Anita Gödiker

Als sie mit ihrem Unternehmen anfing, Büros zu vermieten, war der Begriff Coworking gänzlich unbekannt.

(Foto: PR)

Satellite-Office-Gründerin Anita Gödiker Coworking-Pionierin setzt auf Büros der Luxusklasse

Seit mehr als 20 Jahren vermietet die Satellite-Office-Gründerin Platz in Gemeinschaftsbüros. Nun profitiert auch sie vom enormen Coworking-Boom.
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Düsseldorf„Allein für den Blick hat sich die lange Suche gelohnt“, sagt Anita Gödiker, die Begeisterung ist ihr anzuhören. Sie zeigt auf das Panorama der Düsseldorfer Königsallee vor ihrem Bürofenster und strahlt. Bis sie jetzt dieses Bürozentrum im historischen Girardethaus eröffnen konnte, habe sie manchen Makler zur Weißglut getrieben, erzählt sie.

Aber sie hat eben strenge Kriterien für die Standorte ihrer „Satellite Offices“ aufgestellt. Es müssen denkmalgeschützte Gebäude mit besonderem Flair sein – und natürlich die erste Adresse in jeder Stadt. In Zürich beispielsweise residiert sie in der Bahnhofstraße mit Blick auf den Zürichsee. In Düsseldorf gab es keine Alternative zur Königsallee.

Was Gödiker betreibt, nennt sich heute „Coworking-Spaces“ und liegt momentan groß im Trend. Start-ups wie WeWork aus den USA bieten anderen Start-ups coole Bürogemeinschaften auf Zeit, meist im durchgestylten Industrielook. Oder in nüchterner, funktionaler Arbeitsumgebung wie beim Businesscenter-Anbieter Regus.

Das Konzept boomt: Laut einer Studie des Immobiliendienstleisters Collier machen die Coworking-Spaces bereits fünf Prozent des gesamten Büromarktes in den Top-7-Standorten in Deutschland aus. Allein im vergangenen Jahr haben sie ihren Flächenumsatz verfünffacht.

10.000 Quadratmeter Bürofläche

Als Gödiker ihr Business vor mehr als 20 Jahren startete, sagte noch keiner „Coworking“ – und angesagt war es auch nicht. Ihre Geschäftsidee entstand aus der Not heraus: Sie merkte, wie schwer in Berlin bezahlbarer Büroraum in guter Lage zu finden war.

Sie beschloss, die begehrten Flächen zu teilen, und eröffnete ihr erstes Bürocenter auf 850 Quadratmetern am Checkpoint Charlie. „Wir galten damals als die Schmuddelkinder“, erinnert sie sich. Wer sich kein eigenes Büro leisten könne, müsse sich halt eines teilen, bekam sie zu hören. „Dabei ist teilen doch eine wunderbare Idee“, sagt die Pionierin der „Sharing-Economy“.

Der Erfolg gab ihr recht: Heute bietet sie mehr als 10.000 Quadratmeter Fläche an acht Standorten in Berlin, München, Hamburg, Zürich und jetzt auch Düsseldorf. Mit mehr als 35 festangestellten Mitarbeitern hat sie im vorigen Jahr 7,5 Millionen Euro Umsatz gemacht. Mehr als 1600 Unternehmen haben bei ihr schon Büros gemietet – manche stundenweise, andere über Jahre.

„Mich begeistert die persönliche Atmosphäre hier, das findet man bei anderen Anbietern selten“, sagt Wolf Reiner Kriegler, Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Deba. „Hier trägt alles die Handschrift von Anita Gödiker.“ Er ist mit seiner Firma seit elf Jahren im Satellite Office am Kurfürstendamm in Berlin eingemietet, das Businesscenter ist seine offizielle Firmenadresse.

Die Neueröffnung eines Standorts ist bei Gödiker Chefinnensache. Fast täglich war die Unternehmerin in Düsseldorf auf der Baustelle; alle Bilder, Lampen, Designobjekte und jede Wandfarbe hat sie selbst ausgewählt.

„In jedem neuen Objekt steckt ein Stück von mir“, sagt sie. Zwischen den großen Mietbüroanbietern ist sie die Manufaktur. In den Schoß gefallen ist der 60-Jährigen der Erfolg mit ihren Mietbüros der Luxusklasse nicht. Nach einer Karriere im Vertrieb bei Siemens kündigt die gelernte Radiologieassistentin und macht sich nach einer kurzen Auszeit 1997 selbstständig.

„Selbstständigkeit braucht Mut“

„Es braucht Mut, in die Selbstständigkeit zu gehen, gerade für Frauen“, bekennt sie. Ihr Glück: Ende der 90er-Jahre betreiben viele Unternehmen aus ihrer Heimat, dem Emsland, große Bauprojekte in Berlin und brauchen befristet Büros. Sie nutzt ihr altes Netzwerk und gewinnt rasch Kunden. Mit dem Zusammenbruch der New Economy kommt eine Durststrecke, aber seit 2003 geht es stetig bergauf.

Viel geht über Mundpropaganda. Start-ups wie Myspace oder Jamba haben bei ihr die ersten Schritte gemacht, heute nutzen große Pharmakonzerne, Projektmanager, Anwälte Gödikers Dienste. Wenn nötig, bekommen sie auch einen Handelsregistereintrag und ein Firmenschild am Eingang.

„In der heutigen Arbeitswelt brauchen Unternehmen viel mehr Flexibilität als früher“, sagt Unternehmensberater Kriegler. Seine Firma sei mit Satellite Office gewachsen. Früher, sagt er, seien die Menschen den Unternehmen gefolgt, heute, bei der Knappheit an Talenten, sei es umgekehrt. So habe er gerade erst in Hamburg eine Dependance eröffnet, weil er eine Mitarbeiterin haben wollte, die dort nicht wegziehen wollte – nun arbeitet sie in einem Satellite Office.

Auch Gödiker will weiterwachsen. Sie schaut nach neuen Standorten in Frankfurt, Stuttgart, Lugano, Basel und Wien, auch je ein weiteres Center in Berlin und Zürich ist geplant. „Coworking ist gefragt wie nie“, sagt sie. Aber Eile hat sie nicht – schließlich hat sie ja keine Investoren, die auf Ergebnisse drängen.

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