Steuervergünstigungen geplant Milliardenprogramm für Wohnungsbau in Sicht

400.000 neue Wohnungen brauche Deutschland pro Jahr, schätzen Experten. Gebaut wurden im letzten Jahr allerdings nur 270.000. Bund und Länder wollen mit Steueranreizen nachhelfen – wenn die Baukosten im Rahmen bleiben.
Nicht erst seit dem Zuzug Hunderttausender Flüchtlinge ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt vor allem in Großstädten kritisch. Quelle: dpa
Wohnungsbau in Berlin

Nicht erst seit dem Zuzug Hunderttausender Flüchtlinge ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt vor allem in Großstädten kritisch.

(Foto: dpa)

BerlinBund und Länder wollen ein Milliardenprogramm für Steueranreize zur Ausweitung des privaten Wohnungsbaus auf den Weg bringen. Beim Treffen der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag werde voraussichtlich grünes Licht für die Einleitung des Gesetzgebungsverfahrens gegeben, sagte Nordrhein-Westfalens Minister für Bundesangelegenheiten, Franz-Josef Lersch-Mense (SPD). Nach Reuters-Informationen hatte ein Treffen der Finanz-Staatssekretäre am Mittwoch den Weg dafür freigemacht. Durch eine Sonderabschreibung von 29 Prozent über drei Jahre sollen bis zu 100.000 zusätzliche Wohnungen entstehen. Immobilienbranche und Deutscher Mieterbund begrüßten die Pläne, forderten aber Änderungen in Details.

Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen sagte Reuters, dass er trotz „schwerwiegender Bedenken gegen eine steuerliche Förderung überhaupt“ einen Kompromiss mittrage, wenn sich der Bund noch weiter auf die Länder zu bewege. Berlin hatte für direkte Investitionszulagen plädiert, wie sie auch der GdW-Bundesverband der Wohnungswirtschaft als Ergänzung zur Sonderabschreibung fordert. „Die mangelnde Zielgenauigkeit einer steuerlichen Förderung hat sich in der Vergangenheit gezeigt“, sagte Kollatz-Ahnen. „Eine direkte Förderung ist immer besser.“

Statt direkter Zulagen schlägt das Bundesfinanzministerium aber eine bis 2022 befristete Sonderabschreibung von jeweils zehn Prozent der Baukosten in den ersten beiden Jahren der Herstellung des Gebäudes und von neun Prozent im dritten Jahr vor. Die Mehrheit der Länder habe beim Staatssekretärstreffen darin ein geeignetes Instrument zur Förderung des privaten Wohnungsbaus gesehen, verlautete aus Teilnehmerkreisen. „Die gestrige Sitzung hat eine sehr weitgehende Annäherung gebracht“, bestätigte Lersch-Mense.

Weitgehend einig sind sich Bund und Länder demnach auch, dass die Steuervergünstigung nur in Anspruch genommen werden kann, wenn eine Höchstgrenze der Baukosten nicht überschritten wird. Der Bund hatte zuletzt eine Höchstgrenze von 2200 Euro pro Quadratmeter vorgeschlagen. Dies hielten einige Länder für zu hoch, andere für zu niedrig, hieß es weiter.

Auf Wunsch der Länder sagte der Bund zudem eine Prüfung zu, ob geförderte Neubauten mit der Auflage versehen werden, dass sie mindestens zehn Jahre vermietet werden müssen. Vorgesehen war bisher ein Bindungszeitraum von drei Jahren.

Wenn sich der Bund bei der Bindungsfrist auf zehn Jahre einlasse, Streuverluste vermeide und die Förderung bei Baukosten über 2200 Euro pro Quadratmeter ausschließe, „könnte das von Berlin als Kompromiss mitgetragen werden“, sagte Kollatz-Ahnen. „Allerdings bleibt das Problem, dass es bundesweit zu Steuerausfällen von mehr als vier Milliarden Euro kommt.“

Warum die Deutschen Immobilien kaufen
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Krisensicherheit

Die Umfrage „Immobilienbarometer“ hat Deutsche nach ihren Kaufmotiven bei Immobilien befragt. Auf dem fünften Platz landete dabei der Schutz vor Krisen. 25 Prozent der Befragten kauften demnach Immobilien, weil sie davon ausgingen, dass Immobilien krisensicher seien – 2010 waren es nur 22 Prozent.

Zur Umfrage „Immobilienbarometer“: Im März 2014 wurden über 1.400 Immobilieninteressenten befragt. Die Umfrage wird seit 2010 jährlich als Vergleichsstudie wiederholt. Auftraggeber ist der Baugeld-Vermittler Interhyp.

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Misstrauen

Immobilien profitieren weiterhin von den Folgen der Finanzkrise. Das Vertrauen in viele Anlageklassen ist nach Schuldenschnitt und Bankenpleite erschüttert. Knapp jeder dritte Anleger (29 Prozent) kauft deshalb Immobilien auch aus Misstrauen gegenüber anderen Anlageformen. 2013 taten dies lediglich 6 Prozent der Kapitalanleger.

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Unabhängigkeit

Ein weiterer wichtiger Grund, warum man sich die eigenen vier Wände zulegt, ist die Unabhängigkeit vom Vermieter. 29 Prozent aller Befragten kaufen eine Immobilie, um nicht am Tropf des Vermieters zu hängen – 2010 waren es 28 Prozent.

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Mietfreiheit

37 Prozent der Deutschen wollen Mietzahlungen vermeiden und kaufen sich deshalb eine Immobilie. 2010 waren es noch fünf Prozentpunkte mehr.

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Niedrige Zinsen

Die EZB hält die Zinsen auf rekordniedrigem Niveau und viele Häuslebauer nutzen die Chance, um sich den Traum der eigenen vier Wände zu erfüllen. 46 Prozent gaben an, dass die niedrigen Zinsen der Grund für einen Hauskauf seien – 2010 waren es 39 Prozent. Doch die niedrigen Zinsen haben auch schon viele Immobilienverkäufer realisiert, weshalb die Preise für Immobilien in den letzten Jahren auch deutlich gestiegen sind.

Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp, sieht trotzdem noch Chancen für Hauskäufer: „Die gute Nachricht lautet: Die heute erzielbaren Zinsvorteile können oftmals die Preisanstiege ausgleichen, so dass die monatliche Kreditbelastung in 2014 nicht höher ausfällt als in 2010.“

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Die niedrigen Zinsen sind als Kaufgrund von Platz 3 auf Platz 2 geklettert. Kein Wunder, denn 2010 lagen die Baugeldzinsen oftmals bei über vier Prozent, heute lässt sich laut „Immobilienbarometer“ für rund 2,5 Prozent ein Darlehen mit einer zehnjährigen Zinsbindung aufnehmen.

NEUBAUGEBIET BERLIN KAROW NORD
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Wertsteigerung

Mehr als die Hälfte aller Immobilienkäufer erhoffen sich eine Wertsteigerung ihrer Immobilie. 51 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Wertsteigerung der eigenen vier Wände die Inflation schlagen wird. 2010 waren es fünf Prozentpunkte weniger (46 Prozent).

Mit der „Sonderabschreibung für Mietwohngebäude“ wollen Bund und Länder dafür sorgen, dass mehr Wohnungen gebaut werden. Die Förderung wäre auf Neubau in Gebieten mit angespannten Wohnungsmärkten begrenzt. Nach früheren Berechnungen des Bundesfinanzministeriums könnten sich die Steuerausfälle durch die Sonder-AfA über die Jahre auf bis zu 4,3 Milliarden Euro summieren. Experten zufolge fehlen in den Ballungsräumen bereits Hunderttausende Wohnungen. Durch die Flüchtlingszuwanderung würden Nachfrage und Preise weiter steigen. Im vorigen Jahr wurden etwa 270.000 Wohnungen gebaut – benötigt werden Experten zufolge mindestens 400.000 im Jahr.

Der Immobilien-Spitzenverband ZIA plädierte dafür, auch Projekte mit höheren Baukosten pro Quadratmeter zu fördern. „Aus dem wünschenswerten Anreiz kann sonst ein zahnloser Papiertiger werden“, erklärte der Verband. Der Deutsche Mieterbund forderte, die Förderung mit einer Mietpreisobergrenze zu versehen.

  • rtr
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