Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

New Yorker Wolkenkratzer Chrysler Building: Neuanfang für eine 89 Jahre alte Stilikone

Der weltberühmte Wolkenkratzer in New York geht an deutsch-österreichische Besitzer, darunter René Benko. Die Eigentümer wollen die Stilikone wandeln.
Kommentieren
Die Edelstahlbögen machen es zu einem der markantesten Gebäude New Yorks Quelle: Corbis News/Getty Images
Chrysler Building

Die Edelstahlbögen machen es zu einem der markantesten Gebäude New Yorks

(Foto: Corbis News/Getty Images)

New York Aby Rosen hat ein Faible für angesagte Wolkenkratzer: Dem gebürtigen Frankfurter und Chef der New Yorker Immobiliengesellschaft RFR, gehören bereits das historische Seagram Building, das Gramercy Park Hotel und der nagelneue Turm mit Luxusapartments an der 53. Straße, den Star-Architekt Norman Foster gebaut hat. Nun kommt das weltberühmte Chrysler Building dazu. Gemeinsam mit der österreichischen Signa Holding von René Benko kaufte RFR die Art-Déco-Hochhaus-Ikone mit der silberglänzenden Spitze.

Mit dem Kaufpreis von 151 Millionen Dollar haben die europäischen Käufer ein Schnäppchen gemacht. Der bisherige Eigentümer, das Abu Dhabi Investment Council, hatte im Jahr 2008 kurz vor der Finanzkrise noch 800 Millionen Dollar dafür bezahlt. Doch Rosen und Benko müssen nun schaffen, was dem Investmentarm des Emirats nicht gelungen ist: das 89 Jahre alte Gebäude, das teilweise unter Denkmalschutz steht, zu modernisieren und auch finanziell zum Erfolg zu machen.

Der Erfolgsdruck ist hoch

Es wird kein einfaches Projekt. Branchenschätzungen zufolge könnte die Renovierung noch einmal 150 bis 250 Millionen Dollar verschlingen. Zudem lockt eine ganze Reihe von neuen, modernen Bürogebäuden die Mieter in Manhattan. In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht One Vanderbilt, ein 427 Meter hoher Wolkenkratzer. Mit dem Komplex Hudson Yards eröffnet am Freitag eine Mischung aus Büro- und Wohnhochhäusern, Restaurants, Parks und Geschäften, die in den vergangenen Jahren im Westen der Insel entstanden ist. Im Süden lockt das neue World Trade Center mit modernen, lichtdurchfluteten Wolkenkratzern.

„Das Chrysler Building dagegen hat vergleichsweise kleine Fenster, eine alte Lüftungsanlage und wenige Großraumflächen“, gibt Ruth Colp-Harber vom der Immobiliengesellschaft Wharton Property Advisors zu bedenken. Rosen und Benko überlegen offenbar, den 77-stöckigen Wolkenkratzer ganz oder teilweise in ein Hotel umzuwandeln, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Rosen, einer der schillerndsten New Yorker Immobilieninvestoren und ein Sammler zeitgenössischer Kunst, hat damit Erfahrung: Erst im vergangenen Sommer hat er das Luxushotel „The Jaffa“ in Tel Aviv eröffnet, ein ehemaliges Krankenhaus, gebaut im 19. Jahrhundert, das er jahrelang mit viel Liebe fürs Detail restauriert hat.

Der Erfolgsdruck für Benko und Rosen ist hoch. Abu Dhabi war bereit, den Preis auch deshalb so stark zu senken, weil die Kosten in den kommenden Jahren deutlich steigen werden. Die Architekturschule Cooper Union hält die Bodenrechte, auf dem das Chrysler Building steht, und hat die Jahresmiete gerade von 7,8 Millionen Dollar auf 32,5 Millionen Dollar erhöht. 2028 soll sie auf 41 Millionen Dollar steigen und zehn Jahre später auf 55 Millionen Dollar. Die Betriebskosten liegen Schätzungen zufolge bei 15 Millionen Dollar im Jahr.

Einst das höchste Gebäude der USA

 Unternehmensgründer Walter Chrysler hatte das Gebäude Ende der 1920er-Jahre bewusst in der Nähe des Hauptbahnhofs Grand Central an der Lexington Avenue bauen lassen, um von der neuen Verkehrsader zu profitieren. Für das Projekt beauftragte er den bis dahin nur wenig bekannten Architekten William van Alen. Es war eine Zeit, in der Industrielle um die höchsten Gebäude wetteiferten. Chrysler, der bei Planung und Design involviert war, verschwieg, dass eine 56 Meter lange Spitze den Wolkenkratzer zieren sollte.

So wurde das Gebäude mit den markanten Edelstahlbögen und den beleuchteten Zacken bei der Eröffnung 1930 mit 319 Metern das höchste Gebäude Amerikas – ein Titel, den zur gleichen Zeit auch die Bank of Manhattan anstrebte, die zur gleichen Zeit einen Wolkenkratzer an der Wall Street baute. Nur ein knappes Jahr später musste Chrysler den begehrten Titel schon weiterreichen, und zwar an das 62 Meter höhere Empire State Building.

Das Chrysler Building war mehr als 20 Jahre lang die Zentrale des Autobauers. 1953 verkauften es Chryslers Erben, und die Firma zog aus. Die versteckten Hinweise auf die Autoindustrie jedoch sind geblieben: Die Wasserspeier sind Kühlerfiguren nachempfunden. Die Bögen an der Spitze sollen an die Radkappen der Marke Plymouth erinnern, die einst zu Chrysler gehörte.

Von vielen Hochhaus-Fans wird das Chrysler Building nach wie vor als einer der schönsten Wolkenkratzer romantisiert. Auf dem heutigen New Yorker Immobilienmarkt bedienen die Altstars aber eher eine Nische. „Die Quadratmeterpreise sind deutlich günstiger als in den neuen Gebäuden. Auch sind die Büroflächen kleiner. Das zieht kleine und mittelständische Unternehmen an, für die die modernen Türme oft zu teuer sind“, sagt Colp-Harber.

So liegt der Quadratmeterpreis im Chrysler Building im Schnitt bei 540 Dollar. Im Hudson Yards liegt er doppelt so hoch. Damit gelten die neuen Büros als Statussymbole für Unternehmen wie L’Oréal, Coach, BCG und KKR. Ob sich in dem Komplex fernab der New Yorker Hotspots ein junger neuer Stadtteil mit eigenem Flair entwickelt, der die hohen Mieten langfristig rechtfertigt, muss sich erst noch zeigen, sagen Kritiker.

Beweisen müssen sich auch Rosen und Benko mit ihrem Konzept für das Chrysler Building. Rosen lässt sich nicht nervös machen. Er ist ein großer Fan des Büroviertels Midtown südöstlich des Central Parks, das er auch als gehobene Wohngegend attraktiver machen will. „Früher war hier freitags nach 16 Uhr tote Hose bis Montagmorgen. Aber jetzt haben Geschäfte, Restaurants und Museen längst sieben Tage die Woche geöffnet“, stellte er im Dezember im Gespräch mit dem Handelsblatt klar. „Hier in Midtown ist die Action.“

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: New Yorker Wolkenkratzer - Chrysler Building: Neuanfang für eine 89 Jahre alte Stilikone

0 Kommentare zu "New Yorker Wolkenkratzer: Chrysler Building: Neuanfang für eine 89 Jahre alte Stilikone"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote