Immobilien „Beim Bau treffen Profis auf Amateure“

Auf zahlreichen Großbaustellen wie dem Berliner Flughafen regiert das Chaos. Im Interview verrät der Immobilienprofi Mario Bacher, warum so viel schiefgeht und was private Bauherren von den Megapannen lernen können.
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In Deutschland wir gebaut, aber nicht immer nach Bedarf. Quelle: Getty Images

In Deutschland wir gebaut, aber nicht immer nach Bedarf.

(Foto: Getty Images)

Herr Bacher, früher galt Deutschland als führend bei der Abwicklung von Großbaustellen. Heute versinken Projekte wie der Berliner Flughafen oder die Hamburger Elbphilharmonie im Chaos. Geht beim Bau heute mehr schief als früher?
Ja, das ist eindeutig so. Ein Hauptgrund dafür ist, dass Bauen viel komplexer geworden ist. Nehmen wir nur mal ein Büro als Beispiel. Früher reichten eine Heizung, ein Lichtschalter und eine Steckdose. Heute müssen es Klimaanlagen, Brandmeldeanlagen, Bewegungsmelder, flexible Wandsysteme, eine anspruchsvolle IT-Technik und vieles mehr sein.

Ist die Aufgabe ein großes Gebäude zu bauen nicht mehr zu bewältigen?
Das würde ich nicht sagen. Aber die Organisation ist wesentlich anspruchsvoller. Sie dürfen nicht vergessen: Sie bauen jedes Mal einen Prototyp. Eine Serienproduktion etwa wie in der Autoindustrie ist nicht Standard.

Mario Bacher ist Partner bei Ernst&Young. Der Bauingenieur betreute unter anderen den Bau von Flughäfen, Kraftwerken oder Industriehallen. Quelle: PR

Mario Bacher ist Partner bei Ernst&Young. Der Bauingenieur betreute unter anderen den Bau von Flughäfen, Kraftwerken oder Industriehallen.

(Foto: PR)

Sind die Planer damit überfordert?
Manchmal schon. Ein Hauptfehler bei Großbaustellen von Unternehmen ist etwa eine schlechte Zusammenstellung der Projektteams. Es werden oft nicht die Besten genommen, sondern die, die gerade verfügbar sind. Außerdem haben nicht alle Fachleute die notwenigen „Macher-Qualitäten“. Ein funktionierendes Team ist aber absolut entscheidend für den Erfolg.

Muss letztlich nicht immer einer die Verantwortung übernehmen?
Moderne Bauten entstehen nur, wenn verschiedenste Fachleute zusammenarbeiten. Ich betreute mal ein Projekt, das ein einzelner „Sonnenkönig“ leitete. Alles musste über seinen Schreibtisch. Die Fülle an Informationen überforderte den Mann völlig, obwohl er rund um die Uhr arbeitete. Das Projekt geriet in eine absolute Schieflage, nach einem dreiviertel Jahr musste es neu gestartet werden. Die Zeit der Helden im Bau ist vorbei.

Ist die öffentliche Hand ein schlechterer Bauherr als ein Unternehmen?
Das ist sicherlich sehr oft so. Ein Hauptgrund sind die strikten Vorgaben. Großprojekte müssen beispielsweise europaweit ausgeschrieben werden. Dann ist es für die Verantwortlichen sehr schwer, nicht das billigste sondern das beste Angebot zu nehmen.

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„Bauherren können kaum gegenhalten“
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15 Kommentare zu "Immobilien: „Beim Bau treffen Profis auf Amateure“"

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  • Dieser Gedanke vernachlässigt eines vollkommen: Ich kaufe eine Leistung, weil ich sie aus Zeit- und Kompetenzgründen nicht selbst erbringen kann. Wenn ich also bereit bin für eine klar definierte Leistung einen vorher vereinbarten Preis zu bezahlen und der Lieferant behauptet, dass er in der Lage ist diese Leistung zu erbringen, dann kann es ja wohl nicht meine Aufgabe sein ihn bei der Ausführung zu beaufsichtigen. Das ist vollkommen absurd.

  • Vielleicht ist das Hauptproblem beim Bauen die von den Kommentatoren mal wieder eindrucksvoll bestaetigte typisch deutsche Besserwisserei- vor allem der Amateure. Uebrigens gut vergleichbar mit der Situation im Wertpapiergeschaeft.
    Ich danke jedenfalls Herrn Bacher fuer seine hier geaeusserten Einblicke und moechte nur noch einen m.E. schoenen Spruch zur Rolle des Bauherrn beitragen auf den ich neulich in einem anderen sehr generellen Zusammenhang stiess: You can't expect what you don't/didn't inspect.

  • @Tippkick

    ich kann ihnen aber versichern, das die Tragödien beim Eigenheimbau in aller Regel vom Bauherrn ausgehen.
    Erfahrene Architekten lehnen daher auch "Häuslebauer" ab. Der mit einem privaten Bauherren eines Einfamilienhauses verbundene Aufwand rechnet sich in keinster Weise.
    Zumeist fehlt jedes Verständnis dafür, was ein Haus kostet und was an Baunebenkosten noch anfällt. Da kann man noch so viel informieren- es wird einfach verdrängt.
    Es muss doch auch billiger gehen...- geht es aber nicht- bzw. nur mit Pfusch, unfähigen Handwerkern, ungeeigneten Baustoffen, usw.

    Das wird aber erst eingesehen, wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen ist

  • „„Beim Bau treffen Profis auf Amateure““

    Nein, im Regelfall treffen Profis auf Laien, denn ein Amateur ist zwar berufsfremd, weiß aber , im Gegensatz zum Laien, worüber er spricht und was er tut.
    Der Bau meines Hauses 1990 ging reibungslos über die Bühne, der einzige Knackpunkt war das Wetter im Februar mit sehr viel Schnee und an einem Tag ungewöhnlich starkem Sturm, der den Maurern eine Kellerwand auf die Füße drückte. Ein Teil der Gewerke habe ich selbst erledigt, war selbstverständlich jeden Tag auf der Baustelle und habe mit allen Bauhandwerkern und deren Meistern Kontakt gehabt. Mit dem Maurerpolier bis heute. Für mich war das eine Herausforderung, die mir sehr viel Spaß gemacht hat.

  • Aus eigener, leidvoller Erfahrung kann ich sagen, dass die extreme Abhängigkeit, in der man sich als Bauherr befindet, von den ausführenden Handwerkern bis zum Erbrechen ausgenutzt wird. Würden diese Unternehmen in der Gefahr leben, aufgrund von Schlechtleistung sofort ihren Auftrag an den Wettbewerb zu verlieren, so wie das in den meisten anderen Branchen üblich ist, wären viele dieser "Experten" schon längst bankrott. Was mir während der Bauphase meines Hauses als Auftraggeber an Inkompetenz, Borniertheit und Unwillen begegnet ist, hat mich gefühlt mehrere Jahre meines Lebens und eine Menge graue Haare gekostet. Noch einmal neu bauen? Niemals! Da halte ich es ganz mit Herrn Bacher: Prüfe sorgfältig und kaufe, was Du sehen und anfassen kannst und verschwende nicht wertvolle Lebensenergie in der Auseinandersetzung mit Menschen, deren Hemmschwelle Dich gnadenlos über den Tisch zu ziehen nicht existent ist.

  • Er sprach pauschal von Modernisierung.

  • Er wurde gefragt, ob ER neu gebaut hat. Er hat dann (implizit) geantwortet, dass er sich für eine Gebrauchtimmobilie entschieden hat. Da war aber nicht die Rede von einem denkmalgeschützten alten Kasten. Und wenn man eben eine 10-20 Jahre alte, qualitativ gut gebaute, Gebrauchtimmobilie kauft, dann geht es eben nur um ein paar Schönheitsreparaturen und Anpassungen an den eigenen Geschmack.

  • Zitat....Die Modernisierung ist viel einfacher. Es geht nach dem Motto: Hier ist ein Riss in der Wand, dort gefällt mir die Treppe nicht und in diesem Raum hätte ich lieber Parkett als Fliesen. So muss ich mich nur mit fünf Handwerkern arrangieren und nicht mit fünfzehn plus Architekt und Behörden....

    Der Mann weiß nicht wovon er spricht. Er sollte mal eine historische Villa, durchzogen mit Schwamm, Nässe im Mauerwerk, loses Steinfundament, etc., sanieren. Herr Bacher, wie lösen sie das Feuchtigkeitsproblem auf Dauer? Da unterliegt man Zwängen, die bei einem Neubau nicht vorkommen. Fünfzehn verschiedene Handwerker reichen da nicht.
    Die Auseinandersetzungen mit der Denkmalbehörde begleitet einen durch die gesamte Bauphase.

  • In der Branche gibt es ein böses Wort:

    "Baukundschaft ist Laufkundschaft." Das sagt alles.

  • @ architekt
    ...was erwarten sie auch von einem Wirtschaftsprüfer?

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