Preisspirale Warum Kunden bald noch mehr für Energie zahlen müssen

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Preistreiber Stromkonzerne

Eine wachsende Zahl von Großverbrauchern soll aber von der Abgabe ausgenommen werden. Dies wird dafür sorgen, dass die Zahl der Stromabnehmer sinkt, auf die der Milliardenbatzen umgelegt wird. Damit steigt die Belastung für die verbleibenden Zahler. Insbesondere stromintensive Unternehmen hoffen, die EEG-Umlage erlassen zu bekommen. "Es gibt einen Ansturm auf Strompreisgeschenke", beobachtet ein Stahlmanager. Laut Bundeswirtschaftsministerium waren bis zum 2. Dezember 159 Anträge von Unternehmen auf eine vollständige Befreiung eingegangen. Möglicherweise müsse deshalb die Umlage für die privaten Haushalte völlig neu berechnet werden, heißt es in Berlin. Wie viel auf Konsumenten und Unternehmen abgewälzt wird, entscheidet sich am 21. Dezember. Dann müssen die Netzbetreiber erklären, wie in ihrem Einzugsgebiet die Ausnahmeregelungen für die stromintensive Industrie wirtschaftlich zu Buche schlagen.

Von den Stromabnehmern kaum wahrgenommen wird die Preistreiberei durch die Konzessionsabgaben. Die kassieren die Gemeinden von den Versorgern dafür, dass diese den Strom durch ihr Hoheitsgebiet leiten dürfen. Die Abgaben werden nach Berechnungen des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen im kommenden Jahr um 1,7 Milliarden Euro höher liegen als 2009. "Das ist eine Art heiße Progression", schimpft Holger Krawinkel, Energieexperte des Verbraucherverbandes.

Versorger erhöhen ohne Ende

Eine unrühmlich Rolle spielen die Stromerzeuger. Dies sind die vier Konzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall sowie die rund 900 Stadtwerke, darunter deren große Verbünde wie Thüga und Trianel. Was auch immer passierte, die Versorger erhöhten bis zuletzt ostentativ die Strompreise. Dabei müsste das nicht unbedingt sein. Beispiel: Emissionszertifikate. Diese müssen Kraftwerksbetreiber vom kommenden Jahr an erstmals kaufen, um das klimaschädliche Kohlendioxid in die Luft pusten zu dürfen, das durch die Verbrennung von Kohle oder Gas entsteht.

Bisher bekamen die Versorger die Papiere vom Staat geschenkt, durften den Preis, den die Zertifikate an der Börse bereits haben, jedoch in den Strompreis einfließen lassen. Danach hätte der Strompreis in den vergangenen Monaten aber durchaus sinken können. Denn die Luftverschmutzungsrechte haben sich seit dem Sommer von rund 17 auf 7 Euro pro Tonne C02 verbilligt. Das bringt vor allem dem RWE-Konzern mit seinen emissionsreichen Braunkohlekraftwerken eine kräftige, ungeplante Kostenentlastung. Wer hoffte, die Essener würden einen Teil des Windfall-Profits an die Endkunden weiterreichen, sah sich getäuscht.

Zu wenig Wettbewerb treibt die Preise

Der Grund für die Preistreiberei liegt zum einen im unzureichenden Wettbewerb, zum anderen in der jahrelang mangelnden Kostendisziplin. Der Wegfall der Supergewinne aus den wirtschaftlich abgeschriebenen Atommeilern, die Eon, RWE und EnBW auf Anordnung der Bundesregierung im Frühjahr abschalten mussten, legte die bisherigen Versäumnisse offen. Eon wird nach EnBW in diesem Geschäftsjahr erstmals einen Verlust verbuchen, wurde nach der Aufsichtsratssitzung Anfang vergangener Woche klar.

Der Verfall der Gaspreise, teure Akquisitionen durch Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat sowie doppelt und dreifach besetzte Funktionen schlagen gnadenlos durch. Ein großer Teil der nun überzähligen Stellen rührt aus der Fusion der einstigen Energiekonzerne Veba und Viag im Jahr 2000 und der anschließenden Übernahme von Ruhrgas 2003. Die Kosten tragen seitdem die Stromkunden.

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29 Kommentare zu "Preisspirale: Warum Kunden bald noch mehr für Energie zahlen müssen"

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  • Das Dilemma zeigt sich zuerst bei der Energiepolitik: Das Prinzip "Schwachsinn", umgangssprachlich für Unsinn oder eingeschränktes Wahrnehmungsvermögen bestimmt heute die Richtlinien der Politik, Parteien sind nur Vollzugshüllen mit Konzentration auf Eigeninteressen, entscheidende politische Machtfaktoren sind doch die NGO`s durch ihre manchmal bestechende Art, der Politik Mehrheitsmeinungen und somit Strategien für politisches Überleben vorzugaukeln. Wir könnten also besser gleich die NGO`s in die Parlamente wählen, die dann nach einem, nach dem Muster des Politischen Philosophen John Rawls entworfenen, Gesellschaftsvertrag der Fairness (Konkordatsgedanke) agieren. 1835 charakterisierte Alexis de Toquevilles dieses Phänomen In „De la Démokratie en Amérique“ als „Tyrannei der Mehrheit“: typisches Beispiel ist der Ausstieg aus der Kernenergie mit der Suggestion der vermeintlichen Mehrheitsmeinung, AKW´s seien die Nachfolger der Bomben von Hiroschima und Nagasaki, was tatsächlich allenfalls für russische und japanische AKW`s zutreffen mag, die aber nicht ausgestiegen sind. Die Preise sind uns schon weggelaufen. Man darf nur noch gespannt sein, ob es dem NBU jetzt gelingt, die Windmüller wieder in Ihre Schranken zu weisen oder später festgestellte „Klimakatastrophen“ aus der Zunahme fossiler KW`s zu erklären. Ähnliche Entwicklungen bahnen sich beim Weg in die TransferUnion an; „Europa lieben“, was es uns auch immer beschert, meint der demente Altkanzler Schmidt, einfacher geht’s doch nimmer: Platon hat in „Politeia“ der im 4.Jh. v.Chr. untergehenden attischen Demokratie das Etikett „Anarchie der Lüste“ umgehängt; ein bisschen von dem Scharfblick wünsche ich uns allen zum Jahreswechsel, dann kehren vielleicht wieder normale Zeiten ein.

  • Die Energiepreissteigerung in Deutschland sind zu einem wesentlichen Teil den ständig steigenden Energiesteuern geschuldet.
    Ein weiterer wesentlicher Effekt ist das "Waldsterben" der 80er Jahre analog der aktuellen CO2 Klimahölle (das SO2 aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe sollte die Wälder sterben lassen und die Menschen ersticken lassen) geschuldet. Im Zuge des Waldsterbens wurde die BIMSCH verschärft und die Verbrennung preiswerter Kohle und Schweröl erschwert.
    Der Ausstieg aus der Kernenergie begann Ende der 80er Jahre. Ohne ökoreligiöse Atomstrahlenangst gäbe es aktuell mehr als 30 abgeschriebene, umweltfreundliche KKW in Deutschland (inkl. DDR). Aufgrund der konkurrenzlos preiswerten Betriebskosten ergäbe sich in der Tat ein grosses Potential für preiswerten, umweltfreundlichen Heizstrom analog Frankreich, Südkorea (in beiden Ländern wird mehr als 1/3 der Gebäude elektrisch beheizt.

    Vandale

  • alles in Allem sind die Preissteigerungen der Euroschwäche und der damit verbundenen starken Inflation zu verdanken. Aber wer rechnet hier auch noch in Euro?? den Euro wird es in den kommenden Wochen zerreißen. Es ist gerade die Ruhe vor dem Sturm. Also alle schön locker bleiben!!

  • Weil der Euro genau so eine Fehlentscheidung war!

  • Das geht nicht mehr lange gut in Deutschland.....!Die Volksvertreter werden die Abrechnung am Wahltag bekommen. Es werden neue unbekannte Parten zur Wahl antreten und gewinnen.

  • Wie? Was? Wir addieren hier Prozente und geben das als gesamte Preissteigerung aus???

    Brötchen sind um 10% teurer geworden, die Milch um 20%, also hatten wir 30% Preiserhöhung bei Brötchen und Milch???

  • Sind die Werte inflationsbereinigt oder nicht?

  • Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wo Schröder, Fischer, Müller, Tacke und Clement heute ihr "Brot" verdienen und weshalb sie schon genau dort sind wo die "anderen" erst noch hinwollen?

  • Richtig, sehe ich auch so!

  • Ja, das ist wohl war. Von der Solarförderung profitierten vor allem reichere Mitbürger, die sich in Solarparks u.ä. ohne Risiko einkauften. Ebenso Banken die wir ja permanent unnterstütze, damit sie an uns verdienen.

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