Niedrigzinsen Auf der Suche nach den Renditetrüffeln

Offene Immobilienfonds erleben ein Comeback. Die Nachfrage steigt, obwohl die Rendite sinkt. Das stellt die Branche vor ungeahnte Probleme – Fondsverwalter wissen teils nicht, wohin mit dem Kapital.
1 Kommentar
Die Nachfrage nach offenen Immobilienfonds ist riesig. Quelle: dpa
Altbau in Berlin

Die Nachfrage nach offenen Immobilienfonds ist riesig.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Ort des Geschehens sagt schon viel über das Ereignis aus: Das Steigenberger Airport Hotel in Frankfurt. Eine noble Adresse, wo nicht nur die Gäste, sondern schon die Servicekräfte Anzug und Krawatte tragen. Geschäftsreisende, die kurzfristig Deals schließen müssen, sitzen in Windeseile im Flieger. In Zeiten boomender Preise und umkämpfter Märkte gerade der richtige Treffpunkt für die Jahrestagung Immobilienfonds, zu der der Bundesverband der Immobilien-Investment-Sachverständigen (BIIS) geladen hat.

Die Bestandsaufnahme ist schnell gemacht: Der Markt wird auch im neunten Jahr nach der Finanzkrise weiter boomen. Die Nachfrage steigt. Offene Immobilienfonds sind übervoll mit Investorengeldern. Zugleich nimmt die Knappheit an attraktiven Immobilien zu. So unterschiedlich die Gesprächsthemen auch sein mögen, schwebt über allem doch die eine große Frage: Wo finde ich – wie es Andreas Muschter, Vorstandsvorsitzender von der Commerz Real beschreibt – noch „Renditetrüffel“? Die augenscheinliche Lösung ist spezieller, internationaler – aber auch riskanter.

In diesen Städten sind die Immobilienpreise explodiert
Platz 5: Frankfurt am Main
1 von 10

In der hessischen Mainmetropole stiegen die Wohnungspreise von Bestandsimmobilien zwischen 2009 und 2016 um 40 Prozent an. Im Vergleich zu Düsseldorf, München, Hamburg und Berlin bedeutet das Platz fünf. Eine Kerntriebfeder: Das Brexit-Votum und die damit verbundene Auswirkung auf den Finanzstandort Frankfurt. Für das Jahr 2017 wird eine weitere Preissteigerung erwartet.

Platz 4: Düsseldorf
2 von 10

In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wiesen die Immobilienpreise zwischen 2009 und 2016 eine Steigerung von knapp über 60 Prozent auf. Im Vergleich zu anderen Metropolstädten entwickelte sich der Düsseldorfer Immobilienmarkt allerdings eher träge. Aufgrund einer zurückhaltenden Bautätigkeit und einer relativ hohen Leerstandsquote kann sich das Preisniveau in den kommenden Jahren laut Deutscher Bank vorerst halten und wird nicht so stark ansteigen wie in anderen Städten.

Platz 3: Hamburg
3 von 10

Im besagten Zeitraum gingen die Wohnungspreise in Hamburg um etwa 70 Prozent nach oben. Eine rege Bautätigkeit sorgt in der Hansestadt dafür, dass der Nachfrageüberhang mehr und mehr abgebaut wird, und sich das Preissteigerungsniveau auf lange Sicht normalisieren dürfte. Bis dahin erwarten die Experten aber weiterhin ein kräftiges Plus in der Hansestadt.

Platz 2: Berlin
4 von 10

Die Bundeshauptstadt erfreut sich zunehmender Beliebtheit – das schlägt sich auch in den Immobilienpreisen nieder. Zwar ist das Niveau der Preise deutlich niedriger als beispielsweise in München – so bekommt man etwa für drei Berliner Einfamilienhäuser in München nur eins – doch die Preise stiegen zwischen 2009 bis 2016 um etwa 75 Prozent an. In Zukunft wird eine deutliche Steigerung des Preisniveaus erwartet, da immer mehr Menschen nach Berlin ziehen, das Wohnangebot aber bei weitem nicht mithalten kann.

Platz 1: München
5 von 10

In München sind die Preise in den vergangenen sieben Jahren um mehr als das Doppelte gewachsen. Die bayrische Landeshauptstadt ist nicht nur die teuerste Stadt Deutschlands, sondern verzeichnet auch einen starken Nachfrageüberschuss bei Wohnimmobilien. Die Leerstandsquote tendiert gegen null – somit sind weitere Preissteigerungen in Zukunft vorprogrammiert.

Platz 5: Einfamilienhäuser
6 von 10

Betrachtet man die einzelnen Immobilienarten, so lassen sich teils große Unterschiede feststellen. So stiegen die Preise für Einfamilienhäuser zwischen 2009 und 2016 um etwa 35 Prozent an – im Vergleich zu anderen Immobilienarten, beispielsweise Eigentumswohnungen, ist das der niedrigste Wert. Experten erwarten in den kommenden Jahren allerdings weitere Preissteigerungen und eventuell könnten dann auch die Preise für Einfamilienhäuser stärker steigen.

Platz 4: Reihenhäuser (Bestand)
7 von 10

Bei den Preisen für Reihenhäuser ging es um etwa 40 Prozent nach oben. Damit liegen die Preise nur knapp über denen für Einfamilienhäuser. Zwar werden auch hier weitere Preissteigerungen erwartet, allerdings dürften diese auch bei Bestands-Reihenhäusern niedriger ausfallen als beispielsweise bei Eigentumswohnungen.

Denn offene Immobilienfonds stehen vor einem Investitionsproblem: Am Markt konkurrieren sie wegen der dauerhaft niedrigen Zinsen mit Versicherungen, Versorgungskassen und institutionellen Investoren. Das treibt die Preise – und lässt die Renditen fallen.

Zuletzt lag die Rendite offener Immobilienfonds in Deutschland im Schnitt bei ungefähr zwei Prozent. Vor einigen Jahren waren es noch drei oder vier Prozent. In Zeiten der Niedrigzinsen bleibt Anlegern immerhin ein Trost: Im Vergleich zu zehnjährigen Bundesanleihen sind das immer noch 1,7 Prozent mehr.

So mancher in der Branche nimmt es pragmatisch: „Wir sind weit im Zyklus, ob uns das gefällt oder nicht. Wir haben Portfolien, die weltweit oder europäisch aufgestellt sind und investieren weiter. Wir können nicht nicht investieren“, sagt Daniel Tochtermann, der bei Credit Suisse die Käufe und Verkäufe von Immobilien leitet.

Dennoch haben die Deutschen die Immobilienfonds wieder für sich entdeckt. Allein 2016 haben sie bis Ende Oktober 4,2 Milliarden Euro investiert. Im ganzen Jahr 2015 waren es zuletzt 3,3 Milliarden Euro.

Erfahrungen aus der Finanzkrise überwunden
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Niedrigzinsen - Auf der Suche nach den Renditetrüffeln

1 Kommentar zu "Niedrigzinsen: Auf der Suche nach den Renditetrüffeln"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%