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Europaviertel Frankfurt

Der Drang in die Städte wird wohl anhalten.

(Foto: dpa)

Studie „Wohntrends 2035“ – Wohnen wird in deutschen Städten enger und teurer

Eine Studie versucht herauszufinden, wie sich der Wohnmarkt in Deutschland entwickelt. Für Mieter in Ballungsräumen haben sie schlechte Nachrichten.
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ErfurtDie große Trendwende am Wohnungsmarkt wird es wohl nicht geben. Die Mehrheit der Deutschen wird sich nicht der Idylle des Landlebens besinnen. Der Drang in die Städte wird anhalten. So zumindest prognostiziert es der Bundesverband der deutschen Wohnungs- und Immobiliengenossenschaften (GdW) in seinen „Wohntrends 2035“.

Tritt das Szenario ein, dürften sich vor allem Eigentümer und Vermieter freuen. Für angehende Käufer und Mieter bleibt die ernüchternde Einsicht: Es wird vermutlich noch enger – räumlich und auch finanziell.

Für den Blick in die Wohnzukunft wurden in einer repräsentativen Umfrage mehr als 3.000 Menschen nach ihren Wohnvorstellungen befragt. Außerdem analysierten die Autoren die Wohnungsmärkte. Die Bevölkerungszahl, so die zentrale Grundannahme, werde in den kommenden Jahren vermutlich stagnieren oder etwas steigen. Zugleich erwarten die Autoren einen weiteren Zuzug in die Städte.

Maßgeblich sind für den Zuzug nicht unbedingt die Deutschen. „Bereits seit 2014 erkennen wir, dass die angestammte Bevölkerung aus den Großstädten wegzieht. Diese Bewegung wird aber massiv von der Fernzuwanderung überlagert“, erklärt Axel Gedaschko, Präsident des GdW. Statistiken zeigen diesen Trend für Städte wie München schon heute.

Keine guten Botschaften für Mieter

Die Studie lässt zudem wenig Erbauliches für Mieter und potenzielle Wohnungskäufer erahnen. Die Autoren treffen zwar keine Vorhersagen für Marktpreise. Dass es teurer wird, blitzt zwischen den Zeilen aber immer wieder hervor. Und schon heute steigen Mieten und Wohnungspreise seit Jahren. Gedaschko sagt: „Das ist einerseits eine gute Botschaft für unsere Unternehmen, andererseits aber nicht gleich eine gute Botschaft für Mieter.“

Mit dem Trend zum Stadtleben geht der Trend zu kleineren Haushalten einher. Laut Statistischen Bundesamt wird der Anteil der Ein- und Zwei-Personen-Haushalten voraussichtlich von 75 auf 80 Prozent steigen.

Wir werden zudem auf weniger Raum wohnen. „Die Menschen selbst werden 100 Quadratmeter zwar weiter besser finden als 80“, sagt Bettina Harms, Gesellschafterin von einer der Firmen, die die Befragung durchführten, Analyse & Konzepte. Die meisten Menschen möchten aber zentral wohnen.

Ungleichheit und Armut könnten zunehmen

Außerdem wachse das Risiko auf Ungleichheit und Armut, nicht zuletzt für ältere Menschen. Sie hätten bei weitem nicht mehr die Renteneinnahmen wie in den vorangehenden Generationen, mahnt Studienautor Michael Neitzel, Geschäftsführer des Forschungsinstituts InWIS.

Die Folge: Durch den Anstieg der Preise in den Ballungsgebieten könnten „Segregationstendenzen“ auftreten. „Menschen mit geringem Einkommen finden möglicherweise nur in bestimmten Stadtteilen eine Wohnung“, sagt Neitzel.

Einige Projektentwickler sehen in Mikroapartments eine Teillösung des Problems. Das sind sehr keine Apartments, nicht selten ausgestattet mit Gemeinschaftsflächen. Verglichen mit normalen Wohnungen sind diese aber deutlich teurer.

GdW-Chef Gedaschko sieht daher die Politik in der Pflicht. „Der anhaltende Druck auf die Städte beim Thema Wohnen wird sich nur abmildern lassen, wenn die Infrastruktur in ländlichen Regionen ausgebaut und dadurch deren Attraktivität langfristig gesteigert wird.“

Auf dem Land kommt die Digitalisierung nicht an

Seit Jahren wird außerdem die fortschreitende Digitalisierung als große Chance diskutiert, die das Landleben attraktiv halten könnte. Davon ist bisweilen aber kaum etwas zu spüren. Die Bereitschaft zum Homeoffice – sowohl von Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern – halte sich in Grenzen, so die Studienautoren. Ob das geplante, schnelle 5G-Funknetz das ändere, müsse sich noch zeigen.

Daran, dass die Immobilienwelt ganz grundsätzlich digitaler wird, haben die Studienautoren aber keine Zweifel. Die Wohnung wünschen sich die Menschen im Kontrast zur hektischen Außenwelt gemütlicher, sie soll bei Einzug aber möglichst schon vollständig digital vernetzt sein.

Eine schnelle Internet-Verbindung setzen zwei Drittel der Befragten als Standard voraus. Darüber hinaus berge das Smart Home nicht zuletzt in Punkto Energieeffizienz Einsparpotenziale. Hinzu kommt Vernetzung für Elektromobilität.

Sharing hingegen fällt überwiegend durch: An Bike-Sharing haben neun von zehn Befragten kein Interesse. Car-Sharing lehnen noch 86 Prozent ab und die vermeintlich beliebteste Sharing-Methode, der Bewohnertreff, stößt bei immer noch 70 Prozent der Befragten nicht auf Interesse.

Unbeantwortet bleibt die Frage, für wie viel Mehrkosten die Vernetzung der Immobilienwelt verschlingen wird und wer dafür zahlt. Ulrich Ropertz, Chef des Deutschen Mieterbundes, beschwichtigt jedoch: Was in 17 Jahren Realität sei, könne heute noch keiner genau vorhersagen. Das betreffe sowohl die Vernetzung der Immobilien, als auch die Bevölkerungszahl.

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