – hofft die Immobilienbranche auf ein Happy End: Sollte es keinen chaotischen Brexit geben, dürften die Immobilienpreise schon in diesem Jahr wieder anziehen.

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