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Start-up-Szene So will Softbank-Chef Masayoshi Son die Immobilienbranche digitalisieren

Der WeWork-Investor steckt viel Geld in junge Unternehmen mit digitalen Geschäftsideen – auch aus der Immobilienbranche. Das hat System, zeigt sein neuester Coup.
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Weltweit ist das WeCompany-Netzwerk auf über 400 Büros in fast 100 Städten in 26 Ländern angewachsen. Quelle: Bloomberg
WeWork-Gebäude in Tokio

Weltweit ist das WeCompany-Netzwerk auf über 400 Büros in fast 100 Städten in 26 Ländern angewachsen.

(Foto: Bloomberg)

TokioIn der Start-up-Szene nennt man ihn den „Son-Effekt“: Jedes Unternehmen, in das die japanische Investorenlegende Masayoshi Son mit seinem Softbank Vision Fund – ein auf Technikunternehmen spezialisierter Fonds – investiert, wird über Nacht weltberühmt.

Dieses Mal hat Son einen US-amerikanischen Jungstar aus dem Immobilienbereich in die Schlagzeilen katapultiert: 200 Millionen Dollar steckt ein Investorenkonsortium unter Leitung des Vision Fund in Clutter, ein 2015 in Kalifornien gegründetes Unternehmen, das das Geschäft mit Lagerräumen für Privatkunden revolutionieren will.

Anders als bisher müssen Clutter-Kunden ihre Habseligkeiten nicht mehr selbst zu den angemieteten Lagerräumen transportieren und dort auch wieder abholen. Clutters Packer holen sie ab, verteilen sie mithilfe moderner Technik effizient in preiswerten Lagerhäusern außerhalb der Städte und liefern sie bei Bedarf wieder aus.

Sogar Umzüge wickelt das Unternehmen ab. „Wir verkaufen keinen Lagerraum, wir liefern inneren Frieden“ lautet das Motto der Kalifornier. Ihre Dienstleitung ist dank Software und preiswerter Immobilien zudem meist billiger als die der Konkurrenz. Clutter-Mitgründer Ari Mir ist sich der Bedeutung bewusst, vom größten Technikfonds der Welt ausgewählt zu sein. Softbanks Investition sei „das ultimative Vertrauensvotum“, bedankte sich Mir nach der Ankündigung in der vorigen Woche.

Softbank ist nicht irgendwer. Für den Vision Fund hat Son fast 100 Milliarden Dollar von Teilhabern eingesammelt, allen voran dem saudischen Pensionsfonds. Sein wohl bekanntestes Investment der Immobilienwelt ist die WeCompany, in dessen Kern die Marke WeWork steht.

Insgesamt hat Softbank und sein Vision Fund mehr als zehn Milliarden Dollar in das Unternehmen gesteckt. Es ist das Paradebeispiel dafür, wie Son seine Rolle als Starthelfer für globale Jungunternehmen sieht, die auf digitale, disruptive Technologie setzen. Diese Strategie setzt Son in der Immobilienwelt immer stärker um und treibt die träge Branche in der Digitalisierung vor sich her.

Mit dem frischen Kapital aus Japan will Mir ambitionierte Ziele erreichen. Nun sei Clutter in der Position, die traditionellen Storage-Anbieter anzugreifen, die den 38 Milliarden Dollar großen amerikanischen Lagerraummarkt dominieren – ganz zum Gefallen von Softbank. Der Vision Fund wolle „die nächste Phase des Wachstums in heimischen und internationalen Märkten“ unterstützten, erklärte Justin Wilson, ein Direktor von Softbank Investment Advisers, der den Fonds verwaltet.

Der Markt für Lagerräume sei enorm groß, vor allem aber stehe die zur „Old Economy“ gehörende Branche erst am Anfang ihrer Digitalisierung, habe ein „riesiges Potenzial für Disruption“. Clutter allein mag noch klein sein. Amerikanische Medien schätzen seinen Wert auf knapp 600 Millionen Dollar. Doch das Start-up ist nur der neueste Zugang in einem immer breiteren Portfolio an Proptech-Unternehmen, in die Son investiert.

Im November wurde bekannt, dass der Vision Fund das amerikanische Start-up View mit 1,1 Milliarden Dollar finanziert. View stellt innovative, smarte Fenster her. In das Unternehmen Katerra, das den Bau mit Robotern und einer vollständig integrierten Lieferkette digitalisieren und industrialisieren will, hat der Vision Fund im vergangenen Jahr bereits 865 Millionen Dollar gesteckt. Medienberichten zufolge stehen weitere 700 Millionen Dollar in Aussicht.

Viele Hundert Millionen hat Son in Onlinemakler wie Compass und OpenDoor Labs in den USA oder Housing.com in Indien gesteckt.

Milliarden für Proptechs

Das größte und bekannteste Investment ist die WeCompany, das bis Januar noch unter dem Namen WeWork firmierte. Das Unternehmen, in das Son insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar gesteckt hat, wird mit über 40 Milliarden Dollar bewertet.
Kern des Unternehmens ist WeWork. Die Firma mietet Büroflächen in Großstädten an und transformiert sie in hippe Arbeitsflächen für die Geistesarbeiter des Digitalzeitalters.

Schreibtische vermietet WeWork einzeln oder en gros an Selbstständige, Start-ups und Firmen. WeWork gestaltet gar schon für Großkonzerne wie IBM ganze Niederlassungen. Son hilft mit Rat und Tat – und natürlich Kapital, das dringend benötigt wird.

Denn die Expansion verschlingt in bester Start-up-Manier hohe Summen. In den ersten neun Monaten 2018 erzielte das Unternehmen bei 1,5 Milliarden Dollar Umsatz 1,2 Milliarden Dollar Verlust. Doch der Japaner Son glaubt so sehr an das Projekt, dass er noch mehr investieren will. Ein paar Wochen hielten sich Berichte, dass er WeCompany sogar 16 Milliarden Dollar spendieren wolle.

Doch offenbar meuterten seine saudischen Teilhaber. Gezielt lancierten sie in Medien die Kritik, dass Son zu teuer einkaufe und zu viele einsame, eher subjektiv begründete Entscheidungen treffe. Nun ist nur noch von zwei Milliarden Dollar zusätzlichem Kapital die Rede.

Doch Son hält an seiner Strategie fest: Softbank hilft mit der Entsendung von zwei Vorständen und hat WeWork durch ein Joint Venture mit Softbank den Weg in den großen japanischen Immobilienmarkt geebnet. Und damit das Geschäft auch gleich rundlief, bezog Sons heimischer Mobilnetzanbieter Softbank massiv Büroflächen.

Glaubt man Immobilienexperten, sind Son und WeWork ein erfolgversprechendes Gespann. „WeWork spielt bereits eine große Rolle in der Industrie und wird immer einflussreicher“, meint Koichiro Obu, Chef der Forschungsabteilung der DWS in Japan. In Manhattan kämpft das Start-up mit JP Morgan Chase um Platz eins der größten Nachfrager nach Büroflächen.

Weltweit ist das WeCompany-Netzwerk auf über 400 Büros in fast 100 Städten in 26 Ländern angewachsen. Der Start in Japan zeigt, wie dynamisch WeWork mit Softbanks Hilfe wachsen kann. 2018, dem ersten vollen Jahr der Geschäftstätigkeit, schoss das Unternehmen in der Megacity Tokio mit 47.000 Quadratmetern angemieteter Fläche an elf Standorten gleich auf den zweiten Platz im Ranking der größten Büromieter empor.

In Südkorea sei WeWork sogar noch weiter als in Japan, meint Obu. Eigentümer, Investoren, Immobilienbesitzer und Makler können das Unternehmen nicht mehr ignorieren. Doch am meisten müssten die traditionellen Makler von Büroflächen den neuen Rivalen fürchten, sagt Obu. Denn WeWork hat inzwischen seine eigenen Großkunden, sammelt Daten und schneidet so die traditionellen Vermittler vom Geschäft ab.

Ein weiteres vielversprechendes Proptech im Softbank-Portfolio heißt Oyo. Oyo Hotel in Indien ist laut Son die „am schnellsten wachsende Hotelkette der Welt“. Es handelt sich dabei um eine Plattform, auf der Kunden Hotel- und Privatzimmer buchen können. Aber anders als bei anderen Vermittlern wie Booking.com klebt Oyo seinen Namen auf das Angebot, regelt mit Künstlicher Intelligenz dynamisch die Preise und übernimmt wenigstens zum Teil die Verwaltung.

Mit Softbanks Hilfe expandiert Oyo Hotels nun auch in China. 180.000 Räume verwalte Oyo in China, erklärte der 24-jährige Firmenchef Ritesh Agarwal im Herbst 2018, mehr als in Indien und Südostasien. Zusätzlich unterhält er in China bereits mehr als 100 Warenhäuser, um seine Liegenschaften zu versorgen.

Die Strategie, die der 61-jährige Son in der Immobilienwelt verfolgt, deckt sich mit seiner breiten Vision: Er will Softbank zum führenden Konzern im Zeitalter Künstlicher Intelligenz, Roboter und vernetzter Maschinen aufbauen. „Das Kerngeschäft von Softbank ist die Informationsrevolution“, erklärt er den Anlegern immer wieder.

Dafür hat er einen einzigartigen unternehmerischen Hybriden aufgebaut, der sich rasant wandelt: Mal ist der Konzern mehr Unternehmer mit Mobilnetzbetreibern, Internetgeschäften und Robotern, aus dessen Erträgen Son seine Investitionstätigkeiten einst finanzierte.

Doch mit dem Softbank Vision Fund hat der Gründer nun weitere finanzielle Mittel, Softbank zum Investmentfonds zu transformieren und seinen Traum schneller zu verwirklichen. Der Fonds kauft Minderheitsbeteiligungen an mehreren Firmen aus einem Bereich, die vor allem bei Künstlicher Intelligenz Nummer eins sein sollen.

Ein solches Investment-Cluster ist die Transportindustrie mit Beteiligungen an regional führenden Mitfahrdiensten wie Uber in den USA, Grab in Südostasien oder Didi Chuxing in China. Ein weiteres Cluster ist die Medizintechnik – und wieder ein anderes die Immobilienwelt. Son sind seine Proptechs so wichtig, dass er sie voriges Jahr in Tokio prominent vorstellte. „Der Fortschritt ist unaufhaltbar“, jubelte Son damals, „er wird zu euch allen kommen.“

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