Tool der Woche: Baufinanzierung Die Mär vom Hauskauf ohne Geld

Einige Medien bejubeln aktuell 100-Prozent-Finanzierungen für Immobilien. Angeblich soll ein Hauskauf „ohne eigenes Geld“ problemlos möglich sein. Wer günstige Konditionen bietet und welche Risiken bestehen.
Update: 28.11.2013 - 11:20 Uhr 23 Kommentare
Traum vom Haus: Ohne Eigenkapital wird es für die meisten Immobilienkäufer und Bauherren schwer. Quelle: Getty Images

Traum vom Haus: Ohne Eigenkapital wird es für die meisten Immobilienkäufer und Bauherren schwer.

(Foto: Getty Images)

Je heißer der Immobilienmarkt läuft, desto schriller werden die Berichte. „Haus kaufen ohne eigenes Geld“, titelte etwa die „Bild“-Zeitung diese Woche. Das Boulevard-Blatt startete so eine Serie über Menschen, die den Kaufpreis ihrer Immobilien zu hundert Prozent fremdfinanziert haben. „Minizinsen machen es möglich“ - so schrieb die Zeitung - ein Haus zu kaufen statt zu mieten.

Ein Angestellter einer Brauerei ist im Artikel stolz im Bild zu sehen, umrahmt von Frau und Kindern, vor dem eigenen Häuschen. Diese Familie will das Geld jetzt „lieber in einen Hauskredit stecken, statt es dem Vermieter nachzuwerfen“.

Drohen Deutschland jetzt amerikanische Verhältnisse wie vor der Finanzkrise, als Kunden ohne Vermögen teure Immobilien finanzierten und wegen Arbeitslosigkeit und steigender Zinsen später versteigern mussten? Michaela Reimann, Sprecherin des Baugeld-Vermittlers Dr. Klein erklärt: „Wir können keine erhöhte Nachfrage oder gar einen Trend zu 100-Prozent-Finanzierungen feststellen“. Es gelte eher das Gegenteil. „Die Deutschen nutzen aktuell mehr Eigenkapital für die Finanzierung als früher,“ sagt Reimann.

Dr. Klein soll laut Bild-Zeitung angeblich „fachliche Beratung“ geleistet haben. Der Vermittler scheint über diese Darstellung nicht ganz glücklich zu sein. Das Rechenbeispiel in der Zeitung soll verkürzt dargestellt worden sein, einen solchen Kredit gäbe es bei keinem Vermittler von Dr. Klein. Kunden hätten bereits angerufen.

Bei einem realistischen Beispiel wäre die Restschuld laut Dr. Klein am Ende der Laufzeit doppelt so hoch wie im Kreditbeispiel von Bild. Das Beispiel sei außerdem knapp kalkuliert, für unvorhergesehene Kosten bliebe nicht viel Luft. Eine Anfrage von Handelsblatt Online an den Springer-Verlag blieb unbeantwortet.

100-Prozent-Finanzierungen sind ohnehin eher exotisch. Eine Auswertung der Daten der Transaktionsplattform Europace, über die rund 15 Prozent aller Baufinanzierungen in Deutschland laufen zeige: Der durchschnittliche Beleihungsauslauf lag im September 2013 bei 77,28 Prozent. Anfang 2010 lag der Satz noch bei 80,22 Prozent. Von einer Kredit-oder Immobilienblase könne deshalb keine Rede sein. Auch bei Absicherung der Zinsen, Zinsbindungen oder Tilgungssätzen sei mehr Sicherheit als früher gefragt.

In einer Mitteilung an die Öffentlichkeit stellte Dr. Klein schon vor der Berichterstattung klar: „Mindestens die Kaufnebenkosten sollten im Normalfall mit Eigenkapital bezahlt werden. Wir raten zu einem zusätzlichen Eigenkapitalanteil von rund 20 Prozent. Wer seine Immobilie mit mehr als 80 Prozent beleiht, muss zudem einen relativ teuren Kredit aufnehmen und hat möglicherweise weniger Puffer für unerwartete finanzielle Schwierigkeiten“.

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23 Kommentare zu "Tool der Woche: Baufinanzierung: Die Mär vom Hauskauf ohne Geld"

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  • Grundmotto der Kreditvergabe: hab ich 10 Mille auf dem Konto, bekomme ich 10 Mille auch als Kredit. Hab ich nichts, krieg ich nichts.

  • sehe ich genauso; wobei ich denke das die Rückzahlungsphase eher bei 10 oder max. 15 Jahren liegen sollte...alle klassischen Finanzierungen über diese Laufzeit hinaus lassen die Gesamtkosten derart steigen, das ich persönlich die Investition als Privatperson als zu teuer durch den Zinseffekt betrachte.

    Im Fall des Falles spielt ein Immobilienverkauf die Schuldkosten sonst niemals herein. Und dieses gilt nur für Häuser. Einzelne Eigentumswohnungen...kauft man nur wenn man die Kohle cash hat. Schließlich erwirbt man letztendlich nichts, außer die Luft zwischen 4 Wänden.

  • Allein die Möglichkeit das eine hyphotekengebende Bank "den gemeinsamen Kreditvertrag" eigenmächtig nach Gutdünken an einen anderen Aufkäufer verkaufen darf, finde ich eine absolute Frechheit.

    Wenn ich z.B. als Unternehmer mir für eine Investition eine bestimmte z.B. Leasingbank aussuche, denke ich mir etwas dabei wenn ich nicht zu einer anderen Leasingbank gehe.

  • Ich denke, das eigentliche Geschäftsmodell in dieser Niedrigzinsphase ist, dass Vermögende und das auch international, zu niedrigsten Zinsen investieren können und dann noch über Vermieten Geld verdienen.
    Gerade diese Investoren finanzieren dann auch gerne zu 100% um so zusätzlich ohne Eigenkaptitaleinsatz verdienen zu können. Dadurch werden die Preise hochgezogen. Jemand der jung und mobil ist, eine Familie hat und arbeitet, wird von den älteren Vermögenden ausgepresst wie eine Zitrone.
    Wenn irgendwann genug neuer Wohnraum geschaffen wurde, müssen die Preise natürlich wieder sinken.
    Aber der Immobilienmarkt ist träge und Entwicklungen dauern schon ein paar Jahre.

  • Wieso "gewinnt die Bank"?? Meiner Erinnerung gab es nach der Subprime ein Haufen Wertberichtigungen, Bankauflösungen und Verstaatlichungen. "Risikofrei" haben Makler, Architekten und Bauträger ihr Geld verdient. Im sind immer zwei Leute zur Übervorteilung erforderlich: einer der über den Tisch zieht und einer, der sich ziehen läßt. Also Augen auf und nicht immer die Verantwortung an andere abschieben !

  • Bei 300 TEuro wäre ich schon nervös.

  • Abenteuerlich? Was ist da abenteuerlich? In 8 Jahren fast ein Drittel zurückgezahlt? Da sind Sie aber gut, und trotzdem so nervös? Bei solch schwachem Nervenkostüm würde ich in der Tat die Finger von Immobilien lassen.

  • Die Argumentation für eine Kaufentscheidung reduziert sich häufig auf das billige Zinsniveau.
    Doch was nutzen 2% weniger Zinsen für Baugeld als noch vor 6 oder 7 Jahren, wenn sich die Baukosten um über 60% erhöht haben ?
    Außerdem.. holen Sie sich mal derzeit ein Angebot von einem Handwerker ein.. Der lacht Sie aus ! Sie bekommen einen Preis genannt und dürfen lediglich zustimmen oder ablehnen. Da wird kaum noch nachgebessert.

    Und ein Vergleich zwischen Miete und Ratenzahlung hingt besonders gewaltig, da beim Erwerb einer Immobilie erhebliche Nebenkosten fällig sind, welche schon für sich allein mehrere Jahre "mietfreies" Wohnen ohne zusätzliche Verschuldung ermöglichen.

    Wir haben vor 8 Jahren gebaut, 170 TEuro aufgenommen und haben trotz 3%Tilgung immer noch über 120 TEuro stehen.
    Bei 300 TEuro will ich mir das gar nicht mehr vorstellen wollen..

  • Leider stimmen Ihre Angaben nicht mit meinen Berechnungen überein. In Ihrem Beispiel mit der zehnjährigen Zinsbindung für ein 240T€ Darlehen fällt man nämlich ganz bös auf die Nase, wenn nach Ablauf der Zinssatz auf 6% steigt. Dann muss der Kapitaldienst mächtig aufgestockt werden, weil man mit dem Kapitaldienst sond eine negative Tilgung hätte!

  • Warum regt Ihr Euch darueber auf. Es ist doch die Politik der EZB noch mehr Schulden zu machen - selber, ueber die Banken, ueber die Konsumenten, etc., egal um welchen Preis. Fuer mich ist diese EZB ein Haufen von Leuten, die absolut nichts aus den letzten Krisen gelernt haben. Unverantwortlich die weiter machen zu lassen.

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