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Nach Übernahme Überraschende Wende: Deutsche-Wohnen-Chef will nicht Vonovia-Vorstand werden

Eigentlich sollte Michael Zahn die Nummer zwei im neuen Wohnungskonzern werden. Nun kommt es anders. Aktionärsschützer kritisieren das, Branchenkenner dürften sich bestätigt sehen.
13.12.2021 Update: 21.12.2021 - 11:37 Uhr Kommentieren
Will nicht Vizechef des neuen Vonovia-Vorstands werden. Quelle: Deutsche Wohnen
Michael Zahn

Will nicht Vizechef des neuen Vonovia-Vorstands werden.

Frankfurt Noch im Mai klang es nach Harmonie. „Wir können gemeinsam ein besseres Unternehmen schaffen“, warb Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn damals für den Zusammenschluss mit dem größeren Rivalen Vonovia. „Schon die Arbeit unserer Teams in den Gesprächen war getragen von einer Stimmung, die zeigt: das passt.“

Sieben Monate später hat diese Einigkeit jedoch erste Risse bekommen. Am Montag teilte Vonovia überraschend mit, dass Zahn, der die Deutsche Wohnen seit Ende 2008 geführt hatte, nicht mehr wie geplant als Vizechef in den neuen Vonovia-Vorstand einrücken werde.

Der 58-Jährige habe „sich entschieden, das Angebot des Aufsichtsrats der Vonovia SE, ihn zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden zu bestellen, nicht anzunehmen“, hieß es. In den vergangenen Monaten seit der Entscheidung für den Zusammenschluss sei ihm „bewusst geworden, dass ich nach 14 Jahren als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Wohnen die Integration nicht so unbefangen und sachlich hätte vorantreiben können, wie es meinen eigenen Anforderungen entspricht“, begründete Zahn den Schritt.

Wenige Tage später kündigte er auch seinen Abschied von Deutsche Wohnen an. Er habe den Aufsichtsrat gebeten, seinen Vertrag zum Jahresende aufzulösen, erklärte die Deutsche Wohnen. Nach 14 Jahren als Vorstandschef wisse er das Unternehmen in guten Händen, erklärte Zahn.

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    Der Entschluss, nicht zu Vonovia zu gehen, wirke auf ihn „etwas unglücklich“, kritisierte Marc Tüngler, Jurist und Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Es könne sogar etwas manipulativ wirken, wenn Zahn von Beginn an eigentlich gar nicht in den Vonovia-Vorstand habe einziehen wollen. Die Personalrochade habe dem ganzen Deal „immer ein Geschmäckle gegeben“, meint er. „Das hätte man sich von Anfang an sparen sollen.“

    In der Branche wurde früh bezweifelt, dass das Gespann aus Vonovia-Chef Rolf Buch als Nummer eins bei dem neuen Immobilienriesen und Zahn als Nummer zwei auf Dauer funktionieren würde. Im Laufe der Übernahme – die den Dax-Konzern zu Europas größtem Immobilienunternehmen mit mehr als 568.000 Wohnungen und einem Portfoliowert von rund 95 Milliarden Euro machte – hatte sich mehr als einmal gezeigt, wie unterschiedlich die beiden Manager denken und arbeiten. Dass Zahn sich mit der Rolle als Vize zufriedengeben würde, galt deswegen als fraglich.

    Kein Mann der leisen Töne

    Im Gegensatz zum meist diplomatisch auftretenden Vonovia-Chef Buch ist Zahn nicht eben als jemand bekannt, der immer die leisen Töne trifft. Offensichtlich wurde das auch vor fünf Jahren, als Vonovia zum ersten Mal versucht hatte, die Deutsche Wohnen zu schlucken, und dabei am Widerstand der Deutsche-Wohnen-Aktionäre und von Vorstandschef Zahn gescheitert war.

    Bei dem letzten – und nun erfolgreichen – Übernahmedeal hatte Vonovia-Chef Buch aber seinen ehemaligen Rivalen überzeugen können. Gemeinsam warben die beiden Manager dann für den Deal und spielten sich in Interviews betont freundschaftlich die Bälle zu.

    Buch bedauerte in einer Stellungnahme die Entscheidung Zahns, nicht in den Vonovia-Vorstand wechseln zu wollen. Quelle: dpa
    Rolf Buch (l.), Michael Zahn

    Buch bedauerte in einer Stellungnahme die Entscheidung Zahns, nicht in den Vonovia-Vorstand wechseln zu wollen.

    (Foto: dpa)

    „Michael“ und „Rolf“ hatten die Schlagkraft eines größeren Konzerns gelobt und verkündet, dass man eine klare Aufgabenverteilung für die Leitung des Immobilienkonzerns gefunden habe, die den jeweiligen Stärken entspreche und beiden zusage: Vonovia-Chef Buch sollte im Wesentlichen für politische Themen zuständig sein, Deutsche-Wohnen-Boss Zahn als sein Stellvertreter im neuen Konzern für die Portfoliostrategie.

    Eine Aufteilung, die tatsächlich sinnvoll schien – schließlich ist unschwer zu erkennen, wie gut sich Zahn in der Immobilienwelt auskennt. Mit Begeisterung und leuchtenden Augen stapft der gebürtige Schwabe auf Baustellen herum und greift nur allzu gern beim Richtfest für die Fotografen zur Schaufel.

    Hätte Zahn nicht Volkswirtschaft in Freiburg studiert, wäre er wohl Architekt geworden. So aber begann er seine Karriere in der Gehag Gruppe, einem Wohnungsunternehmen aus Berlin, das von der Deutschen Wohnen übernommen wurde. Dort wurde Zahn 2007 Vorstandsmitglied, im Dezember 2008 zum Vorsitzenden des Vorstands ernannt.

    Seitdem baute er konsequent das Portfolio der Deutschen Wohnen durch Zukäufe aus: Als er Chef wurde, waren 50.000 Wohnungen im Portfolio des Berliner Konzerns, zuletzt waren es rund 155.000.

    Buhmann der Enteignungskampagne

    Doch das Wachstum des Konzerns hatte eine unschöne Begleiterscheinung für den Manager, der sein Privatleben gern aus der Öffentlichkeit heraushält: Zahn wurde zum Buhmann der Kampagne für die Enteignung von Immobilienkonzernen in Berlin.

    Auf unzähligen Protestschildern, mit denen die Unterstützer von Kampagnen wie „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ Stimmung gegen Wohnungskonzerne und Vermieter machten, prangte Zahns Konterfei. Einige Male musste der Manager Polizeischutz anfordern – auch ein Grund, weswegen er wohl nicht allzu traurig sein dürfte, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

    Aus Bochum kamen von Vonovia gleichwohl Worte des Bedauerns. Er wolle sich „persönlich sehr für die konstruktive Zusammenarbeit bedanken“, betonte Vonovia-Chef Buch, „vor seiner Entscheidung, nicht in den Vorstand von Vonovia einzuziehen, habe ich großen Respekt und bedauere sie sehr“.

    Im Gegensatz zu Zahn wird sein Deutsche-Wohnen-Kollege Philip Grosse zum 1. Januar 2022 Mitglied des Vonovia-Vorstands. Dadurch steigt die Zahl der Vorstandsmitglieder bei dem Dax-Konzern von vier auf fünf, denn Arnd Fittkau und Daniel Riedl werden ihre Vorstandsressorts unverändert weiter verantworten. Die bisher für Finanzen zuständige Managerin Helene von Roeder wird die Verantwortung für das neu geschaffene Ressort Digitalisierung und Innovation übernehmen.

    Mehr: Immobilienbankenverband erwartet weiter steigende Wohnungspreise

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