Nachfrage nach Ferienimmobilien an Spaniens Küsten belebt sich langsam wieder Die Deutschen kehren zurück

Die Deutschen zieht es wieder nach Spanien. Zwar ist die heimische Wirtschaft noch nicht über den Berg, sind die Sorgen vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nicht verschwunden, doch der Traum vom eigenen Heim im sonnigen Süden ist stärker als alle Ängste. "Der deutsche Markt tut sich noch schwer", beobachtet Axel Bercht, Geschäftsführer der LBS Immobilien GmbH mit Blick auf Spanien - erstes Immobilienziel der Deutschen. "Aber langsam stellt sich eine Belebung ein." Jetzt sei der richtige Zeitpunkt einzusteigen, vor allem auf Mallorca und an der Costa Blanca, glaubt Kai Richter, Geschäftsführer des Immobilienmaklers Solviva in Düsseldorf: "Billiger wird es nicht."

MADRID. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Marktbeobachter kalkuliert mit weiter anziehenden Preisen - in der Größenordnung zwischen fünf und 15 Prozent. Wer nur auf Rendite setze, könne also weiterhin ein ordentliches Geschäft machen. In Spitzenzeiten waren jährliche Steigerungen von 20 Prozent und mehr erreicht worden. "Wir haben noch immer einen sehr aktiven Markt", berichtet David Scheffler, Immobilienmakler bei Engel & Völkers. Die Vorstellung, die spärliche Nachfrage der Deutschen in den vergangenen drei Jahren könnte die Preise massiv unter Druck gesetzt haben, ist vor allem an der Küste kaum aufgegangen. Dort haben von historisch niedrigen Hypothekenzinsen angestachelte Spanier, finanzstarke Briten und sonnenhungrige Skandinavier die deutsche Zurückhaltung aufgefangen und die Preise nach oben schnellen lassen.

Ausnahmen sind möglich. "Ein Berater, der eng mit Land und Leuten verwurzelt ist, kann seinen Mandanten immer ein Schnäppchen anbieten", behauptet Claus Hackemesser, für Engel & Völkers auf den sechs Kanarischen Inseln unterwegs. Auch in diesen milden Gefilden, wo die Nachfrage nach Ferienimmobilien jährlich um zehn bis zwölf Prozent wächst, kennen die Preise seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Die Preise auf den beiden größten Inseln, Gran Canaria und Teneriffa, haben nach Darstellung Hackemessers mittlerweile das Niveau Mallorcas erreicht. "Aber es gibt Ausweichressourcen wie La Palma", sagt Hackemesser.

Über Mallorca heißt es, die Preise hätten sich auf hohem Niveau eingependelt. Allerdings berichten Makler von Eigentümern, die zwar den Verkaufspreis hoch ansetzen, bei einem konkreten Angebot jedoch deutliche Verhandlungsbereitschaft zeigen. Solviva-Experte Richter sieht vor allem in mittlerer Preislage Spielraum nach unten: "Da gibt es die höchsten Leerstände, da müssen die Preise sinken."

Er glaubt auch, dass die Preise an der Costa del Sol im Süden des Landes nachgeben werden, spätestens dann, wenn das britische Pfund an Wert verliert. "Der Markt dort ist sehr überhitzt." Sollten indes künftig tatsächlich weniger Briten kommen, werden Osteuropäer umso beherzter zugreifen, vermutet ein Immobilienexperte bei der spanischen Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA). Selbst an Küstenstreifen, die bislang noch als Geheimtipp galten, mehrt sich die Zahl der Baukräne. Beispiel: die Costa de la Luz. Die stürmische Atlantikküste in Richtung Portugal war bislang ein Dorado für Windsurfer und Leute, die sich abseits des Massentourismus nach Sonne sehnten. "Dort sind die meisten Grundstücke bereits in Investorenhänden", weiß Immobilienexperte Scheffler.

"Man muss sich sehr kritisch sowohl mit dem Standort als auch mit der Ausstattung der Objekte auseinander setzen", rät deshalb Axel Bercht von LBS Immobilien. Vorsicht ist vor allem bei Bauträgern angebracht: Solviva-Geschäftsführer Richter empfiehlt, vor Unterschrift zu prüfen, ob der Bauträger ausreichend finanziellen Atem hat. Werner Steuber schließlich, Vorsitzender der Deutschen und Schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz, rät Käufern ketzerisch, die Finger ganz von spanischen Immobilien zu lassen: "Man wird nicht gerade betrogen, aber für das, was geboten wird, sind die Preise zu hoch."

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